Meereskunde
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ihre Ubiquität sind Hinweise auf Quellen nicht
möglich. Zu Zeiten der Eisdrift-Ereignisse steigt
die Sedimentation von Glimmern und Quarz an.
Aussagen über Quellen und Transportwege lie
ßen sich aber aus akzessorischen Bestandteilen
ziehen. So tritt das Mineral Amphibol nur In den
Drift-Horizonten 1, 2, 4 und 5 auf. Weiterhin tritt
in diesen vier Horizonten neugebildeter Dolomit
auf (bis 50% des Kalkanteils). Amphibol ist ein
Indikator für basische Tiefengesteine (Amphiboli
te). Diese kommen nur im Bereich der Hudson
Bay und dem südlichen Grönland vor. Zusätzlich
sind diese Gesteine sehr alt (>1500 * 10 6 Jahre).
K/Ar-Altersbestlmmungen an den Horizonten 1,
2, 4 und 5 zeigten sehr hohe (Misch-)Alter
(> 1000 * 10 6 Jahre). Das Sediment dieser Hori
zonte Ist somit durch Eis aus den Zentren des
kanadischen und des grönländischen Eisschildes
In den Nordost-Atlantik transportiert worden.
Sauerstoffisotopenverhältnisse, gemessen an
Kalkgehäusen planktonlscher Foraminiferen,
weisen in diesen Horizonten relativ „leichte“ Wer
te aus.
Das Mineral Smektit ist typisch für alle ande
ren Drift-Horizonte und das Sediment zwischen
den Horizonten. Es tritt nicht mit Amphibol zusam
men auf. Smektit ist ein Verwitterungsprodukt von
Basaltgesteinen. Als Quelle ist Island anzuneh
men, das vollständig aus Basalt besteht. Da
Smektit auch in den eisfreien Zeiten des Atlantiks
in der nordost-atlantischen Tiefsee abgelagert
wird, ist für dieses Mineral ein überwiegender
Transport durch Strömungen anzunehmen. Strö
mungsuntersuchungen haben gezeigt, daß Tie
fenwasser aus dem isländischen Bereich in Rich
tung Süden über das Untersuchungsgebiet
hinaus fließt und somit als Transportmedium von
Smektit in Frage kommt. K/Ar-Datierungen am
Gesamtsilikat zeigen, daß aber der Hauptteil des
Sediments (Glimmer) in Warm- und Kaltzeiten
aus den paläozoischen Gebirgsteilen des zirkum-
atlantischen Raumes stammt (z. B. Appalachen
und Iberische Halbinsel). Dieses Material wird
durch Strömungen im oberen Bereich des ozeani
schen Wasserkörpers und durch Wind transpor
tiert.
Die Anwesenheit von Smektit und das Feh
len von Amphibol in nahezu dem gesamten Gla-
zial/lnterglazlalzyklus, auch während der übrigen
Eisdrift-Ereignisse, spricht also für nicht beson
ders große Unterschiede In den ozeanischen Zir
kulationssystemen warmer und kalter Klimapha
sen. Während des Glazials wurde zusätzlich Eis
aus dem isländisch-ostgrönländischen Bereich
angeliefert. Die überwiegenden Unterschiede
sind vermutlich in der starken Reduktion der Pro
duktionsraten von Tiefenwasser und der Aus
tauschraten zu finden.
Die Anwesenheit von Amphibol In den Hori
zonten 1, 2, 4 und 5 ist ein Indikator für Phasen
äußerst Intensiver Eisbergdrift, die nur während
der kalten Hälfte des letzten Glazlal/Interglazial-
Zyklus (Weichsel-Eiszeit) auftritt. Quellen des Ei
ses sind der kanadische und der westgrönländi
sche Eisschild. Das Eis aus dem ostgrönländi
schen Bereich scheint weiter nach Osten
abgedrängt worden zu sein, so daß es das
NOAMP-Gebiet nicht mehr erreicht hatte. Die
leichten Sauerstoffisotopenverhältnisse des Bio
genkalkes belegen für diese Zeiten die Existenz
einer Oberflächendeckschicht mit geringerem
Salzgehalt auf dem Nordatlantik, die möglicher
weise die Tiefenwasserneubildung reduziert hat.