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Full text: Jahresbericht 1991

Meereskunde 
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ihre Ubiquität sind Hinweise auf Quellen nicht 
möglich. Zu Zeiten der Eisdrift-Ereignisse steigt 
die Sedimentation von Glimmern und Quarz an. 
Aussagen über Quellen und Transportwege lie 
ßen sich aber aus akzessorischen Bestandteilen 
ziehen. So tritt das Mineral Amphibol nur In den 
Drift-Horizonten 1, 2, 4 und 5 auf. Weiterhin tritt 
in diesen vier Horizonten neugebildeter Dolomit 
auf (bis 50% des Kalkanteils). Amphibol ist ein 
Indikator für basische Tiefengesteine (Amphiboli 
te). Diese kommen nur im Bereich der Hudson 
Bay und dem südlichen Grönland vor. Zusätzlich 
sind diese Gesteine sehr alt (>1500 * 10 6 Jahre). 
K/Ar-Altersbestlmmungen an den Horizonten 1, 
2, 4 und 5 zeigten sehr hohe (Misch-)Alter 
(> 1000 * 10 6 Jahre). Das Sediment dieser Hori 
zonte Ist somit durch Eis aus den Zentren des 
kanadischen und des grönländischen Eisschildes 
In den Nordost-Atlantik transportiert worden. 
Sauerstoffisotopenverhältnisse, gemessen an 
Kalkgehäusen planktonlscher Foraminiferen, 
weisen in diesen Horizonten relativ „leichte“ Wer 
te aus. 
Das Mineral Smektit ist typisch für alle ande 
ren Drift-Horizonte und das Sediment zwischen 
den Horizonten. Es tritt nicht mit Amphibol zusam 
men auf. Smektit ist ein Verwitterungsprodukt von 
Basaltgesteinen. Als Quelle ist Island anzuneh 
men, das vollständig aus Basalt besteht. Da 
Smektit auch in den eisfreien Zeiten des Atlantiks 
in der nordost-atlantischen Tiefsee abgelagert 
wird, ist für dieses Mineral ein überwiegender 
Transport durch Strömungen anzunehmen. Strö 
mungsuntersuchungen haben gezeigt, daß Tie 
fenwasser aus dem isländischen Bereich in Rich 
tung Süden über das Untersuchungsgebiet 
hinaus fließt und somit als Transportmedium von 
Smektit in Frage kommt. K/Ar-Datierungen am 
Gesamtsilikat zeigen, daß aber der Hauptteil des 
Sediments (Glimmer) in Warm- und Kaltzeiten 
aus den paläozoischen Gebirgsteilen des zirkum- 
atlantischen Raumes stammt (z. B. Appalachen 
und Iberische Halbinsel). Dieses Material wird 
durch Strömungen im oberen Bereich des ozeani 
schen Wasserkörpers und durch Wind transpor 
tiert. 
Die Anwesenheit von Smektit und das Feh 
len von Amphibol in nahezu dem gesamten Gla- 
zial/lnterglazlalzyklus, auch während der übrigen 
Eisdrift-Ereignisse, spricht also für nicht beson 
ders große Unterschiede In den ozeanischen Zir 
kulationssystemen warmer und kalter Klimapha 
sen. Während des Glazials wurde zusätzlich Eis 
aus dem isländisch-ostgrönländischen Bereich 
angeliefert. Die überwiegenden Unterschiede 
sind vermutlich in der starken Reduktion der Pro 
duktionsraten von Tiefenwasser und der Aus 
tauschraten zu finden. 
Die Anwesenheit von Amphibol In den Hori 
zonten 1, 2, 4 und 5 ist ein Indikator für Phasen 
äußerst Intensiver Eisbergdrift, die nur während 
der kalten Hälfte des letzten Glazlal/Interglazial- 
Zyklus (Weichsel-Eiszeit) auftritt. Quellen des Ei 
ses sind der kanadische und der westgrönländi 
sche Eisschild. Das Eis aus dem ostgrönländi 
schen Bereich scheint weiter nach Osten 
abgedrängt worden zu sein, so daß es das 
NOAMP-Gebiet nicht mehr erreicht hatte. Die 
leichten Sauerstoffisotopenverhältnisse des Bio 
genkalkes belegen für diese Zeiten die Existenz 
einer Oberflächendeckschicht mit geringerem 
Salzgehalt auf dem Nordatlantik, die möglicher 
weise die Tiefenwasserneubildung reduziert hat.
	        
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