in der nordost-atlantischen Tiefsee im Rahmen
des NOAMP-Projektes (Nordost-atlantisches Mo
nitoring-Programm; 1983-1986). Beim Versuch,
Sedimentkerne aus unterschiedlichen topogra
phischen Situationen zu parallelisieren zeigten
sich In der Verteilung von Eisdriftsediment uner
wartete Regelmäßigkeiten (Abb. 26). ln einem
zeitlich etwa gleichbleibenden Abstand nimmt die
Ablagerung von silikatischem Sediment sprung
haft zu und der Fossilgehalt (Im wesentlichen Fo
raminiferen) ab. Der silikatische Anteil dieser Ho-
rizonte setzt sich überwiegend aus Tonmineralen,
Quarzsand und festländischen Steinen unter
schiedlicher Größe zusammen. Das Sediment
zwischen den Horizonten setzt sich aus einer va
riierenden Mischung von Tonmineralen und Bio
genkalk zusammen. Insgesamt werden In den
untersuchten Kernen 11 Ereignisse beobachtet.
Während der Tonmineralgehalt mit ozeanischen
Strömungen und über die Atmosphäre verbreitet
wird, werden der Quarzsand und Steine durch
Eisberge transportiert. Die 11 Horizonte sind des
halb Zeugen einer verstärkten Drift von Eisbergen
auf dem Nordost-Atlantik.
Das zeitliche Auftreten dieser Eisdrift-Ereig
nisse ließ sich mit Hilfe von Sauerstoff-Isotopen-
messungen einigermaßen gut festlegen (Abb.
26). In den vergangenen 130 000 Jahren, der
Dauer des letzten Interglazlal/Glazial-Zyklus,
stellte sich demzufolge etwa alle 11 000 ±1500
Jahren auf dem Nordost-Atlantik eine mehr oder
weniger dichte Eisberg-Bedeckung ein. Ursache
und Dauer sind noch nicht abschließend geklärt.
Die gute Korrelation mit den Zeitpunkten von Son-
neneinstrahlungsminima (s.o.) legt jedoch eine
Koppelung an die halbe Periode der Präzession
Klimaschwankungen
nahe. In der wärmeren Hälfte des letzten Klimazy
klus, von 120 000-75 000 J. v. h. war die Eisbe
deckung während dieser Ereignisse eher dünn,
sodaß nicht immer ein entsprechender Sediment
horizont zu beobachten ist. Der Fossiliengehalt
zeigt aber zu den entsprechenden Zeitpunkten
eine deutliche Abkühlung des Oberflächenwas
sers an. Zwischen 75 000 und 10 000 J. v. h., der
kalten Hälfte des Klimazyklus, sind die Ereignisse
deutlich im Sediment abgebildet. Sie waren inten
siver und haben möglicherweise auch länger ge
dauert. Die Ergebnisse des CLIMAP-Projektes in
den Siebzigerjahren haben gezeigt, daß die Eis
bedeckung auf dem Nordatlantik phasenweise
fast bis auf Höhe der Azoren reichte (Abb. 27).
Die Südgrenze der Eisdrift scheint bei allen Ereig
nissen immer die gleiche zu sein, nur die Intensi
tät variiert. Dies gilt auch für die Kleine Eiszeit
(600-140 J. vor heute).
Die nachfolgenden Untersuchungen über
die Quellen der Eisberge und des mit ihnen trans
portierten, silikatischen Sediments wurden in Zu
sammenarbeit mit dem Geologischen Institut der
Universität Neuchatel/Schweiz durchgeführt. Aus
der Lage der Quellen konnten Rückschlüsse über
Entwicklungen des oberflächennahen Strö
mungssystems des Nordatlantiks gezogen wer
den. Die Messungen wurden am feinkörnigen Se
diment (<16 pm) durchgeführt, um sowohl den
Eistransport als auch den Suspensionstransport
einzuschließen.
Die Bestimmung des Mineralbestandes er
gab, daß das feine silikatische Sediment überwie
gend von den angrenzenden Kontinenten des
Nordatlantiks stammt. Hauptkomponenten sind
die Mineralgruppe der Glimmer und Quarz. Durch
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