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Full text: Jahresbericht 1991

der globalen ozeanischen Zirkulation. 
Der Weltozean enthält 97% des globalen 
Süßwasservorrats. Er Ist damit die wesentliche 
Quelle für das Süßwasser, das als Niederschlag 
über den Kontinenten abregnet. Die Atmosphäre 
enthält dagegen nur ca. 0,001 % des globalen 
Süßwasservorrats. Die enorme Speicherwirkung 
des Ozeans verschiebt die kurzfristigen meteoro 
logischen Signale hin zu den langfristigen Klima 
signalen. Veränderungen des Austauschs von 
Süßwasser zwischen Ozean und Atmosphäre, 
sowohl in der Intensität als auch der regionalen 
Verteilung, haben daher große Auswirkungen. 
Neben Verschiebungen des tropischen Nieder 
schlagsgürtels und ihrer Auswirkungen auf die 
Kontinente, kontrolliert der ozeanische Süß 
wassertransport in den polaren Ozeangebieten, 
also der Antarktis und der Arktis, entscheidend 
die thermohaline Zirkulation des Weltozeans. 
Der Nordatlantik ist durch die hohe Wärme 
menge und die Abkühlung In den hohen Breiten 
zu dem wichtigsten Glied der globalen Zirkulation 
geworden: hier wird die horizontale überwiegend 
windgetriebene Zirkulation mit der vertikalen, 
thermohalinen Zirkulation gekoppelt. Durch eine 
Folge von Austauschvorgängen mit der Atmo 
sphäre in bestimmten Ozeangebieten wird die 
globale thermohaline Zirkulation aufrechter 
halten. Ihr oberflächennaher Teil wird In der Indo 
nesischen Inselwelt durch reichhaltige Nieder 
schläge stark ausgesüßt, in den äquatorialen 
Gebieten des Indischen und Atlantischen Ozeans 
aufgeheizt und gelangt schließlich in den Nordat 
lantik, wo er durch starke Abkühlung und Konvek 
tion in die Tiefsee umgelagert wird. Besonders 
hier wird die ständige Wechselwirkung Ozean- 
Klimaschwankungen 
Atmosphäre wegen der hohen Breite eng gekop 
pelt an die Kryosphäre, also den eisbedeckten 
Teil der Erdoberfläche. Strahlungsgleichgewicht 
der Atmosphäre, meridionaler Wärmetransport 
und die Süßwasserbilanz des Gesamtsystems 
beeinflussen sich gegenseitig schnell und nach 
haltig. Markiert durch die Signale dieser engen 
Wechselwirkung mit der Atmosphäre auf dem 
Weg in den Nordatlantik, also mit Sauerstoff und 
natürlichen und anthropogenen Spurenstoffen, 
tritt das Wasser seinen Rückweg als Teil der glo 
balen Tiefenzirkulation an, die sie durch den Indi 
schen und Pazifischen Ozean zu deren jeweiligen 
Nordenden führt. Dort gelangt es zum Ausgleich 
des abgeflossenen Oberflächenwassers als „up- 
welling“ an die Oberfläche zurück und beginnt 
erneut diesen Kreislauf. Dieser Reiseweg dauert 
in der Größenordnung 1000 Jahre. 
Die antreibenden Kräfte sind die globalen 
Verteilungen von Wärme, Süßwasser und Wind 
schub an der Meeresoberfläche. Ihre jeweilige 
Stärke ist starken jahreszeitlichen und regionalen 
Schwankungen unterworfen. Daneben existieren 
langfristige Schwankungen, also Im Bereich von 
mehreren Jahren bis Jahrzehnten, die zu Verän 
derungen dieser Flüsse von Wärme und Süßwas 
ser an der Meeresoberfläche führen. Sie bewir 
ken ebenfalls entsprechende Veränderungen der 
ozeanischen Zirkulation und damit sowohl des 
vertikalen als auch horizontalen Transports von 
Wärme und Süßwasser. Die kurzfristigen 
Schwankungen in der atmosphärischen Zirkula 
tion und die damit verbundenen Schwankungen 
des Austausches von Wärme und Süßwasser 
zwischen Atmosphäre und Ozean (fast system) 
werden vom Ozean aufsummiert: der tiefe Ozean 
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