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Full text: Jahresbericht 1991

Meereskunde 
Klimaschwankungen im Atlantik. Globale Zusammenhänge und 
regionale Effekte 
Im Klimasystem der Erde nimmt der Ozean 
eine wichtige, wenn auch häufig unterschätzte 
Rolle ein. Er speichert sehr viel Wärmeenergie 
aus der Atmosphäre bei entsprechendem Ange 
bot - also tagsüber und im Sommer - und gibt 
sie wieder an die Atmosphäre ab, wenn dort 
Nachfrage besteht - also nachts und im Winter. 
Die große Wärmekapazität des Seewas 
sers, also damit die Fähigkeit des Ozeans, Wär 
me zu speichern, führt zu einer Verzögerung des 
Jahresganges der Temperatur des Ozeans ge 
genüber dem der Atmosphäre oder der Kontinen 
te. Diese dämpfende Wirkung, auch „Moderator 
funktion des Ozeans“ genannt, äußert sich indem 
Begriff „maritimes Klima“ als Gegensatz zum 
„kontinentalen Klima“. 
Die Erwärmung des Ozeans führt in einer 
dichten Kette von Prozessen zu einer engen 
Kopplung des ozeanischen Geschehens an das 
atmosphärische, und zu gegenseitiger Beeinflus 
sung. Jede Erwärmung des Ozeans führt zu einer 
gesteigerten Verdunstung - also einem Süßwas 
serverlust -, die zu einer Zunahme des atmo 
sphärischen Wasserdampfs führt und damit zu 
erhöhter Wolkenbildung. Eine Veränderung der 
Wolkendecke oder ihrer Zusammensetzung ver 
ändert das Strahlungsgleichgewicht, welches 
wiederum den Wärmeaustausch zwischen dem 
Ozean und der Atmosphäre beeinflußt. Die hier 
auf folgende Erwärmung des Ozeans führt zur 
gesteigerten Verdunstung zurück und damit zu 
weiterem Süßwasserverlust - es sei denn, es 
kommt zu Niederschlägen - und schließlich zu 
einer Zunahme des Salzgehaltes. Der Salzgehalt 
aber hat einen entscheidenden Einfluß auf die 
Dichteschichtung und damit auf den schichtungs 
bedingten Teil der ozeanischen Zirkulation. 
Die Abkühlung des Ozeans dagegen verrin 
gert die Dichteschichtung und erleichtert tiefrei 
chende vertikale Konvektion. Dabei wird Wärme 
aus dem Ozeaninneren zur Oberfläche transpor 
tiert, das Wasser in der Tiefe wird abgekühlt und 
vergrößert seine Dichte. Veränderte Dichte 
schichtungen jedoch resultieren in veränderter 
ozeanischer Zirkulation. 
Veränderungen der ozeanischen Zirkulation 
beeinflussen den horizontalen ozeanischen Wär 
metransport. Die Erwärmung der Ozeane ist am 
Äquator, die Abkühlung in Polnähe am größten. 
Nur für den Atlantik gilt dies nicht. Seine extreme 
Nord-Süd-Ausdehnung, besonders in hohe nörd 
liche Breiten, verursacht diese einzigartige Asym 
metrie des meridionalen Wärmetransportes, bei 
dem 1,2 PW (10 15 W) am atlantischen Äquator 
nach Norden transportiert werden und in hohen 
Breiten des Nordatlantiks an die Atmosphäre ab 
gegeben werden. Dies zeigt sich in der asymme 
trischen breitenabhängigen Temperaturvertei 
lung, nämlich der Tatsache, daß bei gleicher 
Breite Europa im Winter deutlich wärmer ist als 
etwa Labrador. Europa verdankt sein milderes Kli 
ma also dem Atlantik, und dessen Sonderrolle in 
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