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Full text: Jahresbericht 1991

Ein besonderes Problem bei den durchge 
führten Rückwärtsrechnungen war, daß häufig 
der Zeitpunkt des Strandens nicht genau bekannt 
war. Vor allem an einsameren Küstenabschnitten 
werden Verschmutzungen oft erst Stunden oder 
Tage später entdeckt. Der Startzeitpunkt hat je 
doch entscheidenden Einfluß auf das Ergebnis 
der Rechnung. Will man durch eine Rückwärts 
rechnung den Einbringungsort eines Schadstoffs 
bestimmen, muß man zudem wissen, wie lange 
er bereits im Wasser treibt. Die physikalisch-che 
mischen Eigenschaften der alkylierten Phenole 
erlauben jedoch keine Rückschlüsse auf die Ver 
weildauer im Wasser. Da es nicht möglich war, 
den Einbringungszeitraum einzuengen, konnten 
durch die Rückwärtsrechnungen lediglich eine 
Reihe möglicher Einbringungsorte bestimmt wer 
den. 
Wie Experimente im Labor zeigten, 
schwimmt die gefundene Substanz an der Was 
seroberfläche. Bel den Driftrechnungen wurde 
deshalb vorausgesetzt, daß allein die Drift an der 
Wasseroberfläche maßgeblich für den Transport 
des Produktes ist. Abweichungen von diesem 
Ausbreitungsverhalten, wie etwa ein Absinken 
der Substanz oder die Drift innerhalb der Wasser 
säule, können mit dem Modell nicht simuliert wer 
den. 
Rückwärtsrechnungen für Funde von 4 un 
terschiedlichen Orten an der deutschen Küste 
(Abb. 20) ergaben Driftwege, nach denen die Ver 
schmutzungen aus dem nördlichen bis nordwest 
lichen Bereich der Deutschen Bucht stammen 
mußten. Da im Mai eine relativ konstante Wetter 
lage mit Winden aus Nord bis Nordwest herrsch 
te, kommt als mögliches Einbringungsgebiet so 
Alkylierte Phenole 
gar der Übergangsbereich Nordsee-Skagerrak in 
Frage. Bemerkenswert ist, daß nach den Modell 
rechnungen die Verschmutzung der nordfrlesl- 
chen Inseln (Mitte Juni) sehr wahrscheinlich die 
gleiche Ursache hat wie die Verschmutzung der 
ostfriesischen Inseln (Anfang Juni). Die gleiche 
chemische Zusammensetzung der Verschmut 
zung spricht ebenfalls dafür. 
Die Rückwärtsrechnungen ergaben einen 
ersten Anhaltspunkt für den Ort und Zeitpunkt der 
Einbringung. Durch Vorwärtsrechnungen wurde 
nun versucht, einen Driftweg zu finden, bei dem 
Zeit und Ort des Strandens mit Fundzeit und Fun 
dort übereinstimmen. Auf diese Weise wurde für 
die fiktive Einbringungszeit 1.5.1991 der in den 
Abbildungen angegebene Einbringungsort zwi 
schen Dänemark und Norwegen ermittelt. Als 
Einbringungsort kann jedoch ebenfalls jeder Ort 
auf dem in Abbildung 21 dargestellten Driftweg 
angenommen werden. 
Bei dieser Ausbreitungssimulation treibt die 
Substanz zunächst in süd- bis südöstliche Rich 
tung. Anfang Juni erreicht sie die ostfriesischen 
Inseln. Der Driftweg knickt dann nach Nordosten 
ab und endet 2 Wochen später vor der Küste von 
Eiderstedt. Die Abbildungen 22 bis 24 zeigen die 
berechnete Verteilung des Schadstoffs zu 3 unter 
schiedlichen Zeitpunkten. Nach der Simulation ist 
die Substanz Mitte Juni fast vollständig gestran 
det, wobei der Küstenbereich zwischen Juist und 
Pellworm betroffen Ist. 
Ein Zusammenhang mit den Phenolver 
schmutzungen, die von April bis Juli an der däni 
schen Küste aufgetreten waren, konnte durch die 
Modellrechnungen nicht hergestellt werden, ob 
wohl diese Verschmutzungen die gleiche Zusam- 
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