Ein besonderes Problem bei den durchge
führten Rückwärtsrechnungen war, daß häufig
der Zeitpunkt des Strandens nicht genau bekannt
war. Vor allem an einsameren Küstenabschnitten
werden Verschmutzungen oft erst Stunden oder
Tage später entdeckt. Der Startzeitpunkt hat je
doch entscheidenden Einfluß auf das Ergebnis
der Rechnung. Will man durch eine Rückwärts
rechnung den Einbringungsort eines Schadstoffs
bestimmen, muß man zudem wissen, wie lange
er bereits im Wasser treibt. Die physikalisch-che
mischen Eigenschaften der alkylierten Phenole
erlauben jedoch keine Rückschlüsse auf die Ver
weildauer im Wasser. Da es nicht möglich war,
den Einbringungszeitraum einzuengen, konnten
durch die Rückwärtsrechnungen lediglich eine
Reihe möglicher Einbringungsorte bestimmt wer
den.
Wie Experimente im Labor zeigten,
schwimmt die gefundene Substanz an der Was
seroberfläche. Bel den Driftrechnungen wurde
deshalb vorausgesetzt, daß allein die Drift an der
Wasseroberfläche maßgeblich für den Transport
des Produktes ist. Abweichungen von diesem
Ausbreitungsverhalten, wie etwa ein Absinken
der Substanz oder die Drift innerhalb der Wasser
säule, können mit dem Modell nicht simuliert wer
den.
Rückwärtsrechnungen für Funde von 4 un
terschiedlichen Orten an der deutschen Küste
(Abb. 20) ergaben Driftwege, nach denen die Ver
schmutzungen aus dem nördlichen bis nordwest
lichen Bereich der Deutschen Bucht stammen
mußten. Da im Mai eine relativ konstante Wetter
lage mit Winden aus Nord bis Nordwest herrsch
te, kommt als mögliches Einbringungsgebiet so
Alkylierte Phenole
gar der Übergangsbereich Nordsee-Skagerrak in
Frage. Bemerkenswert ist, daß nach den Modell
rechnungen die Verschmutzung der nordfrlesl-
chen Inseln (Mitte Juni) sehr wahrscheinlich die
gleiche Ursache hat wie die Verschmutzung der
ostfriesischen Inseln (Anfang Juni). Die gleiche
chemische Zusammensetzung der Verschmut
zung spricht ebenfalls dafür.
Die Rückwärtsrechnungen ergaben einen
ersten Anhaltspunkt für den Ort und Zeitpunkt der
Einbringung. Durch Vorwärtsrechnungen wurde
nun versucht, einen Driftweg zu finden, bei dem
Zeit und Ort des Strandens mit Fundzeit und Fun
dort übereinstimmen. Auf diese Weise wurde für
die fiktive Einbringungszeit 1.5.1991 der in den
Abbildungen angegebene Einbringungsort zwi
schen Dänemark und Norwegen ermittelt. Als
Einbringungsort kann jedoch ebenfalls jeder Ort
auf dem in Abbildung 21 dargestellten Driftweg
angenommen werden.
Bei dieser Ausbreitungssimulation treibt die
Substanz zunächst in süd- bis südöstliche Rich
tung. Anfang Juni erreicht sie die ostfriesischen
Inseln. Der Driftweg knickt dann nach Nordosten
ab und endet 2 Wochen später vor der Küste von
Eiderstedt. Die Abbildungen 22 bis 24 zeigen die
berechnete Verteilung des Schadstoffs zu 3 unter
schiedlichen Zeitpunkten. Nach der Simulation ist
die Substanz Mitte Juni fast vollständig gestran
det, wobei der Küstenbereich zwischen Juist und
Pellworm betroffen Ist.
Ein Zusammenhang mit den Phenolver
schmutzungen, die von April bis Juli an der däni
schen Küste aufgetreten waren, konnte durch die
Modellrechnungen nicht hergestellt werden, ob
wohl diese Verschmutzungen die gleiche Zusam-
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