Alkylierte Phenole
Verschmutzungen durch alkylierte Phenole in der Deutschen
Bucht
Im Juni/Juli wurde in der gesamten Deut
schen Bucht eine Verschmutzung durch ein gelb
liches Produkt festgestellt, das größtenteils In
Form von kleinen Brocken, z. T. aber auch In Form
von Klumpen von der Größe eines Fußballs, auf
trat. Besonders betroffen waren die Ostfriesi
schen Inseln Borkum und Juist (Abb. 17). Sofort
eingeleitete chemische Untersuchungen der Fun
de durch das BSPI ergaben, daß es sich um ein
Produkt aus alkylierten Phenolen (tert. Butyl-
phenoien) handelte. Die Flauptkomponente
(ca. 85%) wurde mit Hilfe der Gaschromatogra
phie/Massenspektrometrie-Kopplung eindeutig
als
„4,4’-Methylen-bis-(2,6-di-tert. butylphenol)“
identifiziert (Abb. 18). Das Produkt enthielt außer
dem unterschiedliche (Mono-) Phenole, wie z. B.
„2-tert. Butylphenol“, „2,6-di-tert. Butylphenol“
und „2,4,6-tri-tert. Butylphenol“ und Motorenöl.
Derartige Produkte werden z. B. als Additive (Oxi
dationsinhibitoren) in Schmierölen verwendet.
Verschmutzungen gleicher Zusammensetzung
waren bereits zwei Monate vorher - im Rahmen
der Untersuchungen des EG-Projektes „Oiled
Seabirds“ - an Stränden Dänemarks gefunden
worden (Abb. 19 Fundorte und relative Zusam
mensetzung der Verschmutzungen).
Die zuständigen Behörden in Schleswig-
Holstein und Niedersachsen und die zuständigen
Bundesministerien wurden bereits einen Tag
nach Eintreffen der Proben über die Untersu
chungsergebnisse informiert. Derartige Phenole
gelten als „mäßig toxisch“. Vorsorglich sollte da
her jeder Kontakt mit der Haut, vor allem aber
mit den Schleimhäuten, vermieden werden. Das
Auftreten dieses Produktes zur Hauptferienzeit
an den Stränden der Deutschen Bucht stellte des
halb ein sehr ernstes Problem dar.
Über das Frühwarnsystem der Oslo/Paris-
Kommission („Early warning reporting System for
pollution“) wurden außerdem die Nord- und Ost
seeanliegerstaaten über die Vorfälle informiert.
Um einen möglichen Verursacher der Ver
schmutzung ausfindig zu machen, wurde bereits
kurz nach Auftreten der ersten Verschmutzungen
an der deutschen Küste versucht, mit Hilfe des
Driftmodells des BSH den Weg zu bestimmen,
den die Schadstoffe im Wasser bis zu ihrer Auffin
dung zurückgelegt haben. Für die Berechnung
des Driftweges benutzt das Modell Strömungs
daten, die mit dem Operationellen Strömungs
modell für die Nord- und Ostsee aufgrund aktuel
ler Winddaten berechnet wurden.
Im Lauf der Recherche wurden 24 Driftrech
nungen durchgeführt, davon 14 Rückwärtsrech
nungen, um das Herkunftsgebiet der Verschmut
zung einzuengen. Bei diesen Rückwärts
rechnungen werden ausgehend von Zeitpunkt
und Ort des Auffindens mit Hilfe zurückliegender
Wind- und Strömungsinformationen zurücklie
gende Positionen der Substanz berechnet.
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