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Full text: Jahresbericht 1991

Alkylierte Phenole 
Verschmutzungen durch alkylierte Phenole in der Deutschen 
Bucht 
Im Juni/Juli wurde in der gesamten Deut 
schen Bucht eine Verschmutzung durch ein gelb 
liches Produkt festgestellt, das größtenteils In 
Form von kleinen Brocken, z. T. aber auch In Form 
von Klumpen von der Größe eines Fußballs, auf 
trat. Besonders betroffen waren die Ostfriesi 
schen Inseln Borkum und Juist (Abb. 17). Sofort 
eingeleitete chemische Untersuchungen der Fun 
de durch das BSPI ergaben, daß es sich um ein 
Produkt aus alkylierten Phenolen (tert. Butyl- 
phenoien) handelte. Die Flauptkomponente 
(ca. 85%) wurde mit Hilfe der Gaschromatogra 
phie/Massenspektrometrie-Kopplung eindeutig 
als 
„4,4’-Methylen-bis-(2,6-di-tert. butylphenol)“ 
identifiziert (Abb. 18). Das Produkt enthielt außer 
dem unterschiedliche (Mono-) Phenole, wie z. B. 
„2-tert. Butylphenol“, „2,6-di-tert. Butylphenol“ 
und „2,4,6-tri-tert. Butylphenol“ und Motorenöl. 
Derartige Produkte werden z. B. als Additive (Oxi 
dationsinhibitoren) in Schmierölen verwendet. 
Verschmutzungen gleicher Zusammensetzung 
waren bereits zwei Monate vorher - im Rahmen 
der Untersuchungen des EG-Projektes „Oiled 
Seabirds“ - an Stränden Dänemarks gefunden 
worden (Abb. 19 Fundorte und relative Zusam 
mensetzung der Verschmutzungen). 
Die zuständigen Behörden in Schleswig- 
Holstein und Niedersachsen und die zuständigen 
Bundesministerien wurden bereits einen Tag 
nach Eintreffen der Proben über die Untersu 
chungsergebnisse informiert. Derartige Phenole 
gelten als „mäßig toxisch“. Vorsorglich sollte da 
her jeder Kontakt mit der Haut, vor allem aber 
mit den Schleimhäuten, vermieden werden. Das 
Auftreten dieses Produktes zur Hauptferienzeit 
an den Stränden der Deutschen Bucht stellte des 
halb ein sehr ernstes Problem dar. 
Über das Frühwarnsystem der Oslo/Paris- 
Kommission („Early warning reporting System for 
pollution“) wurden außerdem die Nord- und Ost 
seeanliegerstaaten über die Vorfälle informiert. 
Um einen möglichen Verursacher der Ver 
schmutzung ausfindig zu machen, wurde bereits 
kurz nach Auftreten der ersten Verschmutzungen 
an der deutschen Küste versucht, mit Hilfe des 
Driftmodells des BSH den Weg zu bestimmen, 
den die Schadstoffe im Wasser bis zu ihrer Auffin 
dung zurückgelegt haben. Für die Berechnung 
des Driftweges benutzt das Modell Strömungs 
daten, die mit dem Operationellen Strömungs 
modell für die Nord- und Ostsee aufgrund aktuel 
ler Winddaten berechnet wurden. 
Im Lauf der Recherche wurden 24 Driftrech 
nungen durchgeführt, davon 14 Rückwärtsrech 
nungen, um das Herkunftsgebiet der Verschmut 
zung einzuengen. Bei diesen Rückwärts 
rechnungen werden ausgehend von Zeitpunkt 
und Ort des Auffindens mit Hilfe zurückliegender 
Wind- und Strömungsinformationen zurücklie 
gende Positionen der Substanz berechnet. 
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