funden. In den Fällen, in denen Rohöle aus Li
byen, Venezuela und dem Mittleren Osten vorge
funden wurden, können die Verschmutzungen
nur aus unerlaubten Tankwaschungen von Roh
öltankern stammen. Bei den als „Nordsee-Rohöl“
identifizierten Verschmutzungen ist allerdings
nicht auszuschließen, daß sie direkt von Plattfor
men der Nordsee stammen.
Beobachtungen von besonderen
Ereignissen im Meer
Im Juni 1991 waren in der gesamten Deut
schen Bucht massive Ölverschmutzungen fest-
gestellt worden. Besonders betroffen waren die
Inseln Nord- und Ostfrieslands: Allein von den
Stränden der Insel Norderney waren etwa 70 Ton
nen Öl aufgesammelt worden. Analysen des BSH
ließen erkennen, daß es sich um mindestens zwei
verschiedene Rohöl-Rückstände handelte, deren
spezifische Zusammensetzungen auf Nordsee-
Rohöle hindeuten. Es ist nicht auszuschließen,
daß eines dieser Rohöle direkt von einer Nord
see-Plattform stammt: Die starke Ausbreitung in
der Deutschen Bucht spricht für einen weiter ent
fernten Einbringungsort. Lang andauernde Win
de aus nördlichen Richtungen in den Wochen zu
vor könnten dazu geführt haben, daß das Öl von
einer Plattform der mittleren Nordsee in die Deut
sche Bucht gelangt ist. Die Zusammensetzung
des zweiten Rohöls deutet eher darauf hin, daß
die Tankwaschung eines Tankers, der Nordsee-
Rohöl transportiert hatte, Ursache für diese Ver
schmutzung war.
Überwachung
Im gleichen Zeitraum wurde in der gesamten
Deutschen Bucht eine Verschmutzung durch al-
kylierte Phenole, die vor allem als Additive (Anti-
oxidatien) in Schmierölen verwendet werden,
festgestellt (s. Sonderbeitrag S. 71).
Das BSH erhielt auch in diesem Jahr regel
mäßig Berichte über die Algensituation in der
Nordsee von der Meeresstation Helgoland und
der Wattenmeerstation Sylt der Biologischen An
stalt Helgoland, dem Landesamt für Wasserhaus
halt und Küsten des Landes Schleswig-Holstein,
dem Niedersächsischem Landesamt für Wasser
und Abfall sowie - gelegentlich - von Dienst
stellen des Bundesgrenzschutzes, der Wasser
schutzpolizei und der Wasser- und Schiffahrtsver
waltung. Auffällige Beobachtungen wurden sofort
dem BMU übermittelt. Darüber hinaus wurden
diese Meldungen zusammen mit Beiträgen des
Seewetteramtes zum Wetter und des BSH zu
Strömungen, Wassertemperatur, Salzgehalt und
Sauerstoffkonzentration in der Nordsee zu größe
ren Berichten zusammengefaßt und an für die
Meeresumwelt zuständigen Ministerien, Behör
den und Institute geschickt. Zudem wurde mit der
Erarbeitung einer strukturierten Darstellung der
Nährstoff- und Phytoplanktonmeldungen begon
nen.
Das BSH ist Kontaktstelle des Algenfrüh
warnsystems ALGPOLREP des Paris-Uberein
kommens. Im Jahre 1991 liefen zwei Meldungen
über außergewöhnliche Algenvorkommen in
Nord-Norwegen und an der britischen Ostküste
über den Zentralen Meldekopf Cuxhaven beim
BSH ein und wurden umgehend an die zuständi
gen Bundes- und Länderministerien weitergelei
tet.
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