Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1898.
darauf nach der Rhede von Samarang gebracht, Wie verlautete, betrug der
Schlepplohn, den der Segler zu zahlen hatte, 300 &, während dessen ganze Fracht
sich auf 1500 £ bezifferte.
Das Anwachsen der eisernen Schiffe in den nordjavanischen
Häfen ist furchtbar. Der Boden der „Loreley“ war im Juni 1892 in Calais mit
der Holzapfel-Patentfarbe neu gestrichen, aber schon während des Löschens aut
der Rhede von Samarang hatte das Schiff, soweit es sich mehr und mehr aus
dem Wasser emporhob, wie schon vorher erwähnt, einen %/4 Zoll dicken Muschel-
anwuchs bekommen. Die in Samarang aufgestrichene Mischung von Zinkweifs
und Talg war während der kurzen Liegezeit in Surabaja auch schon wieder mit
einer '/2z Zoll dicken Kruste bewachsen, Kapt. Bruns vom Schiffe „Aldebaran“
hat bezüglich des Anwachsens die nämlichen Erfahrungen gemacht. Es ist daher
nicht zu verwundern, wenn die Schiffe lange Rückreisen von Java haben.
Auffallende Strömung und Farbe des Meeres in einiger Entfernung
von der Küste von Guyana.
Von den heiden Bremer Schiffen „Katharine“, Kapt, E. Wurthmann,
und „Kathinka“, Kapt. H. Lemcke, die auf Reisen von Ostindien nach Port ot
Spain begriffen waren, wurden im September 1894, in ziemlich bedeutender Ent-
fernung von der Küste von Guyana, eine aufsergewöhnliche Strömung und Farbe
des Meeres beobachtet. „Kathinka“ fand von 7,2° N-Br und 50,8° W-Lg bis
3,5° N-Br und 52° W-Lg in drei Tagen, vom 26. bis 28. September, nordöstlichen
Strom im Gesammtbetrage von 101 Sm, „Katharine“ während des 16. und
17. September auf der zwischen 6,2° N-Br in 50° W-Lg und 8,7°N-Br in 51,7° W-Lg
liegenden Strecke einen Nordoststrom von zusammen 59 Sm. Beide Schiffe
berichten gleichzeitig über sehr starke Stromkabbelungen und dunkelgrüne Farbe
des Meeres. Bei beiden herrschte leichte östliche Mallung, die Wasserwärme
war gleich 28° C. Besonders auffallend war dann noch, dafs beide Schiffe, ob-
gleich das eine zur Zeit eine Fahrt von 3 Knoten hatte, dem Ruder nicht ge-
horchen wollten und steuerunfähig wurden. Eine Erklärung dieses Umstandes
kann allein in der Möglichkeit gesucht werden, dafs innerhalb der vom Tief-
gange der Schiffe berührten Wasserschicht zwei stark voneinander abweichende
Strömungen herrschten. Nicht weit entfernt von den Mündungen grofser Ströme,
wie des Kongo und des Mississippi, ist ein solches Vorkommen mit seinen Folgen
wie auch eine schmutzige Meeresfarbe häufig zu beobachten. Ob in diesem Falle
der Orinoko oder Essequibo, deren Mündungen zur Zeit mehr als 400 Sm ent-
fernt waren, diese ungewöhnlichen Vorkommnisse hervorgerufen haben, erscheint
fraglich. Dagegen ist andererseits auch wohl kaum anzunehmen, dafs in dieser
westlichen Position eine solch bedeutende Gegenäquatorial-Strömung herrschen kann.
Berichte über Seebeben.
Anknüpfend an die in diesen Annalen für 1896, Seite 186, veröffentlichten
Beobachtungen von Seebeben folgen hier die der Seewarte seitdem bekannt ge-
wordenen anderen Fälle:
1. Als sich das auf einer Reise von Cardiff nach Buenos Ayres begriffene
deutsche Schiff „Caesarea“, Kapt. A. Cords, um 2a des 1. November 1893 in
15° 50‘ N-Br und 25° 48‘ W-Lg befand, wurde dort ein von unterseeischem Donner
begleitetes Seebeben beobachtet. Der zur Zeit herrschende Luftdruck betrug
7509 mm, der Wind wehte aus Nord mit Stärke 1, und die Luftwärme war 24,5° C.
2. Um etwa 0* 10”a des 19. April 1895 wurde an Bord des von Kapt.
A. Behnert geführten, nach Chile bestimmten deutschen Schiffes „Thalia“ in
16° 19‘ N-Br und 26° 4’ W-Lg, fast genau übereinstimmend mit der vorerwähnten,
nahe bei der Kap Verde-Gruppe liegenden Stelle, eine etwa 10 bis 12 Sekunden