Keller, H.: Die hydrographischen Verhältnisse der Nordsee usw. 601
durch einen schärferen Temperatur- und geringeren oder gar keinen Salzgehalts-
sprung, über der Großen Fischerbank durch einen geringeren Temperatur- und
im Verhältnis größeren Salzgehaltssprung gekennzeichnet (vgl. Tabelle VIII.
Tabelle VIIL
Mittlere Temperaturen und. Salzgehalte bei D. N. 3 bis 5 im November,
Tiefe
Om. .
40.
30
BO zz 0000
Boden ..
D.N.3 | DN4 | D.N.5
Temperatur (C°)
D.N.3 | DN.4 | DNS
Salzgehalt (%o)
|
3.45 9.16 8.75 34.87 34,97 34.73
23.43 9.07 8.66 34,87 34.95 34.72
921 9.05 8:24 34,88 34.96 34.90
7.70 | 7.99 34.95 U
7.48 6.99 8.19 34.95 3496 | 34.90
Obgleich also das Tiefenwasser der zentralen Nordsee im November
wärmer ist als in den anderen Jahreszeiten, so weisen doch die geringen Boden-
temperaturen darauf hin, daß die winterliche Kälte das ‚ganze Jahr hindurch
ihren Einfluß auf die Tiefenschichten beibehält, während der gleiche Einfluß am
Boden der Großen Fischerbank ungleich geringer ist.
II. Die hydrographischen Verhältnisse in den Küstengebieten westlich der
norwegischen SW-Küste und im Skagerrak im November.
Das stete Vorwärtsdrängen der Wassermassen in östlicher Richtung, dessen
Folge schon die Verhältnisse über der Großen Fischerbank zeitigten, äußert sich
noch mehr in der Zusammensetzung der Wasserschichten der Küstengebiete.
Der Raum des Wassers unter 34,50 9/99 ist im Profil S II in horizontaler
Ausdehnung wesentlich geringer, in vertikaler größer als im August, und der
Verlauf der Isohalinen in diesem Wassergebiet deutet schon das allmähliche
Werden der winterlichen Verhältnisse an. Die erhebliche Salzgehaltszunahme
der obersten Tiefen von D.N.6 und D. N. 7 hängt damit zusammen. Nur bei
D. N. 8 ist der Salzgehalt geringer als im August, doch nicht regelmäßig. Diese
unperiodische Erscheinung beruht nicht auf einem erhöhten Einfluß des Bal-
tischen Stromes, dessen Wirkung bedeutend nachgelassen hat und weiter nachläßt
bis zum Winter, sondern darauf, daß manchmal infolge stark ablandiger Winde
das innere Fjordwasser. seewärts weit hinausgetrieben wird. In den seltensten
Fällen aber ist dieser Prozeß so scharf ausgeprägt, daß sein Einfluß sich noch
bis nach D. N. 7 hin erstreckt und hier einen geringeren Salzgehalt hervorruft
als mehr zur Küste hin. Darum nehmen auch die Oberflächentemperaturen bis
zur Küste ab. £
Im Profil SHII, wo das baltische Wasser nur noch die oberen 5m der
Stationen D. N. 9 und D. N. 10 einnimmt und gegen den August um etwa 1.00 9/09
salzreicher geworden ist, hat die Oberfläche von D. N. 9 einen höheren Salzgehalt
als D. N. 10. Die Hauptmasse des baltischen Wassers tritt also nicht an der
Küste, sondern mehr zur Mitte hin aus dem Skagerrak heraus und erzeugt bei
D. N. 10 das Minimum der Temperatur an derselben Stelle des Skagerrak, wo im
Sommer das Maximum. lagerte. Im südlichen Skagerrak erinnern die Verhält-
nisse der oberen Schichten. deutlich an den Mai. Der Salzgehalt von D. N. 11
ist manchmal größer, manchmal geringer als von D. N. 12, im Mittel jedoch
größer. Die Hauptmasse des salzreichsten Wassers dringt also über D. N. 11
hinweg ins Skagerrak ein, was auch in dem Maximum der Oberflächentemperatur
des Skagerrak an gleicher Station zum Ausdruck kommt. ;
In den mittleren Tiefen des Küstenbereiches ist ein auffallender Unterschied
gegen die Verhältnisse auf den Plateaus zu verspüren. Schön bei D. N, 6 werden
die Temperaturen der mittleren Schichten etwas höher als an der Oberfläche,
und über der Norwegischen Rinne ist diese intermediäre warme Schicht noch
schärfer ausgeprägt.