obwohl sich die Dimensionen der Geräte seither doch merklich verändert haben! Damals
wurde das Bandy-Kolbenlot (7 m lang) oder ein einfaches Schwerelot von der Tiefsee-
winde (W 10) über den alten Steuerbord-A-Rahmen hochgezogen und das Rohr von
kräftigen Matrosenhänden außenbords gehoben. Nur für das Kastenlot (4 m lang) gab es
schon damals ein Kernabsetzgestell. Hierzu wurde der vordere, kleine Ladelukendeckel
geöffnet und der Zugang zu dem mehrere Meter tiefer liegenden Laderaum zur Hälfte
mit einer Bohlenlage abgedeckt. In dieser war wiederum ein ca. 3,5 m tiefer Schacht
(Eisengestell) eingesenkt, in die der 4 m lange Kernkasten abgestellt werden konnte.
Nach Abschrauben und Anheben des Gewichtssatzes (ca. 0,7 t) konnte der gefüllte
Kastenlotkernkasten (ca. 150 kg) per Kran herausgehoben und per Hand in das Geolo-
gie-Labor zur Bearbeitung getragen werden. Großes Hallo gab es jedesmal, wenn bei
dem über der Ladeluke am Kran hängenden Kastenlot der Verschluß nicht geschlossen
war und der Kern dann plötzlich mit Getöse auf dem Deck „verspratzte“! Der Bootsmann
war darüber weniger erfreut, da sich die überall auf den weißen Schiffsrändern befindli-
chen Sedimentreste nur sehr schwer entfernen ließen und eine zusätzliche Mehrarbeit
bedeuteten. Wegen der kurzen damals im Persischen Golf verfügbaren Zeit konnten nur
einige Kerne an Bord bearbeitet werden. So konnten 105 m Kastenlotkerne mit einem
Gesamtgewicht von 3,6 t für die Bearbeitung mit nach Hause genommen werden. Auf
dieses Ergebnis unserer ersten METEOR-Expedition waren wir stolz. Damit hatten sich
unsere dreijährigen Vorbereitungsarbeiten, so auch die Neuentwicklung des Kastenlots.
doch gelohnt.
Außer einer Fahrt in das Mittelmeer und in die Ostsee (BALTIC 75) führten uns
danach zahlreiche Fahrten mit METEOR in den Ostatlantik zwischen Portugal und dem
äquatorialen Westafrika.
Aufgrund der an Bord gesammelten Erfahrungen und Anregungen wurde von einer
Kieler Firma ein Kernabsetzgestell gebaut und auch an Bord der METEOR erprobt und
eingesetzt. Mit ihm war das Aussetzen und Anbordnehmen von bis zu 12m langen
Schwere-, Kasten- und Kolbenlotkerngeräten, auch bei rauher See, möglich.
Diese Geräte waren jedoch für die Entnahme von Kernen aus Sanden, den auf dem
westafrikanischen Schelf vorherrschenden Sedimenten, ungeeignet. Aus diesem Grund
wurden bereits Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre verschiedene Prototy-
pen von Vibrationskerngeräten von Bord der METEOR erprobt. Dies war meist nur
unter aktiver Unterstützung durch das Maschinenpersonal möglich. Der Storekeeper
Wally hat so manche undichte Schweißnaht im Innern der Druckbehälter über Kopf
geschweißt und dabei so manchen Fluch losgelassen! Die anfänglich häufigen Kurz-
schlüsse bei den Unterwassersteckverbindungen und infolge von Kabelbrüchen wurden
vom 1. Elektriker, Fiete Kuschnereit, in nimmermüder Kleinarbeit beseitigt. Soweit es
die Zeit erlaubte, wurde zusammen mit dem Chief und Kapitän abends dem Skatspiel
gefrönt. Obwohl auch diese Freizeitbeschäftigung So manchen Sparstrumpfinhalt geko-
stet hat, haben auch manche wertvollen Anregungen aus dieser Runde ihren Nieder-
schlag bei der Weiterentwicklung unserer Geräte gefunden. So wurde aus manchem
Prototyp bald ein Gerät für den Routineeinsatz.
Der Wunsch der Geologen nach immer längeren, d. h. weit in die geologische
Vergangenheit zurückreichenden, lückenlosen Kernen mit großem Querschnitt, damit
Wissenschaftler verschiedener Disziplinen an möglichst dünnen Einzellagen parallele,
sich ergänzende Untersuchungen vornehmen können, führte schließlich zum Groß-Ka-
stenlot. Ein Schwerelot mit einem Gewichtssatz von max. 3,5 t, einem Kernquerschnitt
von 30 x 30 cm und einer Kastenlänge von 12 m. Parallel dazu wurde im Laufe der Jahre
ein Standard-Schwerelot mit einem Gewichtssatz von max. 1,5 t, einem Kerndurchmesser
von 12 cm und einer Rohrlänge von 18 m entwickelt. Um den Einsatz dieser Geräte zu
gewährleisten, wurde METEOR Anfang der siebziger Jahre modernisiert. Der A-Rah-
men auf Steuerbordseite des Arbeitsdecks wie auch der alte 6-t-Kran wurden demontiert.
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