Kennt man die heute ablaufenden Prozesse und deren Abbildung im Sediment, so
kann man umgekehrt versuchen, Umweltbedingungen der Vorzeit zu rekonstru-
ijeren. Voraussetzung ist dabei eine möglichst genaue Datierung der gekernten, aber
auch der fehlenden Schichten. Die METEOR-Kerne drangen im wesentlichen nur in
das Pleistozän ein, das aber besonders dramatische Änderungen aufweist. In den
verschiedensten Seegebieten, vor allem aber wieder vor Westafrika, wurde — zuletzt
mit Hilfe der Akusto- und Magnetostratigraphie, der Verwendung verschiedenster
planktonischer Organismen, der '$C-, 1*C-, !180- und anderer Isotopen — die zeitliche
Auflösung entscheidend verbessert. Dies erlaubte auch eine detaillierte Darstellung
verschiedener Klimaphasen, etwa zur Geschichte der Westsahara.
Zu diesen und vielen weiteren direkten Ergebnissen der METEOR-Arbeit müssen
aber auch die indirekten gezählt werden. Zahlreiche Geräte wurden auf ihr und für sie
entwickelt und erprobt, etwa die verschiedenen Kasten- und Vibrationslote oder das
Unterwasserfernsehen. Wichtiger noch war aber die Schulung vieler Geologen, Paläonto-
logen, Mineralogen und Geochemiker vor, während und nach den Einsätzen. Ohne sie
hätte wohl das personelle Potential weder für die deutschen Bemühungen in der ange-
wandten Meeresgeologie noch die Beteiligung am internationalen Tiefseebohrprojekt
sichergestellt werden können. Für dieses führte die METEOR auch Vor- und Nachunter-
suchungen für Bohrpunkte durch.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützte alle diese Bemühungen durch
Bereitstellung von Mitteln für die entsprechenden Fahrten selbst, aber auch durch
Schwerpunkte wie „Auswertung der METEOR-Expeditionen“ und „Auftriebsphäno-
mene im Meer“, Sie ist aber der Auffassung, daß aus dieser 20jährigen Zusammenarbeit
so viele neue, aktuelle und für uns alle wichtige Aufgaben erwachsen sind, daß eine
bessere Koordination, aber auch eine bessere personelle und institutionelle Ausstattung
der Meeresgeologie notwendig und nach den bisherigen Leistungen auch gerechtfertigt
ist („Marine Geowissenschaften — Herausforderung und Zukunft“ Projektstudie Geo-
mar, DFG, 1984).
Ist der Anschluß an die internationale Meeresforschung in der Geologie gelungen?
Denkt man an die zunehmende Beteiligung deutscher Wissenschaftler in internationalen
Gremien, Kongressen, Workshops u. ä., an die Mitwirkung im Internationalen Tiefsee-
bohrprojekt oder umgekehrt an die wachsende Beteiligung ausländischer Kollegen an
einschlägigen Kongressen bei uns — etwa „Das Meer“ auf den Jahrestagungen der
Geologischen Vereinigung in Wiesbaden 1957, Kiel 1970 und zuletzt 1985 —, so ist man
um eine positive Antwort nicht verlegen.
3.
Eugen Seibold
Geologen fordern die METEOR
Während der 1. METEOR-Reise (IIOE, 1965) wurden von den Kieler Geologen im
Persischen Golf leichte Greifer zur Entnahme von Oberflächenproben und „schwere“
Kerngeräte zur Entnahme langer Kerne eingesetzt. Bald bürgerte sich jedoch ein, daß im
täglichen Arbeitsprogramm nicht mehr die einzelnen Geräte aufgeführt wurden, sondern
nur noch von „leichter“ und „schwerer“ Geologie die Reede war. Damit war für Kapitän
Lemke, Chief Ammermann und Bootsmann Schulz eindeutig ausgedrückt, welche
Schiffsmanöver bevorstanden, welche Winden und Hydraulikaggregate benötigt wurden
und wieviele Matrosen auf Wache ziehen mußten. Für die Geologen, die damals noch im
12 Stunden-Turn arbeiteten (Kernentnahme an Deck inklusive Bearbeitung der Kerne
im Labor), waren die Aufgaben damit ebenfalls klar umrissen. Diese Begriffe der „leich-
ten“ und „schweren Geologie“ haben sich noch bis in die jüngste Vergangenheit gehalten,
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