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Full text: Forschungsschiff Meteor 1964-1985

Kennt man die heute ablaufenden Prozesse und deren Abbildung im Sediment, so 
kann man umgekehrt versuchen, Umweltbedingungen der Vorzeit zu rekonstru- 
ijeren. Voraussetzung ist dabei eine möglichst genaue Datierung der gekernten, aber 
auch der fehlenden Schichten. Die METEOR-Kerne drangen im wesentlichen nur in 
das Pleistozän ein, das aber besonders dramatische Änderungen aufweist. In den 
verschiedensten Seegebieten, vor allem aber wieder vor Westafrika, wurde — zuletzt 
mit Hilfe der Akusto- und Magnetostratigraphie, der Verwendung verschiedenster 
planktonischer Organismen, der '$C-, 1*C-, !180- und anderer Isotopen — die zeitliche 
Auflösung entscheidend verbessert. Dies erlaubte auch eine detaillierte Darstellung 
verschiedener Klimaphasen, etwa zur Geschichte der Westsahara. 
Zu diesen und vielen weiteren direkten Ergebnissen der METEOR-Arbeit müssen 
aber auch die indirekten gezählt werden. Zahlreiche Geräte wurden auf ihr und für sie 
entwickelt und erprobt, etwa die verschiedenen Kasten- und Vibrationslote oder das 
Unterwasserfernsehen. Wichtiger noch war aber die Schulung vieler Geologen, Paläonto- 
logen, Mineralogen und Geochemiker vor, während und nach den Einsätzen. Ohne sie 
hätte wohl das personelle Potential weder für die deutschen Bemühungen in der ange- 
wandten Meeresgeologie noch die Beteiligung am internationalen Tiefseebohrprojekt 
sichergestellt werden können. Für dieses führte die METEOR auch Vor- und Nachunter- 
suchungen für Bohrpunkte durch. 
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützte alle diese Bemühungen durch 
Bereitstellung von Mitteln für die entsprechenden Fahrten selbst, aber auch durch 
Schwerpunkte wie „Auswertung der METEOR-Expeditionen“ und „Auftriebsphäno- 
mene im Meer“, Sie ist aber der Auffassung, daß aus dieser 20jährigen Zusammenarbeit 
so viele neue, aktuelle und für uns alle wichtige Aufgaben erwachsen sind, daß eine 
bessere Koordination, aber auch eine bessere personelle und institutionelle Ausstattung 
der Meeresgeologie notwendig und nach den bisherigen Leistungen auch gerechtfertigt 
ist („Marine Geowissenschaften — Herausforderung und Zukunft“ Projektstudie Geo- 
mar, DFG, 1984). 
Ist der Anschluß an die internationale Meeresforschung in der Geologie gelungen? 
Denkt man an die zunehmende Beteiligung deutscher Wissenschaftler in internationalen 
Gremien, Kongressen, Workshops u. ä., an die Mitwirkung im Internationalen Tiefsee- 
bohrprojekt oder umgekehrt an die wachsende Beteiligung ausländischer Kollegen an 
einschlägigen Kongressen bei uns — etwa „Das Meer“ auf den Jahrestagungen der 
Geologischen Vereinigung in Wiesbaden 1957, Kiel 1970 und zuletzt 1985 —, so ist man 
um eine positive Antwort nicht verlegen. 
3. 
Eugen Seibold 
Geologen fordern die METEOR 
Während der 1. METEOR-Reise (IIOE, 1965) wurden von den Kieler Geologen im 
Persischen Golf leichte Greifer zur Entnahme von Oberflächenproben und „schwere“ 
Kerngeräte zur Entnahme langer Kerne eingesetzt. Bald bürgerte sich jedoch ein, daß im 
täglichen Arbeitsprogramm nicht mehr die einzelnen Geräte aufgeführt wurden, sondern 
nur noch von „leichter“ und „schwerer“ Geologie die Reede war. Damit war für Kapitän 
Lemke, Chief Ammermann und Bootsmann Schulz eindeutig ausgedrückt, welche 
Schiffsmanöver bevorstanden, welche Winden und Hydraulikaggregate benötigt wurden 
und wieviele Matrosen auf Wache ziehen mußten. Für die Geologen, die damals noch im 
12 Stunden-Turn arbeiteten (Kernentnahme an Deck inklusive Bearbeitung der Kerne 
im Labor), waren die Aufgaben damit ebenfalls klar umrissen. Diese Begriffe der „leich- 
ten“ und „schweren Geologie“ haben sich noch bis in die jüngste Vergangenheit gehalten, 
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