„Die schwere See hat auch das Schiff leicht lädiert. Eine Stahltreppe auf dem Arbeits-
deck ist von einem Brecher so weggebogen worden, daß sie nicht mehr benutzt werden
kann. Die ständigen Brecher haben solche Schwingungen im Schiff angeregt, daß ein Riß
in einer Decksplanke aufgetreten ist. Wir sollen das Programm abbrechen und zurücklau-
fen, telegraphiert das Deutsche Hydrographische Institut. Drei Tage früher als geplant,
treten wir den Rückweg an; doch das schlechte Wetter bleibt uns treu; gegen Windstär-
ken von acht bis neun machen wir nur schwache Fahrt. An Schlafen ist kaum zu denken,
und alle haben das Gefühl, daß diese Fahrt nicht enden will. Zwei Tage verlieren wir.
Kurz vor Elbe I aufregende Minuten: Maschinenalarm im Schiff. Es stinkt nach verbrann-
ter Isolierung. Einer von vier Fahrgeneratoren ist verschmort. Mit verminderter Fahrt
erreichen wir Hamburg. Dreieinhalb Wochen sind vergangen. Dreieinhalb Wochen
Streß, Aufregung, wenig Schlaf, Familientrennung. Dafür werden wir „fürstlich“ ent-
lohnt: mit 4,50 DM Leistungszulage und Tagegeld. Früher gab es 25 DM. Diese Zeit
scheint unwiederbringlich dahin zu sein!? Der neue Satz kann nur von Leuten festgelegt
worden sein, die keinerlei Vorstellung von den Belastungen haben, die bei einer For-
schungsfahrt ausgehalten werden müssen.
Rolf Herber
Die Tiefseewinde
Die Arbeiten der Heidelberger Gruppe gliedern sich üblicherweise in die kleinen
und in die großen Wasserspiele. Die kleinen, das sind normale Wasserschöpfer, aus
denen einfach Proben abgefüllt werden. Die großen, das sind die 250-Liter-Ungetüme
(„Mülleimer“), aus denen das Wasser mit Schläuchen zur Verarbeitung ins Labor ge-
pumpt wird. Die Ungetüme müssen an der W10 gefahren werden, und das war oft ein
Vabanque-Spiel. Auf Reise 56/5 knirschte die Winde mit jeder Serie lauter, und „Chief“
Kuleisa gab bedenkenvolle Diagnosen. Auf Reise 32 waren die Verhältnisse klarer. Auf
der ersten tiefen Station blieb die W10 stehen. Herr Kuleisa und die Maschine arbeiteten
die ganze Nacht, um sie wieder flott zu bekommen. Andernfalls hätte man auch unsere
Ungetüme nur retten können, indem man das Seil über den Spillkopf stückweise hochge-
zogen hätte. Auf der folgenden W10-Station in der zentralen Karibik (die wir mutig
genug waren durchzuführen) wurde die Winde in voller Geduld von Herrn Kuschnereit
im Schneckentempo gefahren und alles ging gut. Dann fuhr das Schiff nach Fort-de-
France, wo wir die Insel über die angesetzte Zeit hinaus genießen konnten, weil die
angeforderten Ersatzteile nicht ankamen. Nächste tiefe W10-Station nach Fort-de-
France: Wieder langsam gefahren aber diesmal kein Glück; wieder ein voller Einsatz des
Schiffes und wieder Schöpfer und Seil gerettet. Danach war es dann vorbei mit unserer
für die Reise geplanten !*C-Untersuchung in der Tiefsee. W10 ist ein Stück METEOR,
äber dessen Verlust ich nicht traurig sein werde.
Wolfgang Roether
Erinnerungen
Es gab besinnliche und auch harte Stunden an Bord. Insgesamt ist die Arbeit auf See
mit wenig Romantik verbunden. Im Folgenden ein paar Erinnerungen aus dieser Zeit:
Sonne, ruhige See, Mittagsruhe, wir sind im Mittelmeer westlich von Malta. Von
achtern kommt ein Frachter auf, etwas schneller als METEOR, Kurs genau auf unser
Heck. Sehen die uns denn nicht? Erst die intensive Betätigung des Typhoons weckt die
andere Schiffsführung auf. Mit kleiner Kursänderung rauscht der Frachter wenig später
in nur geringem Abstand an Steuerbord vorbei. Noch einmal gut gegangen.
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