Danach war das Schießboot immer langsamer geworden. Ein Gastwissenschaftler an
Bord von METEOR nahm Kontakt über Funk mit dem Kapitän auf und erfuhr, daß die
Besatzung des Schießbootes nicht mehr weiterfahren wollte. Der Sprengstoff war im
Laderaum des Bootes durcheinandergefallen, und die Leute fürchteten um ihr Leben.
Das Schiff fuhr schließlich nur noch im Kreis. Ein letzter Versuch, mit einem Schlauch-
boot zwei Leute an Bord des Schießbootes zu bringen, gelang zwar, und obwohl diese
zwei Leute an Bord bleiben wollten, um die Besatzung zu beruhigen, weigerte sich die
Mannschaft, weiterzufahren.
Der Rückweg zur Bucht wurde angetreten, weitere 24 Stunden Meßzeit und die
Charterkosten waren verloren.
Merke: Die Bereitschaft in südlichen Ländern, für schnelles Geld viel zu verspre-
chen, ist ebenso stark ausgeprägt wie Ausreden und Ausflüchte für eigenes Versagen
überzeugend vorzubringen.
Rolf Herber
Eine Reise mit Hindernissen
Die frühesten Expeditionen zur Erforschung des Meeres liegen noch nicht weit
zurück. Damals galt es als selbstverständlich, daß die Wissenschaftler zwei Jahre und
länger an Bord blieben, um ihren Aufgaben nachzugehen. Demgegenüber werden heute
die Expeditionen in mehrere Zeitabschnitte aufgeteilt und nach einem solchen die Mee-
resforscher mehr oder weniger vollzählig ausgetauscht — Folgen der inzwischen eingetre-
tenen Veränderungen der Lebens- und Umweltbedingungen. Das hat die Konsequenz,
daß sich im allgemeinen für jeden Wissenschaftler eine Hin- und/oder Rückreise zum und
vom Forschungsschiff ergibt. Dies gilt insofern als ein sehr begrüßenswerter Umstand,
als er von vielen auch touristisch genutzt wird. Dadurch entstehen zwei oder drei Reiseab-
schnitte, in denen sich teils interessante, teils belustigende, teils aber auch abenteuerliche
Ereignisse abspielen können. Eines von diesen, das wohl schon zu den abenteuerlichen
zu zählen ist, stieß mir auf einer Rückfahrt von der METEOR zu.
Meiner Erinnerung nach war ich schon 73 Jahre alt, so daß es 1977 gewesen sein
muß. Es war nicht mehr lange bis Weihnachten, und wie üblich galt es als vorrangig, daß
die METEOR planmäßig kurz vor Weihnachten in Hamburg einlief. Nun hatte ich aber
noch vor Weihnachten einige Vorträge in Kanada im Bedford Institut zu halten. So war
denn festgelegt worden, mich in Cherbourg abzusetzen, von wo ich Tickets nach Paris
und von dort nach Halifax hatte. Noch vor der spanischen Küste wurde aber befürchtet,
daß es in der Biscaya das übliche sehr schlechte Wetter geben würde und daher die
METEOR nicht schnell genug. nach Cherbourg kommen könnte — zumal auch die
Antriebsmaschinen nicht im besten Zustand seien. So war ich denn mit dem Vorschlag
des Kapitäns einverstanden, mich bei Cap Finisterre an Land zu bringen. Bei Cap
Finisterre gab es aber für die METEOR keine Anlegemöglichkeit. Daher wurde ein oder
zwei Meilen davon entfernt ein Fischerboot gebeten, mich — gegen einen Eimer Lack-
farbe — an Land zu bringen. So stieg ich denn mit meinem Gepäck auf das kleine
Fischerboot um, wo ich sehr freundlich auf Spanisch begrüßt wurde, eine Sprache, von
der ich keine Ahnung hatte. An Land gebracht nahm mich einer der Männer in sein Haus
mit. Eine Verständigung erfolgte allein per Handzeichen.
Im Haus kam ich in eine Küche, die mich an die Küche von Schillers Mutter
erinnerte, die ich einmal in einem Museum gesehen hatte; allerdings befanden sich darin
auch noch einige moderne Geräte, die in dieser Umgebung auf mich befremdlich wirkten.
In der Küche traf ich auf ein sehr lebhaftes, sehr hübsches, aber auch ebenso schmutziges
4jähriges Kind. Es spielte mit einem kleinen Radio, das es meist dicht neben einem
Sender einstellte, wobei eine scheußliche Musik herauskam. Dann hörte ich einen kleinen
13°