die Wassertiefe etwa 10 m betrug. Mit Hilfe des mitgeführten Schlauchbootes mit Außen-
bordmotor gestaltete sich dann die Landungsaktion verhältnismäßig einfach. Wir fanden
schnell einen kleinen Felsvorsprung, der von glattpolierten Korallen überzogen war.
Dort konnte ohne besondere Schwierigkeiten das Land betreten und zügig das Gerät
ausgeladen werden. Mit fünf Fahrten des Schlauchbootes waren alle Teilnehmer und die
Geräte übergesetzt.
Die Funkstation wurde als erstes aufgebaut. und in Betrieb gesetzt. Die übrigen
Gruppen suchten geeignete Plätze für ihre Beobachtungen und Messungen bzw. für die
Entnahme der Gesteinsproben aus. Unter den ersten Teilnehmern, die St. Paul betraten,
war der allseitig beliebte Bordhund „Felix“.
Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs. Die Erdoberfläche besteht auf dem größten
Teil der Insel deshalb aus erstarrter Lava mit Rissen, Kluften und scharfkantigen Graten.
Nur die höheren Erhebungen in Lee, vor allem der Fels mit der Leuchtturmruine, sind
mit Guano bedeckt und glatt, aber vollkommen fest und trocken, wohl weil sie nur selten
von der Brandung überspült werden.
Übrigens stieg uns der Geruch dieses Vogelmistes bei Annäherung an den Felsen in
etwa 100 m Entfernung in die Nase. Während des Aufenthaltes selbst wurde er von
keinem Teilnehmer mehr wahrgenommen.
Mindestens tausend Vögel bevölkerten diese Inseln, die eine Gesamtoberfläche von
20 000 qm nicht überschreiten. Die größte Vogelart ist vermutlich der Weißbauchtölpel,
der im Fluge die Größe einer Weihe hat und von unten geschen weiße Schwingen mit
schwarzen Schwingenhänden zeigt. Ihre Oberseite ist bräunlich-grau, Sie brüteten zu-
meist auf dem von Guano bedeckten Felsen oder behüteten ihre mit weißem Flaum
bedeckten Jungtiere. Sie ließen uns bis auf einen oder zwei Meter herankommen, ehe sie
krächzend aufschrien. In noch nähere Berührung mit ihnen kam „Felix“, der Bordhund.
Er wurde von den Tölpeln mit Schnabelhieben in sein Genick abgewehrt, verlor so bald
die Lust an weiteren Inselwanderungen und sprang ins Wasser, als das Schlauchboot
einmal wieder ans Ufer kam, und rettete sich schwimmend an Bord desselben.
Nach zwei Stunden, die wie im Fluge vergingen, mußten die Beobachtungen und
Arbeiten leider abgebrochen werden. Viele Fotos und Filmstreifen werden die Erinne-
rung an dieses so eindrucksvolle Unternehmen wachhalten. Die Motive lieferten die
malerische Bucht und die wilden Klippen, an denen eine heftige, oft drei Meter hohe
Brandung tobte, die Vögel und die Krabben, der zerfallene, im Jahre 1932 eingeweihte
Leuchtturm mit Resten der Befeuerung und des Linsenkranzes und das lebhafte Treiben
der Teilnehmer,
Als Kunde von dieser Landungsaktion des Forschungsschiffes METEOR auf der
„Atlantischen Expedition 1965 (IQSY)“ ließen wir eine Flasche mit einer beigegebenen
Botschaft und den Ergänzungen zum Expeditionssonderheft zurück. Sie wurde im Innern
der Leuchtturmruine befestigt und dürfte dort viele Stürme überdauern. Die Botschaft
hat folgenden Wortlaut:
„Die Atlantische Expedition 1965, in den ‚Jahren der ruhigen Sonne’ durchge-
führt mit dem deutschen Forschungsschiff METEOR als gemeinschaftliche
Unternehmung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (vertreten durch elf
deutsche Forschungsinstitute) und des Deutschen Hydrographischen Instituts
als gemeinsame Träger dieses Schiffes, finanziert durch die Deutsche For-
schungsgemeinschaft im Rahmen des Schwerpunktes ‚IQSY’, operierte in der
Zeit vom 28. —30. August 1965 in der Nähe des St. Pauls-Felsen, Eine Gruppe
von Wissenschaftlern ging an Land, um Gesteinsproben zu sammeln, luftelek-
trische Messungen, Vermessungen, Dokumentarfilm- und Fotoaufnahmen zu
machen, und hinterläßt diese Nachricht.
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