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Full text: Forschungsschiff Meteor 1964-1985

die Wassertiefe etwa 10 m betrug. Mit Hilfe des mitgeführten Schlauchbootes mit Außen- 
bordmotor gestaltete sich dann die Landungsaktion verhältnismäßig einfach. Wir fanden 
schnell einen kleinen Felsvorsprung, der von glattpolierten Korallen überzogen war. 
Dort konnte ohne besondere Schwierigkeiten das Land betreten und zügig das Gerät 
ausgeladen werden. Mit fünf Fahrten des Schlauchbootes waren alle Teilnehmer und die 
Geräte übergesetzt. 
Die Funkstation wurde als erstes aufgebaut. und in Betrieb gesetzt. Die übrigen 
Gruppen suchten geeignete Plätze für ihre Beobachtungen und Messungen bzw. für die 
Entnahme der Gesteinsproben aus. Unter den ersten Teilnehmern, die St. Paul betraten, 
war der allseitig beliebte Bordhund „Felix“. 
Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs. Die Erdoberfläche besteht auf dem größten 
Teil der Insel deshalb aus erstarrter Lava mit Rissen, Kluften und scharfkantigen Graten. 
Nur die höheren Erhebungen in Lee, vor allem der Fels mit der Leuchtturmruine, sind 
mit Guano bedeckt und glatt, aber vollkommen fest und trocken, wohl weil sie nur selten 
von der Brandung überspült werden. 
Übrigens stieg uns der Geruch dieses Vogelmistes bei Annäherung an den Felsen in 
etwa 100 m Entfernung in die Nase. Während des Aufenthaltes selbst wurde er von 
keinem Teilnehmer mehr wahrgenommen. 
Mindestens tausend Vögel bevölkerten diese Inseln, die eine Gesamtoberfläche von 
20 000 qm nicht überschreiten. Die größte Vogelart ist vermutlich der Weißbauchtölpel, 
der im Fluge die Größe einer Weihe hat und von unten geschen weiße Schwingen mit 
schwarzen Schwingenhänden zeigt. Ihre Oberseite ist bräunlich-grau, Sie brüteten zu- 
meist auf dem von Guano bedeckten Felsen oder behüteten ihre mit weißem Flaum 
bedeckten Jungtiere. Sie ließen uns bis auf einen oder zwei Meter herankommen, ehe sie 
krächzend aufschrien. In noch nähere Berührung mit ihnen kam „Felix“, der Bordhund. 
Er wurde von den Tölpeln mit Schnabelhieben in sein Genick abgewehrt, verlor so bald 
die Lust an weiteren Inselwanderungen und sprang ins Wasser, als das Schlauchboot 
einmal wieder ans Ufer kam, und rettete sich schwimmend an Bord desselben. 
Nach zwei Stunden, die wie im Fluge vergingen, mußten die Beobachtungen und 
Arbeiten leider abgebrochen werden. Viele Fotos und Filmstreifen werden die Erinne- 
rung an dieses so eindrucksvolle Unternehmen wachhalten. Die Motive lieferten die 
malerische Bucht und die wilden Klippen, an denen eine heftige, oft drei Meter hohe 
Brandung tobte, die Vögel und die Krabben, der zerfallene, im Jahre 1932 eingeweihte 
Leuchtturm mit Resten der Befeuerung und des Linsenkranzes und das lebhafte Treiben 
der Teilnehmer, 
Als Kunde von dieser Landungsaktion des Forschungsschiffes METEOR auf der 
„Atlantischen Expedition 1965 (IQSY)“ ließen wir eine Flasche mit einer beigegebenen 
Botschaft und den Ergänzungen zum Expeditionssonderheft zurück. Sie wurde im Innern 
der Leuchtturmruine befestigt und dürfte dort viele Stürme überdauern. Die Botschaft 
hat folgenden Wortlaut: 
„Die Atlantische Expedition 1965, in den ‚Jahren der ruhigen Sonne’ durchge- 
führt mit dem deutschen Forschungsschiff METEOR als gemeinschaftliche 
Unternehmung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (vertreten durch elf 
deutsche Forschungsinstitute) und des Deutschen Hydrographischen Instituts 
als gemeinsame Träger dieses Schiffes, finanziert durch die Deutsche For- 
schungsgemeinschaft im Rahmen des Schwerpunktes ‚IQSY’, operierte in der 
Zeit vom 28. —30. August 1965 in der Nähe des St. Pauls-Felsen, Eine Gruppe 
von Wissenschaftlern ging an Land, um Gesteinsproben zu sammeln, luftelek- 
trische Messungen, Vermessungen, Dokumentarfilm- und Fotoaufnahmen zu 
machen, und hinterläßt diese Nachricht. 
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