nahm noch einmal die besagte Tasche prüfend in die Hand, als plötzlich auf dem
arabischen Boot aufgeregte Rufe ertönten; die METEOR hatte Fahrt aufgenommen, das
Boot drohte abzuschlagen, so daß der noch an Deck der METEOR stehende Händler
schleunigst mit seinen Schätzen wieder herunterklettern mußte. In diesem Augenblick
drückte ihm unser Schlitzohr ein Bündel Geldscheine in die Hand, nahm die Tasche und
verschwand mit ihr unter Deck. Wie er später zugab, hat er natürlich gewußt, daß das
Schiff gleich losfahren würde, und er hatte diese Gelegenheit genutzt, um einige (im
Devisenhandel völlig wertlose) afrikanische Banknoten loszuwerden!
Hartwig Weidemann
Die Tiefenwasserprobe
Während der planktologischen Untersuchung im Indischen Ozean mußten wegen
der sehr großen Klarheit des dortigen Seewassers insgesamt Tausende von Litern durch
feine Papierfilter filtriert werden, um den jeweiligen Gehalt an suspendierten Partikeln
messen zu können, Dennoch war in der Regel kaum ein Rückstand auf den Filtern zu
erkennen. Eines Tages wurde die Routine dieses täglichen Filtrierens unterbrochen.
Ausgerechnet das Wasser zweier Schöpferproben aus über 1000 m Tiefe wollte überhaupt
nicht durchlaufen. Die Filter waren durch einen sehr feinen, bräunlichen Rückstand
schnell verstopft. Die sonst nur wenige Minuten in Anspruch nehmende Filtration einer
Wasserprobe zog sich über Stunden hin. Der die Filtrationsarbeit ausführende Assistent
meldete diesen sonderbaren: Fall seinem Professor. Dieser machte sich so seine Gedan-
ken, und während des gemeinsamen Abendessens verkündete der Bordfunker in seinen
täglichen „Schiffsnachrichten“ über Lautsprecher voller Stolz, daß der heutige Tag eine
sensationelle wissenschaftliche Entdeckung gebracht hätte. In der Tiefsee wäre heute ein
„Turbidity Current“ entdeckt worden. Das ist ein Trübungsstrom, der durch eine Sedi-
mentrutschung am Kontinentalabhang entstehen kann. Als Auslösemechanismus kom-
men untermeerische Erdbeben in Frage. Da solche Trübungsströme bislang nur ein- oder
zweimal im Atlantischen Ozean beobachtet worden waren, freuten sich alle über diesen
großartigen Erfolg. Dem Assistenten kam die Sache jedoch nicht ganz geheuer vor. Er
stellte Nachforschungen an bei den Kollegen, die normalerweise auch von diesen Schöp-
fern mit Tiefenwasser Unterproben zu nehmen pflegten. Es stellte sich heraus, daß die
beiden fraglichen Schöpfer gar kein Tiefenwasser enthielten, sondern daß sie im Scherz
mit dem Leitungswasser der METEOR aufgefüllt worden waren, um die Genauigkeit
unserer Analysenmethoden zu testen. Der Assistent teilte diesen Befund pflichtgemäß
seinem Professor mit. Dieser war maßlos enttäuscht und entlud seinen ganzen Zorn auf
den Assistenten in der Meinung, daß er ihm diesen üblen Streich gespielt hätte: Und wie
so oft im Leben blieben die wahren Schuldigen ungeschoren.
Jürgen Lenz
Den letzten beißen die Hunde
Trotz erfahrener Fahrtleitung war es für den Alleinforscher und Anfänger in der
Benthologie nicht immer ganz einfach, die notwendige Stationszeit zu bekommen. Es
war selbstverständlich, daß die Verschmutzer der Wassersäule, Geologen und Bentholo-
gen, auf der einzelnen Station als letzte ihre Proben ziehen konnten. Nicht selbstverständ-
lich war es für mich, daß bei zeitlich verkürzten Stationen das Programm stets am Ende
beschnitten wurde. So war es im Indischen Ozean am 24. 12. 1964, so geschah es am
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