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Full text: Forschungsschiff Meteor 1964-1985

nahm noch einmal die besagte Tasche prüfend in die Hand, als plötzlich auf dem 
arabischen Boot aufgeregte Rufe ertönten; die METEOR hatte Fahrt aufgenommen, das 
Boot drohte abzuschlagen, so daß der noch an Deck der METEOR stehende Händler 
schleunigst mit seinen Schätzen wieder herunterklettern mußte. In diesem Augenblick 
drückte ihm unser Schlitzohr ein Bündel Geldscheine in die Hand, nahm die Tasche und 
verschwand mit ihr unter Deck. Wie er später zugab, hat er natürlich gewußt, daß das 
Schiff gleich losfahren würde, und er hatte diese Gelegenheit genutzt, um einige (im 
Devisenhandel völlig wertlose) afrikanische Banknoten loszuwerden! 
Hartwig Weidemann 
Die Tiefenwasserprobe 
Während der planktologischen Untersuchung im Indischen Ozean mußten wegen 
der sehr großen Klarheit des dortigen Seewassers insgesamt Tausende von Litern durch 
feine Papierfilter filtriert werden, um den jeweiligen Gehalt an suspendierten Partikeln 
messen zu können, Dennoch war in der Regel kaum ein Rückstand auf den Filtern zu 
erkennen. Eines Tages wurde die Routine dieses täglichen Filtrierens unterbrochen. 
Ausgerechnet das Wasser zweier Schöpferproben aus über 1000 m Tiefe wollte überhaupt 
nicht durchlaufen. Die Filter waren durch einen sehr feinen, bräunlichen Rückstand 
schnell verstopft. Die sonst nur wenige Minuten in Anspruch nehmende Filtration einer 
Wasserprobe zog sich über Stunden hin. Der die Filtrationsarbeit ausführende Assistent 
meldete diesen sonderbaren: Fall seinem Professor. Dieser machte sich so seine Gedan- 
ken, und während des gemeinsamen Abendessens verkündete der Bordfunker in seinen 
täglichen „Schiffsnachrichten“ über Lautsprecher voller Stolz, daß der heutige Tag eine 
sensationelle wissenschaftliche Entdeckung gebracht hätte. In der Tiefsee wäre heute ein 
„Turbidity Current“ entdeckt worden. Das ist ein Trübungsstrom, der durch eine Sedi- 
mentrutschung am Kontinentalabhang entstehen kann. Als Auslösemechanismus kom- 
men untermeerische Erdbeben in Frage. Da solche Trübungsströme bislang nur ein- oder 
zweimal im Atlantischen Ozean beobachtet worden waren, freuten sich alle über diesen 
großartigen Erfolg. Dem Assistenten kam die Sache jedoch nicht ganz geheuer vor. Er 
stellte Nachforschungen an bei den Kollegen, die normalerweise auch von diesen Schöp- 
fern mit Tiefenwasser Unterproben zu nehmen pflegten. Es stellte sich heraus, daß die 
beiden fraglichen Schöpfer gar kein Tiefenwasser enthielten, sondern daß sie im Scherz 
mit dem Leitungswasser der METEOR aufgefüllt worden waren, um die Genauigkeit 
unserer Analysenmethoden zu testen. Der Assistent teilte diesen Befund pflichtgemäß 
seinem Professor mit. Dieser war maßlos enttäuscht und entlud seinen ganzen Zorn auf 
den Assistenten in der Meinung, daß er ihm diesen üblen Streich gespielt hätte: Und wie 
so oft im Leben blieben die wahren Schuldigen ungeschoren. 
Jürgen Lenz 
Den letzten beißen die Hunde 
Trotz erfahrener Fahrtleitung war es für den Alleinforscher und Anfänger in der 
Benthologie nicht immer ganz einfach, die notwendige Stationszeit zu bekommen. Es 
war selbstverständlich, daß die Verschmutzer der Wassersäule, Geologen und Bentholo- 
gen, auf der einzelnen Station als letzte ihre Proben ziehen konnten. Nicht selbstverständ- 
lich war es für mich, daß bei zeitlich verkürzten Stationen das Programm stets am Ende 
beschnitten wurde. So war es im Indischen Ozean am 24. 12. 1964, so geschah es am 
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