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Full text: 125 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 1986

Während bis in die dreißiger Jahre hinein die Seekarten überwiegend für den 
Bedarf der Handelsschiffahrt hergestellt wurden, entstand mit der Wiedereinführung 
der Wehrhoheit ein erhöhter Bedarf von Karten für die Marine. Nach der Bearbei- 
tung der Vorlage für den Kupferstich dauerte die Ausführung des Stiches oft mehr als 
ein Jahr. Um dem Kartenbedarf der Marine gerecht zu werden, wurden schon ab 
1934 bei Firma Enderich neue Techniken angewandt, die darauf abzielten, den 
Herstellungszeitraum von Kartenoriginalen zu verkürzen. Für ca. 10% aller neuen 
Karten wurden bei Enderich Originalzeichnungen auf kreidiertem Karton im Maß- 
stab 1 : 1 gefertigt. Mit Hilfe eines verdichteten Gitters von blauer Tusche auf Karton 
wurden die Grundlagen übertragen und sofort auf den Karton mit speziell angeriebe- 
ner chinesischer Tusche die Reinzeichnung ausgeführt. Diese Originalherstellungs- 
methode, die die redaktionelle kartographische Bearbeitung und die Reinzeichnung 
in einem Arbeitsgang vereinigte, erforderte besonders erfahrene Entwurfskarto- 
graphen, die zusätzlich zu Spitzenleistungen in der Reinzeichnung fähig waren. Für 
die Zeichnung der Karte Nr. 1181 im Maßstab 1 : 300 000 von Norwegen (Grundlagen 
1: 50 000) wurden z. B. nur ca. 1200 Arbeitsstunden benötigt. In der photolithogra- 
phischen Abteilung der Nautischen Abteilung, im Oberkommando der Kriegsmarine 
(OKM), wurde von den Originalzeichnungen ein Diapositiv erstellt und auf photo- 
lithographischem Wege auf eine Aluminiumplatte zum Druck kopiert. War die Kor- 
rekturerwartung zu diesen Karten sehr hoch, wurden diese Photolithographien auf 
Stein umgelegt. Die Korrekturfähigkeit des Lithographiesteines war besser als die 
der Aluminiumplatte, da er sich besser bezeichnen ließ. Außerdem konnte man vom 
Lithographiestein höhere Auflagen drucken als von der empfindlichen Aluminium- 
platte. 
Ab 1938 wurden die Originalzeichnungen bei der Firma Enderich teilweise auf 
Folie mit folienanlösender Tusche ausgeführt. Diese PVC-Folie war dem heutigen 
Astralon oder Sicoprint sehr ähnlich, besaß jedoch nicht deren heutige Maßhaltig- 
keit. Auch war das Zeichnen mit der folienanlösenden Tusche noch relativ schwierig, 
da sie zu schnell verdickte. Diese Methode hatte jedoch den Vorteil, daß die Rein- 
zeichnung etwas schneller zu bewerkstelligen war und diese transparente Zeichnung 
direkt für die Plattenkopie genutzt werden konnte, ohne den Weg der Photolithogra- 
phie zu beschreiten. Außerdem ließen sich auf der Folie mit einem Schaber leichter 
Korrekturen ausführen als auf dem Stein oder der Aluminiumplatte. 
Im Jahre 1944 wurde das deutsche Seekartenwerk und die bei der Firma Reimer 
lagernden Platten und Lithographiesteine nach Kaufbeuren in Bayern verlegt, um 
der Zerstörung durch Luftangriffe auf Berlin zu entgehen. 
Alle Mitarbeiter der Firmen Enderich, Reimer und Ratthei aus Berlin wurden in 
die Nautische Abteilung des Oberkommandos der Marine (OKM) eingegliedert. Es 
gab sieben Kartengruppen, in denen die neuen Originale entstanden, und ca. zehn 
Mitarbeiter in der Technik, die für die Berichtigung der Kupfer- und Aluminiumplat- 
ten sorgten. In Kaufbeuren waren außerdem eine Galvanoplastik, Reproduktions- 
fotografie und Kopie sowie eine Druckerei vorhanden. Firma Reimer wurde mit ca. 
zehn Stechern in dem kleinen Ort Wiesenhofen, 5 km südlich von Kaufbeuren, 
untergebracht. Firma Ratthei war in Kaufbeuren mit 10 Stechern. Neue Karten 
entstanden in den Kartengruppen nun ausschließlich durch Zeichnung auf Folie. 
Umfangreiche Berichtigungen der besonders fortführungsanfälligen Karten der deut- 
schen Nordseeküste im Bereich der Weser, Jade und Elbe wurden wie folgt ausge- 
führt: 
Nur das relativ unveränderliche Landgebiet lag auf Kupfer gestochen vor. Von 
dieser Platte wurde ein Andruck auf Karton ausgeführt, in den der Kartograph das 
veränderte Tiefenbild mit Tusche in Reinzeichnungsqualität aus den Grundlagen 
übertrug. Die so entstandene neue Ausgabe wurde auf photolithographischem Wege 
entweder auf Lithographiestein oder auf Aluminiumplatte gelegt. Bei der nächsten
	        
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