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Full text: 125 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 1986

Insgesamt wurden in diesen Firmen ca. 60 Kartokupferstecher beschäftigt, die 
einen wesentlichen Anteil an dem Ausbau des deutschen Seekartenwerks hatten. 
Wie bei der Firma Enderich war auch bei der Firma Reimer in Berlin, die auch 
Hauptvertriebsstelle war, ein Kontrollbeamter aus dem Reichs-Marine-Amt ständig 
anwesend. Er war für die Prüfung der ausgeführten Kupferstiche zuständig. Der 
Ausbau der eigenen Kupferstecherei im Hydrographischen Departement war nicht 
möglich, weil die dazu notwendige hohe Zahl von Stechern nicht verfügbar war. So 
mußte man auf die in Firmen angestellten Stecher zurückgreifen, die über das ganze 
Land verteilt waren. Die Kartokupferstecher waren auf Grund ihrer immer zu gerin- 
gen Anzahl und ihres Könnens stets Spitzenverdiener, die bei der Übernahme in den 
Staatsdienst finanzielle Einbußen hätten hinnehmen müssen. Mit ausschlaggebend 
für die Zurückhaltung bei der Erweiterung der Anzahl der Stecher im Amt war 
sicherlich auch die Abhängigkeit von verfügbaren Planstellen und die Gefahr, nach 
Abschluß der Aufbauarbeiten des Seekartenwerkes die meisten Stecher nicht mehr 
beschäftigen zu können. Nach dem 1. Weltkrieg machte der Versailler Vertrag es 
unmöglich, den Personalbestand des Reichs-Marine-Amtes zu erhöhen. Da infolge- 
dessen die Zahl der vorhandenen Planstellen für den Kupferstich klein blieb, war 
man dankbar, daß es immer wieder möglich war, genügend finanzielle Mittel für 
Vergabearbeiten zu erhalten. 
Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges war ein Teil des Personals vom Reichs- 
Marine-Amt an die Front abkommandiert und einTeil des Personals der Privatfirmen 
zum Militärdienst einberufen worden. Es wurden nun die Druckplatten ausschließlich 
für den Bedarf der Kriegsmarine gestochen. Im Amt selbst wurden neben dem 
Kupferstich nun auch wieder durch Photolithographie 282 Sonderkarten für die 
Marine hergestellt. Der Zwang zur schnellen Herausgabe führte dazu, einen Teil der 
erforderlichen Platten auf fotomechanischem Wege herzustellen (siehe 3.). 
Weiterentwicklung bis zum Ende des 2. Weltkrieges 
Die schlechte Finanzlage des Reiches nach dem 1. Weltkrieg hatte zur Folge, 
daß die Vergabe von Arbeiten an Firmen stark eingeschränkt werden mußte. So 
waren kurz nach dem Krieg nur noch drei Kupferstichbetriebe tätig, die insgesamt 
lediglich 31 Stecher beschäftigen konnten. Es waren 
Giesecke & Devrient in Leipzig 
Dietrich Reimer in Berlin 
Max Zapf in Hildburghausen 
Bis zur Auslagerung nach Kaufbeuren im Jahre 1944 wurde diese Liste jedoch 
um drei Firmen erweitert: 
Ratthei in Berlin 
R. Schmidt in Hildburghausen 
Wüst in Berlin (später in Reurith) 
Im Nautischen Departement wurden auf Grund des Versailler Vertrages nur 
noch 110 technische Kräfte beschäftigt. Das Seekartenwerk wurde erheblich verklei- 
nert, und ab 1930 wurden statt der ursprünglich 50 neuen Stiche pro Jahr nur noch 30 
neue Karten jährlich hergestellt. Im Jahre 1925 gab es bei Dietrich Reimer 22 und bei 
Max Zapf 20 Kupferstecher. 1936 hatte die Zahl der bei Enderich beschäftigten 
Kartographen mit 26 ihren Höchststand. Zu erwähnen ist auch, daß das inzwischen 
erholte Seekartenwerk durch die wirtschaftliche Depression Ende der zwanziger 
Jahre wiederum einen Rückschlag erlitt. Von einem Tag zum anderen wurden die 
meisten Vergabearbeiten an die Firmen storniert, und viele Kartographen verloren 
ihre Arbeit. 
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