Insgesamt wurden in diesen Firmen ca. 60 Kartokupferstecher beschäftigt, die
einen wesentlichen Anteil an dem Ausbau des deutschen Seekartenwerks hatten.
Wie bei der Firma Enderich war auch bei der Firma Reimer in Berlin, die auch
Hauptvertriebsstelle war, ein Kontrollbeamter aus dem Reichs-Marine-Amt ständig
anwesend. Er war für die Prüfung der ausgeführten Kupferstiche zuständig. Der
Ausbau der eigenen Kupferstecherei im Hydrographischen Departement war nicht
möglich, weil die dazu notwendige hohe Zahl von Stechern nicht verfügbar war. So
mußte man auf die in Firmen angestellten Stecher zurückgreifen, die über das ganze
Land verteilt waren. Die Kartokupferstecher waren auf Grund ihrer immer zu gerin-
gen Anzahl und ihres Könnens stets Spitzenverdiener, die bei der Übernahme in den
Staatsdienst finanzielle Einbußen hätten hinnehmen müssen. Mit ausschlaggebend
für die Zurückhaltung bei der Erweiterung der Anzahl der Stecher im Amt war
sicherlich auch die Abhängigkeit von verfügbaren Planstellen und die Gefahr, nach
Abschluß der Aufbauarbeiten des Seekartenwerkes die meisten Stecher nicht mehr
beschäftigen zu können. Nach dem 1. Weltkrieg machte der Versailler Vertrag es
unmöglich, den Personalbestand des Reichs-Marine-Amtes zu erhöhen. Da infolge-
dessen die Zahl der vorhandenen Planstellen für den Kupferstich klein blieb, war
man dankbar, daß es immer wieder möglich war, genügend finanzielle Mittel für
Vergabearbeiten zu erhalten.
Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges war ein Teil des Personals vom Reichs-
Marine-Amt an die Front abkommandiert und einTeil des Personals der Privatfirmen
zum Militärdienst einberufen worden. Es wurden nun die Druckplatten ausschließlich
für den Bedarf der Kriegsmarine gestochen. Im Amt selbst wurden neben dem
Kupferstich nun auch wieder durch Photolithographie 282 Sonderkarten für die
Marine hergestellt. Der Zwang zur schnellen Herausgabe führte dazu, einen Teil der
erforderlichen Platten auf fotomechanischem Wege herzustellen (siehe 3.).
Weiterentwicklung bis zum Ende des 2. Weltkrieges
Die schlechte Finanzlage des Reiches nach dem 1. Weltkrieg hatte zur Folge,
daß die Vergabe von Arbeiten an Firmen stark eingeschränkt werden mußte. So
waren kurz nach dem Krieg nur noch drei Kupferstichbetriebe tätig, die insgesamt
lediglich 31 Stecher beschäftigen konnten. Es waren
Giesecke & Devrient in Leipzig
Dietrich Reimer in Berlin
Max Zapf in Hildburghausen
Bis zur Auslagerung nach Kaufbeuren im Jahre 1944 wurde diese Liste jedoch
um drei Firmen erweitert:
Ratthei in Berlin
R. Schmidt in Hildburghausen
Wüst in Berlin (später in Reurith)
Im Nautischen Departement wurden auf Grund des Versailler Vertrages nur
noch 110 technische Kräfte beschäftigt. Das Seekartenwerk wurde erheblich verklei-
nert, und ab 1930 wurden statt der ursprünglich 50 neuen Stiche pro Jahr nur noch 30
neue Karten jährlich hergestellt. Im Jahre 1925 gab es bei Dietrich Reimer 22 und bei
Max Zapf 20 Kupferstecher. 1936 hatte die Zahl der bei Enderich beschäftigten
Kartographen mit 26 ihren Höchststand. Zu erwähnen ist auch, daß das inzwischen
erholte Seekartenwerk durch die wirtschaftliche Depression Ende der zwanziger
Jahre wiederum einen Rückschlag erlitt. Von einem Tag zum anderen wurden die
meisten Vergabearbeiten an die Firmen storniert, und viele Kartographen verloren
ihre Arbeit.
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