Weiterentwicklung bis zum Ende des 1. Weltkrieges
Als im Jahre 1902 finanzielle Mittel dazu beitragen sollten, das Seekartenwerk
zu erweitern, konzentrierte man sich mit dem Fachpersonal der nautischen Abteilung
auf die Aufbereitung des nautischen Grundlagenmaterials. Ziel war es, pro Jahr
50 Seekarten neu herzustellen. Während schon ab 1890 zusätzlich mit der Stichaus-
führung die Firma Giesecke & Devrient in Leipzig betraut wurde, fanden außerdem
Stiche für Korrekturen im Amt statt. Zusätzlich wurden die beiden Anstalten
F. Müllhaupt und P. Boschmann in Berlin für Kupferstiche und 1902 die Kupferstich-
anstalt Max Zapf und C. Metzeroth in Hildburghausen für das Seekartenwerk tätig.
Die Firmen wurden vom Reichs-Marine-Amt angehalten, für entsprechenden
Kupferstechernachwuchs Sorge zu tragen.
Im Jahre 1903 wurden die Fortführung der Druckplatten und der Druck der
Karten an die Firma Dietrich Reimer in Berlin übertragen, die unter direkter Auf-
sicht des Reichs-Marine-Amtes stand. Sie hatte ihre Kosten aus dem Verkaufserlös
der Seekarten selbst zu tragen. Stecher in der Nautischen Abteilung des Amtes
konnten sich nun ganz auf den Neustich konzentrieren, während die Firma Reimer
die Fortführung übernahm.
Für den Neustich der Karten kaufte das Reichs-Marine-Amt in den USA sechs
Kupferstichmaschinen, die den Stich erheblich beschleunigen sollten, Die Schumme-
rungsausführungen in der Geländedarstellung mit einem eigens dafür entwickelten
Handroulette waren von besonders großem Erfolg gekrönt, da es nun möglich war,
die zeitraubende Schraffendarstellung abzulösen.
Die hohe Qualität und Anschaulichkeit dieser Schummerungsausführung waren
ein Leistungsstandard der deutschen Kupferstecher, der nur im deutschen Seekarten-
werk erreicht wurde und die deutschen Seekarten zu den besten überhaupt machte.
Bei den Seekarten, die mit hohen Auflagen gedruckt wurden, mußte man jedoch von
der relativ flachen Rouletteschummerung absehen und bei der Schraffendarstellung
bleiben, da hier die Ausführung mit dem Stich tiefer ist.
Bei der Vertonung bzw. Darstellung von Küstenansichten mußte leider von der
sehr feinen und anschaulichen Radiertechnik abgegangen werden, da diese für große
Auflagen zu flach war. Bei der Radierung wurde mit einer Nadel auf Kupfer gezeich-
net. Nachdem die Radierungen vorzeitig ausdruckten, wurden die Abbildungen in
Seekarten nur noch mit dem Stichel bearbeitet.
Seit 1903 wurde, nach Verlegung des Druckes zu Dietrich Reimer, das Kolorit
der Leuchtfeuer nach einer Schablone mit wasserfester Farbe ausgeführt. Vorher
waren die Kolorits mit dem Pinsel und Aquarellfarben ausgeführt worden. 1911
erfolgte in Berlin die Gründung des Hydrographischen Instituts von Richard Ende-
rich, der als junger Kartograph aus dem Nautischen Departement des Reichs-Marine-
Amtes hervorgegangen war. Diese Firma war ausschließlich für die Arbeiten des
Amtes zuständig und wurde durch einen sogenannten Kontrollbeamten des Amtes
beaufsichtigt. Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges wuchs das Personal bei Enderich
auf 21 kartographische Kräfte an, die in diesen Jahren ausschließlich für die Vor-
lagenherstellung zum späteren Kupferstich tätig waren. Diese redaktionellen karto-
graphischen Bearbeitungen wurden von den beamteten Kartographen des Reichs-
Marine-Amtes geprüft und danach an die Kupferstecher der eigenen Abteilung und
an inzwischen sieben Kupferstichanstalten außerhalb des Amtes gegeben. Es waren
nach ihrer Bedeutung in jenen Jahren:
Dietrich Reimer
Giesecke & Devrient
Max Zapf
F. Doelke
F. Müllhaupt
C. Zetzmann
Karl Röder
in Berlin
in Leipzig
in Hildburghausen
in Hildburghausen
in Berlin
in Berlin
in Berlin
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