Der Druck von einer Kupferstichplatte hatte die Eigenschaft, auf dem Papier ein
reliefartiges Bild zu ergeben, das durch den Abzug der in die Platte gestochenen
Vertiefungen entsteht. Es hält beim Gebrauch der Seekarte den notwendigen Radie-
rungen stand und läßt die Darstellung von sehr feinen und dünnen Linienelementen
zu, die besonders die Lesbarkeit der Seekarte erhöhen. In seiner Klarheit und
Ausdrucksfähigkeit wurde der Kupferstich von keinem lithographischen Verfahren
mit Federzeichnung übertroffen.
Der Grund, der das Preußische Marineministerium veranlaßte, für die Original-
herstellung der ersten Segel- und Küstenkarten der Deutschen Bucht die Technik der
Lithographie anzuwenden, mag wohl in den damals knappen finanziellen Mitteln und
in dem Zwang gelegen haben, möglichst schnell viele Karten entstehen zu lassen. Die
endgültige Ablösung der letzten Lithographien durch den Kupferstich gelang dann
1880. Die Lithographie wurde nur noch in besonderen Fällen ausgeführt, erlebte
jedoch in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts neue Anwendung (siehe 3.
und 5.).
Der Stich einer einzigen Kupferplatte war sehr zeitaufwendig und erforderte
erfahrene Stecher. Nicht selten benötigte der Kartokupferstecher ein ganzes Jahr für
den Stich einer einzigen Platte. Der Start in den Kupferstich wurde zusätzlich durch
den Mangel an erfahrenen Stechern erschwert. Nicht unerwähnt soll dabei bleiben,
daß für die Herstellung der topographischen Karte 1: 100 000 von der Preußischen
Landesaufnahme ebenfalls gute Stecher benötigt wurden. Außerdem war es nötig,
den Kartokupferstecher für den Stich von Seekarten zusätzlich mit den besonderen
Darstellungsarten und Gesetzmäßigkeiten der Seekarte vertraut zu machen und ihn
für das Seekartenwerk besonders auszubilden. Schließlich hatte das deutsche Seekar-
tenwerk mit dem Mangel an geeignetem Fachpersonal noch bis zum Ende des
2. Weltkrieges zu ringen, bis dann der Kupferstich durch neuere Techniken abgelöst
wurde.
Stecher bei der Arbeit
Die an den Fenstern angebrachten mattierten Gläser verhinderten Spiegelungen und
Blendungen des von außen einfallenden Tageslichtes oder der Lampen