fremder Küsten und Gewässer. Die zunehmende internationale Verflechtung in
Handel und Verkehr einerseits und der Kostendruck bei der Unterhaltung nationaler
Seekartenwerke andererseits förderten Bestrebungen, Mehrfacharbeit bei der Her-
stellung von Seekarten für das gleiche Gebiet zu vermeiden und dies durch eine
Vereinheitlichung bei nationalen Seekartenwerken zu erleichtern.
Zukünftig wird viel Mehrfacharbeit dadurch vermieden, daß nationale und inter-
nationale Gewässer nicht mehr in Karten mehrerer nationaler Dienste, sondern in
sogenannten Internationalen Seekarten — INT-Karten — dargestellt werden. Dies
wird dadurch erreicht, daß der Staat, der als Hoheitsaufgabe die Originalvermessung
ausführt, federführend sein soll bei der Fertigung der entsprechenden Karten. Deren
Originale stehen dann auch anderen Staaten zur Verfügung, soweit sie Mitglieder der
Internationalen Hydrographischen Organisation (IHO) sind. Diese Organisation mit
dem Internationalen Hydrographischen Bureau (IHB) hat ihren Sitz in Monaco und
regelt die Zusammenarbeit der nationalen hydrographischen Dienste. Sie hat die
Vereinheitlichung der nationalen Seekartenwerke wesentlich vorangetrieben und ist
die Schaltstelle für die Schaffung internationaler Kartenwerke.
Die ersten Schritte für eine internationale Zusammenarbeit wurden u. a. dadurch
eingeleitet, daß die USA mit einer Anzahl fremder hydrographischer Dienste Abma-
chungen über den Austausch von Originalmaterial getroffen haben. Die USA liefern
den Partnern Zweitoriginale von Karten der Gebiete, die für deren nationale Schiff-
fahrt von Bedeutung sind, und erhalten als Gegenleistung Zweitoriginale von für die
USA interessanten Karten eigener Gebiete der Partner.
Auch das DHI hat derartige bilaterale Abkommen mit den hydrographischen
Diensten der USA (1955) und Frankreichs (1972) geschlossen und einzelne Karten
dieser Staaten als „Faksimile-Nachdrucke“ mit geringfügigen Änderungen in das
deutsche Seekartenwerk eingebaut.
Eine erste gemeinsame internationale Aufgabe, die nicht unmittelbar die nauti-
schen Karten betraf, entstand den hydrographischen Diensten durch den Entschluß
der VIII. Internationalen Hydrographischen Konferenz in Monaco im Jahre 1962
Als Grundlage für die „General Bathymetric Chart of the Oceans“ (GEBCO),
Maßstab 1 : 10000000, sollten Plotting Sheets im Maßstab 1 : 1000000 gefertigt
werden. 17 Staaten erklärten sich bereit, das gesamte Meeresgebiet in 663 Plotting
Sheets zu erfassen. Das Seekartenwerk des DHI übernahm für die Bundesrepublik
Deutschland die kartographische Bearbeitung und Herstellung von 26 Plotting Sheets
und wertete dafür etwa 350 000 Lotungen unterschiedlicher Herkunft und Qualität
aus. Im Jahre 1965 waren diese Plotting Sheets fertiggestellt und dienten als Grund-
lage für die 1967 veröffentlichten GEBCO-Blätter B I und B IV. — Zur Zeit werden
vom DHI noch 11 Plotting Sheets nach den eingehenden Unterlagen fortgeführt und
an Interessenten abgegeben. ;
Das weltweit geplante und teilweise schon realisierte Internationale Seekarten-
werk entsteht in drei Programmen. Sie umfassen die Herstellung von Seekarten
kleiner, mittlerer und großer Maßstäbe.
Seekarten kleiner Maßstäbe
Im Jahre 1967 wurde auf Grund einer Empfehlung der IX. Internationalen
Hydrographischen Konferenz in Monaco eine Kommission eingesetzt, um Fragen zu
klären, die sich bei der geplanten Herstellung kleinmaßstäbiger Internationaler See-
karten ergeben. Vorbedingungen hierfür waren u.a. die Einführung des metrischen
Systems für die Höhen- und Tiefenangaben und die Einigung auf ein einheitliches
Kartenformat. Den Mitgliedsstaaten der IHO sollte es ermöglicht werden, diese
kleinmaßstäbigen Seekarten für die weltweite Navigation nachzudrucken. Die von
der Kommission im November 1969 erarbeitete endgültige Fassung der Richtlinien
für die Bearbeitung dieser Internationalen Seekarten wurde Ende 1970 veröffentlicht.
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