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Full text: 125 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 1986

fremder Küsten und Gewässer. Die zunehmende internationale Verflechtung in 
Handel und Verkehr einerseits und der Kostendruck bei der Unterhaltung nationaler 
Seekartenwerke andererseits förderten Bestrebungen, Mehrfacharbeit bei der Her- 
stellung von Seekarten für das gleiche Gebiet zu vermeiden und dies durch eine 
Vereinheitlichung bei nationalen Seekartenwerken zu erleichtern. 
Zukünftig wird viel Mehrfacharbeit dadurch vermieden, daß nationale und inter- 
nationale Gewässer nicht mehr in Karten mehrerer nationaler Dienste, sondern in 
sogenannten Internationalen Seekarten — INT-Karten — dargestellt werden. Dies 
wird dadurch erreicht, daß der Staat, der als Hoheitsaufgabe die Originalvermessung 
ausführt, federführend sein soll bei der Fertigung der entsprechenden Karten. Deren 
Originale stehen dann auch anderen Staaten zur Verfügung, soweit sie Mitglieder der 
Internationalen Hydrographischen Organisation (IHO) sind. Diese Organisation mit 
dem Internationalen Hydrographischen Bureau (IHB) hat ihren Sitz in Monaco und 
regelt die Zusammenarbeit der nationalen hydrographischen Dienste. Sie hat die 
Vereinheitlichung der nationalen Seekartenwerke wesentlich vorangetrieben und ist 
die Schaltstelle für die Schaffung internationaler Kartenwerke. 
Die ersten Schritte für eine internationale Zusammenarbeit wurden u. a. dadurch 
eingeleitet, daß die USA mit einer Anzahl fremder hydrographischer Dienste Abma- 
chungen über den Austausch von Originalmaterial getroffen haben. Die USA liefern 
den Partnern Zweitoriginale von Karten der Gebiete, die für deren nationale Schiff- 
fahrt von Bedeutung sind, und erhalten als Gegenleistung Zweitoriginale von für die 
USA interessanten Karten eigener Gebiete der Partner. 
Auch das DHI hat derartige bilaterale Abkommen mit den hydrographischen 
Diensten der USA (1955) und Frankreichs (1972) geschlossen und einzelne Karten 
dieser Staaten als „Faksimile-Nachdrucke“ mit geringfügigen Änderungen in das 
deutsche Seekartenwerk eingebaut. 
Eine erste gemeinsame internationale Aufgabe, die nicht unmittelbar die nauti- 
schen Karten betraf, entstand den hydrographischen Diensten durch den Entschluß 
der VIII. Internationalen Hydrographischen Konferenz in Monaco im Jahre 1962 
Als Grundlage für die „General Bathymetric Chart of the Oceans“ (GEBCO), 
Maßstab 1 : 10000000, sollten Plotting Sheets im Maßstab 1 : 1000000 gefertigt 
werden. 17 Staaten erklärten sich bereit, das gesamte Meeresgebiet in 663 Plotting 
Sheets zu erfassen. Das Seekartenwerk des DHI übernahm für die Bundesrepublik 
Deutschland die kartographische Bearbeitung und Herstellung von 26 Plotting Sheets 
und wertete dafür etwa 350 000 Lotungen unterschiedlicher Herkunft und Qualität 
aus. Im Jahre 1965 waren diese Plotting Sheets fertiggestellt und dienten als Grund- 
lage für die 1967 veröffentlichten GEBCO-Blätter B I und B IV. — Zur Zeit werden 
vom DHI noch 11 Plotting Sheets nach den eingehenden Unterlagen fortgeführt und 
an Interessenten abgegeben. ; 
Das weltweit geplante und teilweise schon realisierte Internationale Seekarten- 
werk entsteht in drei Programmen. Sie umfassen die Herstellung von Seekarten 
kleiner, mittlerer und großer Maßstäbe. 
Seekarten kleiner Maßstäbe 
Im Jahre 1967 wurde auf Grund einer Empfehlung der IX. Internationalen 
Hydrographischen Konferenz in Monaco eine Kommission eingesetzt, um Fragen zu 
klären, die sich bei der geplanten Herstellung kleinmaßstäbiger Internationaler See- 
karten ergeben. Vorbedingungen hierfür waren u.a. die Einführung des metrischen 
Systems für die Höhen- und Tiefenangaben und die Einigung auf ein einheitliches 
Kartenformat. Den Mitgliedsstaaten der IHO sollte es ermöglicht werden, diese 
kleinmaßstäbigen Seekarten für die weltweite Navigation nachzudrucken. Die von 
der Kommission im November 1969 erarbeitete endgültige Fassung der Richtlinien 
für die Bearbeitung dieser Internationalen Seekarten wurde Ende 1970 veröffentlicht. 
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