Der Umfang des heutigen deutschen Seekartenwerkes mit etwa 1000 Seekarten
wurde durch den Ausschuß für die Angelegenheiten des DHI im Seeverkehrsbeirat
wesentlich beeinflußt. Er hielt einen engen Kontakt zwischen allen an der Seefahrt
interessierten Stellen und setzte sich deshalb aus Vertretern des Bundesverkehrsmini-
steriums (BMV), der Schiffahrtsverbände und Reedereien, der Bundesmarine, der
Kartenvertriebsstellen, des DHI und aus anderen Kreisen zusammen. Die nautischen
Veröffentlichungen des DHI — d.h. die Seekarten und Seebücher — stellen ein
geschlossenes, aufeinander abgestimmtes Navigations- und Informationssystem für
die deutsche Schiffahrt dar, in dem die Seekarte die zentrale Stellung einnimmt.
Hieraus folgt, daß die nautischen Veröffentlichungen im allgemeinen nur bei entspre-
chend koordinierter Benutzung eine ausreichende Sicherheit für die Schiffsführung
bieten können. Dieses System ist ein wesentlicher Teil des hohen Sicherheitsstan-
dards für die nationale Schiffahrt. Sicherheit erfordert aber auch finanzielle Mittel.
Über den Umfang des deutschen Seekartenwerkes wurde deshalb in den 70er Jahren
innerhalb und außerhalb unseres Hauses — auch im Deutschen Bundestag — disku-
tiert und intensiv nachgedacht.
Gegen eine aus Kostengründen beabsichtigte geographische Einschränkung des
deutschen Seekartenwerks hat sich die nationale Schiffahrt im Jahre 1978 entschieden
ausgesprochen und darauf hingewiesen, daß dadurch die Sicherheit der deutschen
Seeschiffahrt in nicht vertretbarem Maße gefährdet werden würde. In diesem Zusam-
menhang sei an die Vorgänge im Jahre 1927 erinnert. Auch der Bundesminister für
Verkehr hat erst kürzlich bestätigt, daß die Sicherheit und Leichtigkeit des Seever-
kehrs das entscheidende Kriterium für die Herausgabe deutscher Seekarten sein muß.
Die. deutsche Schiffahrt profitiert von einem nach einheitlichen Kriterien aufge-
bauten und gestalteten nationalen Seekartenwerk, das schnell und flexibel auf beson-
dere nationale Bedürfnisse reagieren kann. Fremdländische Seekarten sind zuge-
schnitten auf die Bedürfnisse fremder Flotten und inhaltlich nicht mit den vom DHI
herausgegebenen nautischen Büchern abgestimmt.
In einer Rede zur „Sicherheit für die Seeschiffahrt, Ziele und Verwirklichung“
äußerte sich der Staatssekretär im BMV, Bayer, am 4. Juni 1983 u. a. wie folgt:
„Zu diesem Komplex — Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicher-
heit. — gehören nicht zuletzt die vom Deutschen Hydrographischen
Institut zur sicheren Navigation herausgegebenen Seekarten und sonsti-
gen nautischen Veröffentlichungen, die in hervorragender Weise den
Anforderungen der Praxis entsprechen. Sie werden täglich den sich
ändernden Gegebenheiten und Erfordernissen angepaßt. So wird der-
zeit in internationaler Zusammenarbeit das Seekartenwerk neu geord-
net und harmonisiert.“
Für den Inhalt und die Gestaltung von Seekarten erlangen nämlich internatio-
nale Empfehlungen und Standards zunehmende Bedeutung. Das DHI arbeitet am
Aufbau des „Internationalen Seekartenwerks“, das die hydrographischen Dienste
langfristig entlasten wird, intensiv mit.
Internationale Zusammenarbeit und Aufbau des „Internationalen
Seekartenwerks“
Die nationalen Seekartenwerke der verschiedenen hydrographischen Dienste
arbeiteten bisher unabhängig voneinander für die Belange der eigenen Schiffahrt.
Das brachte es mit sich, daß es für die.meisten Seegebiete nicht nur eine, sondern
viele Seekarten gab, die von den nationalen Seekartenwerken hergestellt worden
waren. So gibt es neben den weltweiten großen Seekartenwerken der USA, Großbri-
tanniens und der UdSSR mittelgroße Seekartenwerke; zu ihnen gehört auch das der
Bundesrepublik Deutschland mit seinen etwa 1000 Seekarten der heimischen sowie