Am 9. April 1945 wurde angeordnet, das Seekartenwerk für die Nordsee und die
Ostsee nach Hamburg zu verlegen; es kam aber nur zu zwei vergeblichen Versuchen.
Das Kriegstagebuch endet am 27. 4. 1945 mit der Eintragung „Besetzung der Stadt
Kaufbeuren durch USA-Truppen“. Damit endete ein wesentlicher Abschnitt der
deutschen Seekartographie.
Das deutsche Seekartenwerk von 1945 bis 1986
Nach der Kapitulation (Mai 1945) begann — laut Tagebuchaufzeichnung des
langjährigen Referatsleiters der „Kartographie“, Amtsrat Dimmler — die Wiederauf-
nahme der Arbeiten des Seekartenwerkes in Kaufbeuren am 17. Juni 1945 unter der
Leitung von Lt. Cdr. Deery (US Navy) und Lt. Hildreth (RN), die von der Alliierten
Militärregierung als Kontrolloffiziere eingesetzt waren. Aus dem Marinekommando
Kaufbeuren wurde das „German Naval Chart Establishment“
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Stempel des „German Naval Chart Establishment“
Dank der Verlagerung des Seekartenwerkes von Berlin nach Kaufbeuren hatte
es keine Substanzverluste durch Kriegseinwirkungen gegeben. So waren die Original-
kupferstichplatten und die Maschinendruckplatten der Seekarten über den Krieg
hinweg gerettet worden und bildeten wichtige Grundlagen für den Wiederaufbau.
Von Beginn an stand auch das notwendige technische Fachpersonal zur Verfügung.
Hinzu kam, daß die beamteten Kartographen, aus denen die späteren Sachgebietslei-
ter hervorgingen, bereits im Juni 1945 auf Veranlassung der Alliierten Kontrollkom-
mission aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurden. Die ersten Nachkriegsarbei-
ten waren dennoch schwierig und beschränkten sich auf das Aufräumen und Sichten.
Danach wurden der deutsche Minenräumdienst, die deutsche Fischerei und Küsten-
schiffahrt wieder mit Karten versorgt, Bestellungen aus Kreisen der ausländischen
Schiffahrt schlossen sich an. .
Nach Gründung des „Deutschen Hydrographischen Instituts“ am 12. Dezember
1945 wurde das Seekartenwerk in das Institut eingegliedert und — in 34 Waggons —
am 4. Mai 1946 von Kaufbeuren nach Hamburg überführt, wo es am 8. Mai 1946
eintraf. Welch schwieriges Unterfangen das damals war, geht z. B. daraus hervor,
daß allein die Beschaffung des Holzes und der Nägel für Transportkisten ausdrücklich
im Tagebuch erwähnt wurde. Da die für die Ubernahme des Seekartenwerkes in
Hamburg-Tollerort (Hafen) vorgesehenen Räume noch nicht fertiggestellt waren,
wurde der Betrieb in Hamburg zunächst an verschiedenen Stellen provisorisch weiter-
geführt.