schen Seekartenwerkes in der angeregten Weise dem Grundgedanken widersprechen
würde, der bei seiner Schaffung maßgebend war, nämlich die Schiffahrt und die
Marine weitgehend unabhängig zu machen. „Außerdem müßten die vom Ausland
bezogenen Seekarten so hingenommen werden, wie sie geboten werden, ohne Ge-
währ, daß das, was der deutsche Interessent braucht, in den Karten Berücksichtigung
gefunden hat“. Insbesondere die nautischen Vereine und die in Hamburg ansässigen
Reedereien sprachen sich entschieden gegen eine Einschränkung des deutschen See-
kartenwerkes aus. Der „Verein Hamburger Reeder“ schrieb im Bericht des Verwal-
tungsrats über das Jahr 1926/27:
„Wir weisen in Übereinstimmung mit sämtlichen nautischen Kreisen
darauf hin, daß das nautische Werk der Marineleitung nicht nur nicht
beschränkt, sondern vielmehr erweitert werden muß“,
Der Reichsverkehrsminister schrieb am 19. November 1927 u. a. an den Reichsfinanz-
minister:
„ ... Das mit großen Mühen geschaffene vorbildliche Karten- und
Nachrichtenwerk der Marine bildet die Grundlage einer sicheren
Schiffsführung für die gesamte deutsche Schiffahrt. Aus Gründen der
Sicherheit der deutschen Seeschiffahrt muß ich mit allem Nachdruck
davor warnen, diese Grundlage zu erschüttern.“
Nach langer mühevoller Arbeit gelang es 1929/1931 der Nautischen Abteilung,
für den weiteren Ausbau und für die Vollendung des Seekartenwerkes einen festen
Plan aufzustellen. Er war allerdings weniger umfangreich als der ursprüngliche und
auch nur in einem längeren Zeitraum — 30 Jahre — zu verwirklichen. Danach sollte
die Anzahl der Karten von 768 (1929) / 804 (1931) bis auf 1500 (1958) erhöht werden.
Die Verwirklichung dieses Planes setzte eine jährliche Aufstockung der personellen
und sächlichen Mittel voraus und sah für das Jahr 1958 achtundvierzig kartographi-
sche Beschäftigte vor. Die Herstellungskosten einer neuen Karte — Originalzeich-
nung, Kupferplatte mit Mappe, Kupferstich — wurden Ende der 20er Jahre mit
durchschnittlich 7330 RM veranschlagt. Für die Lebensdauer einer Kupferplatte wur-
den etwa 60 Jahre angenommen.
Der Bestand an deutschen Admiralitätskarten betrug am 1. Oktober 1929
779 Karten, davon 705 in Kupferstich, die übrigen in Steindruck. Der Vertrieb dieser
Karten erfolgte durch Privatanstalten, davon waren eine Hauptvertriebsstelle in
Berlin, 35 Vertriebsstellen in deutschen und 20 Vertriebsstellen in ausländischen
Häfen.
Im Jahre 1931 wurden durchschnittlich 50000 Seekarten oder 5/6 der Gesamther-
stellung an die deutsche Handelsschiffahrt geliefert.
Beim 75jährigen Bestehen des Seekartenwerkes im Jahre 1936 umfaßte der
Bestand 849 Seekarten, im Jahre 1939 898, bis 1944 1050 Karten.
Von seiner Gründung bis 1943 war das Seekartenwerk ohne Unterbrechung in
Berlin untergebracht. Wegen Gefährdung durch den Krieg wurde die Abteilung
Seekarten der „Amtsgruppe Nautik des Oberkommandos der Kriegsmarine“ in die
von der Stadt Kaufbeuren zur Verfügung gestellte Berufsschule und in die damals
geschlossene und von der Marine gemietete „Vereinigte Kunstanstalten A. G., Kauf-
beuren“ verlegt. Der Umzug der rund 100 Fachkräfte nebst allem Zubehör an
Unterlagen und Geräten fand im August 1943 unter großem persönlichem Einsatz
aller Beteiligten statt.
Die Abteilung führte in Kaufbeuren die Bezeichnung „Marinekommando Kauf-
beuren“, Wohngelegenheiten stellte die Stadt Kaufbeuren zur Verfügung, zumal für
Familienangehörige, die im weiteren Kriegsverlauf in Berlin ausgebombt wurden.
Von Zerstörungen durch Luftangriffe blieb die Dienststelle in Kaufbeuren verschont.
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