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Full text: 125 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 1986

schen Seekartenwerkes in der angeregten Weise dem Grundgedanken widersprechen 
würde, der bei seiner Schaffung maßgebend war, nämlich die Schiffahrt und die 
Marine weitgehend unabhängig zu machen. „Außerdem müßten die vom Ausland 
bezogenen Seekarten so hingenommen werden, wie sie geboten werden, ohne Ge- 
währ, daß das, was der deutsche Interessent braucht, in den Karten Berücksichtigung 
gefunden hat“. Insbesondere die nautischen Vereine und die in Hamburg ansässigen 
Reedereien sprachen sich entschieden gegen eine Einschränkung des deutschen See- 
kartenwerkes aus. Der „Verein Hamburger Reeder“ schrieb im Bericht des Verwal- 
tungsrats über das Jahr 1926/27: 
„Wir weisen in Übereinstimmung mit sämtlichen nautischen Kreisen 
darauf hin, daß das nautische Werk der Marineleitung nicht nur nicht 
beschränkt, sondern vielmehr erweitert werden muß“, 
Der Reichsverkehrsminister schrieb am 19. November 1927 u. a. an den Reichsfinanz- 
minister: 
„ ... Das mit großen Mühen geschaffene vorbildliche Karten- und 
Nachrichtenwerk der Marine bildet die Grundlage einer sicheren 
Schiffsführung für die gesamte deutsche Schiffahrt. Aus Gründen der 
Sicherheit der deutschen Seeschiffahrt muß ich mit allem Nachdruck 
davor warnen, diese Grundlage zu erschüttern.“ 
Nach langer mühevoller Arbeit gelang es 1929/1931 der Nautischen Abteilung, 
für den weiteren Ausbau und für die Vollendung des Seekartenwerkes einen festen 
Plan aufzustellen. Er war allerdings weniger umfangreich als der ursprüngliche und 
auch nur in einem längeren Zeitraum — 30 Jahre — zu verwirklichen. Danach sollte 
die Anzahl der Karten von 768 (1929) / 804 (1931) bis auf 1500 (1958) erhöht werden. 
Die Verwirklichung dieses Planes setzte eine jährliche Aufstockung der personellen 
und sächlichen Mittel voraus und sah für das Jahr 1958 achtundvierzig kartographi- 
sche Beschäftigte vor. Die Herstellungskosten einer neuen Karte — Originalzeich- 
nung, Kupferplatte mit Mappe, Kupferstich — wurden Ende der 20er Jahre mit 
durchschnittlich 7330 RM veranschlagt. Für die Lebensdauer einer Kupferplatte wur- 
den etwa 60 Jahre angenommen. 
Der Bestand an deutschen Admiralitätskarten betrug am 1. Oktober 1929 
779 Karten, davon 705 in Kupferstich, die übrigen in Steindruck. Der Vertrieb dieser 
Karten erfolgte durch Privatanstalten, davon waren eine Hauptvertriebsstelle in 
Berlin, 35 Vertriebsstellen in deutschen und 20 Vertriebsstellen in ausländischen 
Häfen. 
Im Jahre 1931 wurden durchschnittlich 50000 Seekarten oder 5/6 der Gesamther- 
stellung an die deutsche Handelsschiffahrt geliefert. 
Beim 75jährigen Bestehen des Seekartenwerkes im Jahre 1936 umfaßte der 
Bestand 849 Seekarten, im Jahre 1939 898, bis 1944 1050 Karten. 
Von seiner Gründung bis 1943 war das Seekartenwerk ohne Unterbrechung in 
Berlin untergebracht. Wegen Gefährdung durch den Krieg wurde die Abteilung 
Seekarten der „Amtsgruppe Nautik des Oberkommandos der Kriegsmarine“ in die 
von der Stadt Kaufbeuren zur Verfügung gestellte Berufsschule und in die damals 
geschlossene und von der Marine gemietete „Vereinigte Kunstanstalten A. G., Kauf- 
beuren“ verlegt. Der Umzug der rund 100 Fachkräfte nebst allem Zubehör an 
Unterlagen und Geräten fand im August 1943 unter großem persönlichem Einsatz 
aller Beteiligten statt. 
Die Abteilung führte in Kaufbeuren die Bezeichnung „Marinekommando Kauf- 
beuren“, Wohngelegenheiten stellte die Stadt Kaufbeuren zur Verfügung, zumal für 
Familienangehörige, die im weiteren Kriegsverlauf in Berlin ausgebombt wurden. 
Von Zerstörungen durch Luftangriffe blieb die Dienststelle in Kaufbeuren verschont. 
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