Nautisch-wissenschaftliche Seebücher
Wenigstens kurz erwähnt werden müssen an dieser Stelle einige weitere vom
Nautiker benötigte Veröffentlichungen, deren Herkunft zwar nicht im eigentlichen
Hydrographischen Dienst liegt, die aber als fester Bestandteil des amtlichen See-
bücherwerks angesehen werden müssen und die seit nunmehr 40 Jahren vom DHI
fortgeführt werden. Es sind dies das Nautische Jahrbuch, die Gezeitentafeln und die
Ozeanhandbücher — Werke, die zum Teil auf wissenschaftlichen Berechnungen oder
Forschungsergebnissen beruhen.
Im Jahre 1850 erschien im Auftrag des preußischen Handelsministeriums ein
„Nautisches Jahrbuch oder vollständige Ephemeriden und Tafeln für das Jahr 1852
zur Bestimmung der Länge und Breite auf See nach astronomischen Beobachtun-
gen“. Später wurde das Jahrbuch vom Reichsamt des Inneren, vom Reichswirt-
schaftsministerium, vom Reichsverkehrsministerium und seit 1946 jährlich vom DHI
herausgegeben. Ebenfalls jährlich erscheinen die Gezeitentafeln, und zwar seit 1879.
Sie wurden bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges vom Marineobservatorium
Wilhelmshaven bearbeitet. Sie enthielten zunächst nur Hochwasserzeiten für die
deutsche Küste, bringen aber heute außerdem ausführliche Gezeitenvorausberech-
nungen für den Teil der Welt, der unter Einschluß von Australien ungefähr vom
Seehandbuchwerk abgedeckt wird.
Zu den wichtigen Unterlagen, die den Kapitän bei der Wahl der sichersten und
günstigsten Route bei transozeanischen Reisen beraten, sind die Ozeanhandbücher
und die dazugehörigen Monatskarten in Atlantenform zu zählen. Sie enthalten neben
den empfohlenen Schiffswegen und Distanzen im wesentlichen ausführliche Beschrei-
bungen und Darstellungen der vorherrschenden Winde und Strömungen sowie Anga-
ben über den Seegang, über Eisvorkommen, Nebelhäufigkeit und das Auftreten
tropischer Wirbelstürme.
Die Aufgabe, die damalige Segelschiffahrt durch die Ermöglichung schnellerer
Reisen bei besserer Ausnutzung der Naturverhältnisse zu fördern, hatte zunächst die
von Wilhelm von Freeden, dem ehemaligen Rektor der Großherzoglich Oldenburgi-
schen Navigationsschule in Elsfleth, mit Unterstützung Hamburger und Bremer
Reeder in Hamburg 1868 gegründete, private Norddeutsche Seewarte (ab 1872 Deut-
sche Seewarte) übernommen. v. Freeden erteilte einzelnen Segelschiffen individuelle
Reise- und Segelempfehlungen unter Berücksichtigung des Fahrtgebietes und der
jahreszeitlich unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse und Strömungen. Nach-
dem das Deutsche Reich im Jahre 1875 die Deutsche Seewarte übernommen hatte,
wurde diese Arbeit fortgesetzt und fand schließlich auch ihren Niederschlag in ge-
druckter Form. Zur Unterstützung der in diesen Jahren bereits schwer mit der
Konkurrenz der Dampfer kämpfenden Segelschiffe gab man zunächst Segelhandbü-
cher heraus, und zwar für den Atlantischen Ozean (1884, durch Neuauflagen von
1899 und 1910 ersetzt), für den Indischen Ozean (1892) und für den Stillen Ozean
(1897). Diese dickleibigen Bände wurden wegen des unaufhaltsamen Wandels in der
Schiffahrt zwischen 1905 und 1937 durch Dampferhandbücher ersetzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Bearbeitung der Ozeanhandbücher von
der aufgelösten Deutschen Seewarte auf das heutige Referat „Nautische Veröffent-
lichungen“ im DHI über. Hier erschienen bisher als Ersatz der älteren Arbeiten das
Handbuch für den Atlantischen Ozean in zwei Bänden (1952/54, ersetzt durch eine
einbändige Neuauflage von 1980) und das Handbuch für den Indischen Ozean im
Jahre 1962.