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Full text: 125 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 1986

Nautisch-wissenschaftliche Seebücher 
Wenigstens kurz erwähnt werden müssen an dieser Stelle einige weitere vom 
Nautiker benötigte Veröffentlichungen, deren Herkunft zwar nicht im eigentlichen 
Hydrographischen Dienst liegt, die aber als fester Bestandteil des amtlichen See- 
bücherwerks angesehen werden müssen und die seit nunmehr 40 Jahren vom DHI 
fortgeführt werden. Es sind dies das Nautische Jahrbuch, die Gezeitentafeln und die 
Ozeanhandbücher — Werke, die zum Teil auf wissenschaftlichen Berechnungen oder 
Forschungsergebnissen beruhen. 
Im Jahre 1850 erschien im Auftrag des preußischen Handelsministeriums ein 
„Nautisches Jahrbuch oder vollständige Ephemeriden und Tafeln für das Jahr 1852 
zur Bestimmung der Länge und Breite auf See nach astronomischen Beobachtun- 
gen“. Später wurde das Jahrbuch vom Reichsamt des Inneren, vom Reichswirt- 
schaftsministerium, vom Reichsverkehrsministerium und seit 1946 jährlich vom DHI 
herausgegeben. Ebenfalls jährlich erscheinen die Gezeitentafeln, und zwar seit 1879. 
Sie wurden bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges vom Marineobservatorium 
Wilhelmshaven bearbeitet. Sie enthielten zunächst nur Hochwasserzeiten für die 
deutsche Küste, bringen aber heute außerdem ausführliche Gezeitenvorausberech- 
nungen für den Teil der Welt, der unter Einschluß von Australien ungefähr vom 
Seehandbuchwerk abgedeckt wird. 
Zu den wichtigen Unterlagen, die den Kapitän bei der Wahl der sichersten und 
günstigsten Route bei transozeanischen Reisen beraten, sind die Ozeanhandbücher 
und die dazugehörigen Monatskarten in Atlantenform zu zählen. Sie enthalten neben 
den empfohlenen Schiffswegen und Distanzen im wesentlichen ausführliche Beschrei- 
bungen und Darstellungen der vorherrschenden Winde und Strömungen sowie Anga- 
ben über den Seegang, über Eisvorkommen, Nebelhäufigkeit und das Auftreten 
tropischer Wirbelstürme. 
Die Aufgabe, die damalige Segelschiffahrt durch die Ermöglichung schnellerer 
Reisen bei besserer Ausnutzung der Naturverhältnisse zu fördern, hatte zunächst die 
von Wilhelm von Freeden, dem ehemaligen Rektor der Großherzoglich Oldenburgi- 
schen Navigationsschule in Elsfleth, mit Unterstützung Hamburger und Bremer 
Reeder in Hamburg 1868 gegründete, private Norddeutsche Seewarte (ab 1872 Deut- 
sche Seewarte) übernommen. v. Freeden erteilte einzelnen Segelschiffen individuelle 
Reise- und Segelempfehlungen unter Berücksichtigung des Fahrtgebietes und der 
jahreszeitlich unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse und Strömungen. Nach- 
dem das Deutsche Reich im Jahre 1875 die Deutsche Seewarte übernommen hatte, 
wurde diese Arbeit fortgesetzt und fand schließlich auch ihren Niederschlag in ge- 
druckter Form. Zur Unterstützung der in diesen Jahren bereits schwer mit der 
Konkurrenz der Dampfer kämpfenden Segelschiffe gab man zunächst Segelhandbü- 
cher heraus, und zwar für den Atlantischen Ozean (1884, durch Neuauflagen von 
1899 und 1910 ersetzt), für den Indischen Ozean (1892) und für den Stillen Ozean 
(1897). Diese dickleibigen Bände wurden wegen des unaufhaltsamen Wandels in der 
Schiffahrt zwischen 1905 und 1937 durch Dampferhandbücher ersetzt. 
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Bearbeitung der Ozeanhandbücher von 
der aufgelösten Deutschen Seewarte auf das heutige Referat „Nautische Veröffent- 
lichungen“ im DHI über. Hier erschienen bisher als Ersatz der älteren Arbeiten das 
Handbuch für den Atlantischen Ozean in zwei Bänden (1952/54, ersetzt durch eine 
einbändige Neuauflage von 1980) und das Handbuch für den Indischen Ozean im 
Jahre 1962.
	        
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