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Full text: 125 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 1986

Ein Aufruf 
an die Herren Kabitäne des Deutfchen Seefchifahrt$tags 
und der deutfhen Handelsjlotte überhaupt, foivie an die 
Herren Volksvertreter, Freunde und Förderer deutfcher Seejhifahrt. 
Celtfpruch: Könnt iG Löwennüähnen fhütteln 
Mit dem Zorn und Mut der Jugend, 
IWie gewaltig wollt” Ich rütteln 
Un des Tages dinfTer Tugend! ' 
rnit Viorig UYrnde 
Mein dienftlihes Lebenswerk, die Herausgabe der deutfchen Seehandhbücher für die außerheimifchen 
Sewäjfer, freht in Gefahr, f{hwer gefhäbigt zu werden durch Lostrennung vom Seekartenwerk, Das 
bedeutet zugleich eine durchaus nicht gering zu fhügende Gefahr für die deutiche Handels[chiffahrt, alfo 
auch für die gefamte Reichswobhlfahrt! ; 
Deutfhe Seeämter haben bereit$ mehrfach das Urteil gefprochen, daß deutfche Handelsfchiffe 
vor Strandung hätten bewahrt werden können, wenn fie deutfche Seehandbücher ftatt fremder Blicher 
und Narten henugt hätten. Soweit mir zufällig befannt geworden, gilt das befonbers für die Berlufte 
ber Dampfer „Leros“ (bei den Tasquet® 1906), „Midgard“ (auf den Sorelles- Klippen 1907) und 
„Saronia“ (bei Almeria 1908). ; 
Die Herausgabe der Seehandbücher ift alfo eine öffentliche Angelegeuheit von beträchte 
lichem Gewicht, da von ihr zu einem nicht geringen Teil das Wohl und Wehe der deutfchen 
Secleute und Seefchiffe abhängt! ; 
Deshalb unterbreite ich die nachfolgenden AUusführungen dem fachkundigen Urteil des Deutfhen 
Seefchiffahrtstages und der wohlvollenden Fürforge unferer Volksvertreter mit der dringenden Birte 
a Förderung der michtigen Angelegenheit. Wir felbft if 
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Darum {fr es mir Gewifenspflidht, den Deutfhen Seefchifahrtstag, wie auch unjere DBowvo- 
gertretung auf diefe Gefahr ausdrücklich hinzumeifen und davor zu warnen, ohne ftichhultige fachliche 
Sründe die für Deutfehlands jegt verfümmerte Seefchiffahrt erft recht bitter nötige Bearbeitung 
heiter hydrographifcher Hilfsmittel für die deutfıhen Seefahrer (hädigen zu laffen. 
Die Zerfplitterung des hHydrographifhen Werks, nämlich die Trennung der Seebücher» 
arbeit vom Secefartenwerk und die Nückverlegung der Seebücherarbeit zur Scewarte wäre der 
verhängnigvolljte Rückjfhritt, der die wichtigfte Anforderung an Seekarten und Sechandbücher, 
ihre höchft erreichbare, auf das Gründlichite erarbeitete Zuverläffigkeit zum großen Schaden 
für die deutfhen Scefahrer auf das Empfindlichfte fhädigen muß! . 
Darf man da untätig dulden, daß die geplante Berfchlechterung in der Bearbeitungs- 
mweife der deutfchen Seehandbücher und Seekarten verhängnisvolle Gefahren für die deutfche 
Seceichifabrt heraurbeichwört? 
AUAlfo, meine Herren Napitäne des Deutfhen Seefchifahristags 
und der Ddeutfchen Handelsjilotte überhaupt, fowie meine Herren 
Bolfsverfreter, Freunde und Förderer Ddeuticher SeejhHifahrt, ich 
bitte Sie alle injtändig um Ihre fachliche Erwägung meiner Ber 
gründung und um Ihren wertvollen, unentbehrlidhen und tatfräftigen 
Schuß für unjere Seehandbüchet! 
Georg Wislicenus, 
Mdmiralitätdrat. 
Ausriß aus dem vierseitigen Flugblatt vom Karfreitag 1920 gegen die seinerzeit geplante, örtlich 
getrennte Bearbeitung der Seebücher und Seekarten
	        
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