Handbuch einige Sachbereiche herauszunehmen und sie gesondert zu veröffent-
jichen. Zu nennen ist hier zum Beispiel das tabellarisch aufgebaute Leuchtfeuerver-
zeichnis.
Trotz dieser Ausgliederung sind die in den neueren Seehandbüchern abzuhan-
delnden Themen noch vielfältig und umfangreich genug. Sie erläutern die lokalen
Klima-, Gezeiten- und Strömungsverhältnisse, geben Hinweise für die Wahl der
Schiffswege und beschreiben die Küsten, Ankerplätze und Häfen mit ihren navigato-
rischen Besonderheiten und — dies gilt vor allem für die jüngere Zeit — zu beachten-
den Schiffahrtsvorschriften. Ferner findet man Ratschläge für die Ansteuerung, die
die speziellen Schwierigkeiten und Eigentümlichkeiten der verschiedenen Gewässer
und Reviere berücksichtigen. Abbildungen auffälliger Landmarken und ausgesuchter
Küstenstrecken zur Erleichterung der terrestischen Navigation runden den Inhalt ab.
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Küstenansicht (Vertonung) des Westendes der in der Straße von Hormuz liegenden Insel Qeshm
in einem Seehandbuch. Strichzeichnungen haben gegenüber Fotografien den Vorteil, daß in
vielen Fällen das Charakteristische des Küstenbildes unabhängig vom Sonnenstand und dem
damit verbundenen unterschiedlichen Schattenwurf besser herausgearbeitet werden kann
Es muß betont werden, daß das Seehandbuch als Küsten- und Hafenbeschrei-
dung eine besondere Aufgabe zu erfüllen hat, die einen zusammenhängenden Text
erfordert: Die Schiffsführung benötigt neben der Karte eine Darstellung, die einen
Gesamtüberblick über alle Einzelangaben ermöglicht, d. h. ihr ein anschauliches
Bild vermittelt, mit welchen Besonderheiten an der anzusteuernden Küste zu rechnen
ist. Einzelheiten mit genauerer Auskunft sind gegebenenfalls in weiteren Veröffent-
lichungen enthalten, auf die verwiesen wird. Die Bedeutung des Seehandbuches liegt
also insbesondere in der ihm für die Reiseplanung zu entnehmenden Vorausinfor-
mation — vor allem dann, wenn das zu befahrende Gebiet dem Kapitän aus eigener
Erfahrung nur oberflächlich vertraut oder gänzlich unbekannt ist. Es unterscheidet
sich damit in seinem Zweck zum Beispiel vom Leuchtfeuerverzeichnis und vom
Nautischen Funkdienst, die in erster Linie als Hilfsmittel zur Beantwortung momen-
tan anstehender nautischer Fragen gebraucht werden.
Während in Großbritannien bereits im 18. Jahrhundert Seebücher von der Ad-
miralität herausgegeben wurden, begann der Aufbau des amtlichen deutschen See-
handbuchwerks erst mit der Gründung des preußischen Hydrographischen Bureaus
im Jahre 1861. Die Veröffentlichung der ersten Bücher ließ allerdings auf sich
warten, da man den Ehrgeiz hatte, die Seehandbücher nach eigenem Quellenmaterial
zu gestalten, anstatt nur einfache Übersetzungen fremdländischer Publikationen zu
liefern. Aus der allmählich anwachsenden Materialsammlung, die sich vornehmlich
aus Berichten von Kriegs- und Handelsschiffen und — an der deutschen Küste — aus
Mitteilungen der Hafenbehörden und Protokollen der Vermessungsfahrzeuge zusam-
mensetzte. entstanden dann ab 1878 die ersten geschlossenen Bücher für die Ostsee
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