accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 125 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 1986

Nautische Veröffentlichungen 
Kpt. Dipl.-Ing. Ulrich Schaefer 
Einleitung 
Für den Seemann an Bord wäre es im Rahmen seiner navigatorischen Aufgaben 
von großem Vorteil, wenn er alle für eine sichere Schiffsführung wichtigen nautisch- 
hydrographischen Gegebenheiten aus den Seekarten ersehen könnte. Aus Gründen 
der Übersichtlichkeit muß aber selbst in einer mehrfarbigen, großmaßstäbigen Karte 
der Umfang an Informationen begrenzt werden; auch entzieht sich vieles für den 
Seefahrer Wissenswerte einer zeichnerischen Darstellung. Die das Fassungsvermögen 
der Seekarte sprengenden, von dem Nautiker aber benötigten Angaben sind aus 
diesem Grund in den Seebüchern enthalten. 
Während die frühen Seekarten bis in das 18. Jahrhundert hinein lediglich Ergän- 
zungen der geschriebenen Segelanweisungen darstellten, bilden die neueren Karten 
zusammen mit den Seebüchern ein geschlossenes Informationssystem, das durch 
einen speziellen Nachrichtendienst laufend auf aktuellem Stand gehalten wird. Das 
amtliche Nachrichtenwesen und die Seebücher bezeichnet man zusammengenommen 
als „Nautische Veröffentlichungen‘“. 
Im folgenden werden die „Nautischen Veröffentlichungen“ einzeln aufgeführt 
ınd beschrieben. 
Das Seehandbuchwerk 
Die Seehandbücher sind diejenigen nautisch-hydrographischen Veröffentlichun- 
gen, deren historische Entwicklung am weitesten zurückreicht und. deren Wurzeln in 
den aus den Mittelmeerländern stammenden alten Seewegbeschreibungen für die 
küstennahe Schiffahrt zu suchen sind. Bereits für das 4. vorchristliche Jahrhundert 
lassen sich derartige tradierte Anweisungen belegen. Die Grundlage bildeten die 
Beobachtungsgabe und ein seit Generationen gewachsener Erfahrungsschatz der 
Seeleute. Wasserverfärbungen als Warnung vor Untiefen, markante Küstenpunkte 
und Distanzangaben nach Tagesreisen waren die wichtigsten Orientierungshilfen. 
Später machten das Lot zur Ermittlung der Wassertiefe und der Magnetkompaß für 
die Richtungsfindung genauere Angaben möglich. Die frühesten gedruckten Segelan- 
weisungen für die deutsche Küste findet man im „Niederdeutschen Seebuch“ aus 
dem 15. Jahrhundert; in diesem Werk wurden der Küstenverlauf, die Häfen, Entfer- 
nungen, Wassertiefen, Kurse, Landmarken usw. ausführlich beschrieben. Diese alten 
Segelanweisungen waren von zentraler Bedeutung für die Schiffsführung, da den 
damaligen Seekarten eine genau vermessene Küstenlinie noch fehlte und die vorgela- 
gerten Seegebiete nicht wirklichkeitsnah wiedergegeben wurden. Das änderte sich 
erst, als mit der Entwicklung von Präzisionsinstrumenten und exakten Vermessungs- 
verfahren in der Mitte des 18. Jahrhunderts die Zeit der auf mathematischer Grund- 
lage bearbeiteten Karten begann. 
Die vor der Mitte des vorigen Jahrhunderts von verschiedenen der Schiffahrt 
nahestehenden Persönlichkeiten privat herausgegebenen Segelanweisungen enthiel- 
ten noch zusammengefaßt alles, was in den Seekarten nicht darzustellen war. Im 
Laufe der Zeit machten es aber die Veränderungen im Seewesen nötig, aus dem
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.