Mit diesem Verfahren waren bei einer Wassertiefe bis 12 m pro Minute etwa 6 Tie-
fenmessungen möglich. Für Tiefen bis zu 200m wurden Handwinden mit einem
Meterrad, für größere Tiefen besondere Lotmaschinen eingesetzt. In diesen Fällen
mußte die Fahrt des Vermessungsschiffes gestoppt werden, damit der Lotdraht unge-
fähr lotrecht verlief und die gelotete Tiefe genügend genau erhalten wurde. Eine
Drahtlotung bis zu einer Tiefe von 3000 m dauerte etwa eine Stunde.
Kurz nach dem ersten Weltkrieg kam in Deutschland die Entwicklung des ersten
brauchbaren Echolots zum Abschluß. Ein verbessertes Echolot kam auf dem Ver-
messungsschiff „Meteor“ zum Einsatz, doch wurden neben den am Echolot abgelese-
nen Tiefen bei stilliegendem Schiff die kleine und die große Lucas-Lotmaschine
(mechanische Tiefenmessung mit Klaviersaitendraht) verwendet. Verfahren zur Auf-
zeichnung der mit dem Echolot gemessenen Wassertiefen auf einem Diagramm
wurden bereits vor dem zweiten Weltkrieg erprobt, doch erst 1951/52 kam nach
weiteren Verbesserungen diese neue Loteinrichtung auf dem Vermessungs- und
Forschungsschiff „Gauss“ erstmals zum Einsatz. Die hiermit gewonnenen Vermes-
sungsergebnisse waren so gut, daß in den Folgejahren alle Vermessungsschiffe des
DHI mit Echolotschreibern ausgerüstet wurden. Heute werden moderne Vermes-
sungsecholote eingesetzt, die mit Ultraschallfrequenzen von etwa 15 bzw. 200 kHz
arbeiten. Die Lotfolge beträgt etwa 10 pro Sekunde. Während der Fahrt des Schiffes
wird das Tiefenprofil auf Lotstreifen (Echogramm) registriert; die Tiefenwerte kön-
nen zusätzlich digital gespeichert werden.
Früher mußten sämtliche beobachteten Meßwerte einschließlich der von Hand
geloteten Wassertiefen handschriftlich notiert werden. Erst mit der Einführung auto-
mationsfähiger Methoden (Decca, Echolot) nach dem zweiten Weltkrieg wurde eine
automatisierte Datenerfassung möglich. Man begann Anfang der 70er Jahre nach der
Indienststellung der „Komet“, die digitalisierten Decca- bzw. Hi-Fix-Werte mit Hilfe
eines sogenannten „Punchlogs“ zusammen mit der Uhrzeit auf Lochstreifen zu regi-
strieren. Gleichzeitig wurde im Takt der Registrierung auf dem Echogramm eine
strichförmige Zeitmarke erzeugt, die zunächst durch Stempelung von Hand, später
durch automatische Beschriftung mit der Uhrzeit und den Hyperbelwerten des Funk-
ortungsempfängers versehen wurde. Nach der manuellen Beschickung der auf dem
Echogramm aufgezeichneten Wassertiefen auf Kartennull wurden die Echogramm-
tiefen mit einem halbautomatischen Auswertegerät digitalisiert:
Die weitere Datenverarbeitung geschah auf der Zentralen Rechenanlage des
DHI. Die Zuordnung der Positionen zu den Wassertiefen erfolgte über die registrier-
ten Zeiten. Nach einer Umformung und Aufbereitung wurde ein weiterer Lochstrei-
fen ausgegeben, der als Steuerstreifen für einen numerisch gesteuerten Zeichentisch
(Aristomat 8446) diente. Er enthielt die notwendigen Befehle zum Anfahren und
Markieren der Positionen in der Karte sowie zur Beschriftung und zum Schreiben der
Tiefenzahlen.
Heute werden die vom Syledis-Empfänger berechneten Gauß-Krüger-Koordina-
ten mit der Uhrzeit und — falls gewünscht — mit digitalen Wassertiefen auf Magnet-
bandkassetten gespeichert. In diesem Falle sind bis auf die Beschickung alle für die
Erzeugung von Arbeitskarten benötigten Meßwerte auf einem Datenträger vorhan-
den. Das Echogramm, das auch geschrieben wird, wenn digitale Tiefen registriert
werden, wird automatisch mit Zeiten und Koordinaten beschriftet. Es dient bei der
späteren Auswertung (Konstruktion von Tiefenlinien) zur Interpretation und Kon-
trolle. Sollte die Magnetbandkassette verlorengehen oder zerstört werden, können
alle benötigten Daten aus dem Echogramm rekonstruiert werden. In Gebieten mit
unebenem Meeresboden wird auf die Registrierung digitaler Tiefen verzichtet. Die in
der Arbeitskarte darzustellenden Tiefen werden wie früher durch halbautomatische
Digitalisierung des Echogramms gewonnen. Neu ist, daß die Beschickung der Tiefen
mit Hilfe eines Programms auf der Rechenanlage ausgeführt wird.