Auch VFS „Komet“ hat Messungen in außerheimischen Gewässern durchge-
führt:
- 1971 im Seegebiet nördlich Island
— 1972 im Mittelmeer, Alboransee
— 1975 südlich Island
und dabei 16447 sm insgesamt abgelaufen.
Entwicklung und gegenwärtiger Stand der Seevermessung
Unter Seevermessung versteht man die topographische Aufnahme des Meeres-
bodens und der Wattflächen und die Ortsbestimmung von ortsfesten Objekten auf
See über und unter Wasser. Da der Meeresboden im allgemeinen unsichtbar ist, läuft
das Vermessungsschiff vorher festgelegte Profile, die sogenannten Lotungslinien ab,
Hierbei werden ständig die Tiefen gemessen und in bestimmten vorgegebenen Zeitin-
tervallen mit Hilfe geeigneter Verfahren Ortsbestimmungen zur lagemäßigen Festle-
zung der geloteten Tiefen festgehalten. Zur Reduktion der gemessenen Wassertiefen
auf das „Kartennull“ (Gezeiten, Windstau) werden die Wasserstände an einem im
Vermessungsgebiet gelegenen Pegel registriert und die geloteten Tiefen entsprechend
Deschickt.
Die klassischen Methoden der Schiffsortbestimmung sind die aus der Landesver-
messung bekannten Einschneideverfahren, wobei die Doppelwinkelmessung mit dem
Sextanten (Rückwärtseinschnitt) besondere Bedeutung erlangt hat. Hierbei werden
vom fahrenden Schiff aus von zwei Beobachtern gleichzeitig in regelmäßigen Zeitab-
ständen die Winkel zwischen festen und nach Koordinaten bekannten Punkten an
Land (Kirchtürme, Leuchttürme, Schornsteine, Baken usw.) gemessen. Diese bereits
in den Anfängen der amtlichen Hydrographie gebräuchliche Methode wird auch
heute noch, wenn auch nur zu Kontrollzwecken, angewendet. Diese von den Sicht-
verhältnissen und den Entfernungen zu den Landobjekten abhängige Methode erfuhr
erst 1953 durch die Einführung des Decca-Funkortungsverfahren eine entscheidende
Wandlung.
Nach Erprobung und kurzzeitigem Einsatz des Hydrodist-Verfahrens im Jahre
1963, bei dem vom Schiff aus zu mindestens zwei festen Sendern an Land die
Entfernungen mit Hilfe elektromagnetischer Wellen gemessen werden und. der
Schiffsort durch Bogenschlag bestimmt wird, wurde ab 1964 das speziell für die
Seevermessung installierte Hi-Fix-Verfahren angewendet. Nach und nach wurden an
den Küsten der Nord- und Ostsee Senderketten eingerichtet, die nach dem Gebiet
ihrer Installierung benannt wurden: Sylt-, Eider-, Hamburger-, Jade-, Groninger und
Ostseekette. Später wurden im Seegebiet um Juist und in der westlichen Ostsee als
Nachfolgesystem für Hi-Fix zwei Hi-Fix/6-Ketten aufgebaut. Daneben wurden ab
1978 mobile Funkortungsgeräte des Typs Motorola Mini-Ranger III in solchen Gebie-
(en eingesetzt, in denen keine Bedeckung mit Hi-Fix vorhanden oder diese zu
ungenau war. Im Jahre 1981 beschlossen die maßgeblichen Behörden in der Bundes-
republik Deutschland und in den Niederlanden, die veralteten Hi-Fix-Ketten durch
eine gemeinsame Funkvermessungskette des französischen Systems Syledis B der
Firma Sercel zu ersetzen. Die Inbetriebnahme begann im Außenemsbereich im Jahre
1982; die Kette wurde 1983 bis Helgoland erweitert, und in den Jahren 1984/85
wurden Sender zur Bedeckung des nordfriesischen Küstengebietes installiert. Die
Ergänzung der Kette durch je einen Sender auf der dänischen Insel Rome und der
Forschungsplattform Nordsee soll noch im Jahre 1986 erfolgen.
Für die Messung der Wassertiefen bis zu 50 m stand früher nur das Handlot zur
Verfügung, wobei zwei Mann (Lotgäste) während der Fahrt abwechselnd loteten.