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Full text: 125 Jahre amtliche deutsche Hydrographie 1861 - 1986

Es war die Landesvermessung, die den Anstoß gab, nicht an den Küsten haltzu- 
machen, sondern die Vermessungen auch nach See hin fortzusetzen. Die vom Preußi- 
schen Generalstab 1833 bis 1839 betriebene Triangulierung Ostpreußens, Pommerns 
und Mecklenburgs ließ es als wünschenswert und praktisch erscheinen, gleichzeitig 
auch das Küstenvorfeld mit aufzunehmen. Mit der Leitung beauftragte das Preußi- 
sche Handelsministerium den Direktor der Seefahrtschule in Danzig, den Dänen von 
Bille, und den deutschen Kapitän M. Albrecht. Unter Verwendung der vom General- 
stab für die trigonometrischen Vermessungen an Küsten errichteten Signale führten 
Navigationsschüler und Steuerleute von 1833 bis 1838 Seevermessungen aus. Hierbei 
ruderten sie mit Booten 1,5 bis 3 km von der Küste auf vorher festgelegten Zickzack- 
routen auf die See hinaus; mit Hilfe von Spiegelsextanten‘ wurden die Schiffsorte 
durch Doppelwinkelmessung bestimmt. Man lotete mit Peilstangen und Schnurloten 
und nahm auch Bodenproben. Die Tiefen wurden in englischen Faden und Fuß 
gemessen. 
Die Meßergebnisse fanden zusammen mit dänischen und schwedischen Lotun- 
gen ihren Niederschlag in „Preussen’s See-Atlas“ von 1841, dem ersten von Deut- 
schen geschaffenen Seekartenwerk, das moderne wissenschaftliche Vermessungsme- 
thoden zur Grundlage hatte. 
An der deutschen Nordseeküste arbeitete man immer noch nach den veralteten 
Methoden, d. h. man entwarf von See aus unter Schätzung der Entfernungen und mit 
Hilfe von Kompaß und Lot schlecht und recht ein Bild des Küstenvorfeldes. Den 
Verlauf der Küste entnahm man meist älteren, oft ungenauen Landkarten mit häufig 
falschen Lageangaben der für die Peilungen auf See wichtigen Objekte. 
Hieran änderte sich zunächst auch dann nichts, als vom niederländischen 
„Departement van Marine“ im Zuge der Herstellung moderner Seekarten von der 
niederländischen Küste im Einverständnis mit dem Königreich Hannover die Ems- 
mündung zwischen Juist und Rottumeroog hydrographisch mit vermessen wurde. 
Die mit den Aufnahmen beauftragten Seeoffiziere S. Keuchenius und A. van Rhijn 
legten ihren Arbeiten die Triangulationsergebnisse Krayenhoffs aus den Jahren 1810 
und 1811 zugrunde und veröffentlichten 1833 die recht gute „Hydrographische Kaarl 
der Monden van de Eems“ zusammen mit einer ausführlichen Segelanweisung. Ähn- 
lich gute und moderne Karten der Westküste Schleswig-Holsteins einschließlich deı 
Elbe erschienen als Ergebnis der auf der trigonometrischen Landesvermessung Däne- 
marks aufbauenden hydrographischen Aufnahmen des dänischen Admirals Zahrt- 
mann in den Jahren 1840 und 1841. 
Erst einige Jahre danach begann man deutscherseits sich zögernd der modernen 
Entwicklung anzuschließen. So gab der Cuxhavener Lotsenkommandeur E. Abend- 
roth im Jahre 1846 in Anlehnung an die dänischen Vorbilder im Auftrage der 
Schiffahrts- und Hafendeputation Hamburg die erste deutsche, auf trigonometrischen 
Grundlagen aufbauende „Chart der Elbmündungen“ mit einer hierzu entworfenen 
Segelanweisung heraus. Alle vor dieser Zeit in der Nordsee durchgeführten hydrogra- 
phischen Aufnahmen hatten einer exakten Grundlage entbehrt und gegenüber den 
Arbeitsmethoden des Franzosen Beautemps-Beaupre einen kaum glaublichen Rück- 
schritt bedeutet. . 
Eine durchgreifende Änderung der mißlichen Situation an der deutschen Nord- 
seeküste trat erst ein, nachdem im Jahre 1854 Preußen seine Flottenbasis Wilhelms- 
haven gegründet hatte. Man erkannte den Bedarf an exakten, die ganze Deutsche 
Bucht bedeckenden modernen Seekarten, und die Preußische Admiralität beauf- 
tragte bereits im Jahre 1855 den hervorragenden Geodäten General Bayer mit den 
notwendigen trigonometrischen Vorarbeiten. Die hydrographischen Vermessungen. 
die sich über einen Zeitraum von drei Jahren erstreckten, wurden von dem Kapitän- 
Lieutenant H. Koehler geleitet. Die Ergebnisse sind in dem 1858/60 von der Admira- 
lität veröffentlichten „See-Atlas der Jade-, Weser- und Elbe-Mündungen“ enthalten.
	        
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