GOOS-Workshop: Kurzfassungen der Vorträge
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Entwicklungslinien ozeanographischer Dienste
Klaus Peter Koltermann
Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie, Hamburg
Mit einer vielseitigen und intensiveren Nutzung des Meeres wachsen die Anforderungen an
die Qualität von und den Zugang zu Informationen über seinen Ist-Zustand und dessen kurz-
bis mittelfristige Entwicklung. Diese Anforderungen werden als Dienstleistungen regelmäßig
und gleichförmig im Rahmen ozeanographischer Dienste zur Verfügung gestellt und
verbreitet. Als Voraussetzungen für diese Dienste muß gelten, daß sie zuverlässig,
kontinuierlich, schnell hergestellt und verbreitet sowie letztendlich bezahlbar sein müssen.
Bislang wurden die Produkte der Dienste als Meldungen, Warnungen oder Vorhersagen in
Form von Texten, Karten oder Diagrammen verbreitet. In den meisten Fällen basieren sie auf
Daten gleicher oder ähnlicher Qualität und Herkunft. Für Wasserstandsvorhersagen werden
Pegeldaten, für Eiskarten Schiffsbeobachtungen und Satellitendaten verwendet. Mit
zunehmender Automatisierung des Meßvorganges und dem Austausch von Daten über
Rechnemetze kommen unterschiedliche Datenströme zusammen, die zu Produkten verarbeitet
werden müssen. Neben Stations-, also Punktmessungen werden flächenhafte Messungen, etwa
von Satelliten, und Datenbasen mit historischen Daten verwendet. Mit den gleichzeitig
gewachsenen Rechnerkapazitäten lassen sich die Datenströme statistisch bearbeiten, ver
schiedene Datenströme unterschiedlich auswerten und über mathematische Modelle ver
knüpfen. Gleichzeitig spielen diese Modelle eine zunehmend wichtige Rolle bei der Kontrolle
der Datenqualität, da sie die Vorgeschichte der jeweiligen Information verwenden und so fal
sche Daten frühzeitig erkennen helfen. Außerdem erlauben sie umfangreiche Konsistenz- und
Plausibilitätskontrollen. Durch den Einsatz von Modellen und modernen Rechnern lassen sich
ozeanographische Produkte gleichförmiger und kundennäher herstellen. Die Wetterdienste
haben hier bereits weitreichende Konsequenzen zur Optimierung der "Datenflut" und der
Verbesserung und Standardisierung ihrer Produkte gezogen. Der Vortrag wird anhand von
einzelnen "Veredelungsschritten" untersuchen, wie die Entwicklung bislang gelaufen ist, und
wie sie sich bei gleichzeitig wachsenden Kostenzwängen und Kundenanforderungen ab
zeichnet.
Für eine Vielzahl von ozeanographischen Produkten wird so der Schritt von Karten und
simplen Statistiken über modellunterstützte Produkte zu intelligenten "Datenmaschinen" mit
einem umfangreichen prozeßnahen Gedächtnis geschehen. Diese werden helfen, die verfüg
baren Informationen breiter zu nutzen, den Ist-Zustand des Meeres schneller und anschauli
cher zu erfassen und die entsprechenden Produkte kundennah und ergebnisorientiert
herzu stellen.