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Meereskunde
dem Subtropenwirbel im zentralen Nordatlantik
um Bermuda andererseits. Während der Subpo
larwirbel durch Abkühlung und Veränderungen
des Salzgehalts durch Süßwasserzufuhr ther
mohalin angetrieben wird, treibt das großräu
mige Windfeld den Subtropenwirbel an. Diese
Antriebsmechanismen sind an unterschiedliche
Prozesse der atmosphärischen Zirkulation ge
koppelt und wirken sich wiederum unterschied
lich auf die Atmosphäre aus. Durch die Bestim
mung der Verteilungen von Temperatur, Salz
gehalt, ausgewählten Spurenstoffen und des
Geschwindigkeitsfelds im Ozean lassen sich die
Veränderungen des Austausches dieser Größen
zwischen Subpolar- und Subtropenwirbel be
stimmen und damit auch die Reaktion der ozea
nischen Zirkulation auf langfristige atmosphäri
sche Veränderungen.
1957 wurde im Internationalen Geophysika
lischen Jahr IGJ auf ca. 48° N erstmals eine
hydrographische Aufnahme über die volle Mee
restiefe gemacht. Sie wurde erst 1982 wie
derholt, und die damals beobachteten Verän
derungen konnten noch nicht in einen großräu
migen Zusammenhang gestellt werden.1993 hat
das BSH mit FS Gauß und im 1994 im Rahmen
von WOCE mit FS Meteor diesen hydrographi
schen Schnitt erneut bearbeitet. Damit erlaubt
dieser am weitesten zurückreichende Datensatz
eines vollständigen transozeanischen Schnittes
genaueren Einblick in die ozeanischen Zirkulati
onsveränderungen auf dekadischen Zeitskalen.
Es stellten sich für ozeanische Verhältnisse be
trächtliche Veränderungen besonders in großen
Tiefen heraus. Das in etwa 1400 m Tiefe erwar
tete Labradorsee-Wasser (LSW) befand sich
etwa 700 m tiefer in nunmehr 2100 m Tiefe und
war um 0,4 °C kälter als erwartet, bei nur gering
fügig veränderten Salzgehalten. Die Temperatu
ren und die Tiefenlage des LSW-Kerns für die
Jahre 1982, 1993 und 1994 sind in Abb. 17 ge
gen die westliche Länge aufgetragen. Herausra
gend sind für 1982 (Hudson 82) zwischen 3,5
und 3,8° C schwankende Temperaturen des
LSW-Kerns auf dem ganzen Schnitt. Seit 1993
sind die Kerntemperaturen des LSW westlich um
mehr als 0,4° C niedriger. Deutlich zeichnet sich
der Mittelatlantische Rücken auf ca. 27° W ab:
im Osten sind die räumlichen Schwankungen
geringer als westlich des Mittelatlantischen
Rückens im Nordamerikanischen Becken. Dort
zeigt sich der Einfluß des Mittelatlantischen
Rückens besonders deutlich in der veränderten
Tiefenlage des Kerns des LSW (Abb. 18). Für
sein Produktionsgebiet war bereits in der zwei
ten Hälfte der 80er Jahre nach langer Zeit der
Stagnation eine wesentlich erhöhte winterliche
Produktion mit niedrigeren Temperaturen beob
achtet worden. Verantwortlich wird dafür die ver
stärkte Ausprägung des Grönland-Hochs ge
macht. Es steuert kalte arktische Luft aus
Kanada in die Labrador-See und führt zu ver
stärkter Abkühlung. Das dadurch neugebildete
LSW war 1993 markant in das westliche Becken
des Nordatlantiks vorgestoßen. Bei der Auf
nahme mit FS Meteor im Spätherbst 1994 wurde
diese Abkühlung bestätigt. Jetzt war das neuge
bildete LSW mit einer weiteren Abkühlung um
0,1° C innerhalb von 14 Monaten massiv weiter
in das östliche Becken fast bis zum europäi
schen Schelf vorgedrungen.