Seegangsvorhersage
Gemeinsam mit dem Deutschen Wetter
dienst (DWD) wurde 1991 der Seegangsvorher
sagedienst eingerichtet. Ein numerisches Modell
berechnet täglich zweimal aus den Windprogno
sen der atmosphärischen Modelle des DWD
Seegangsvorhersagen. Der Vorhersagezeitraum
beträgt 7 Tage für den Nordatlantik und jeweils
3 Tage für das europäische Schelfgebiet und die
Ostsee. Die berechneten Wellenhöhen, -Peri
oden und -ausbreitungsrichtungen werden vom
Seewetteramt (SWA) über Funk an die Schiffahrt
in den Seewetterberichten und in Form einer 60-
Stunden-Vorhersagekarte für den Nordatlantik
verbreitet. Die Seegangsvorhersage bildet auch
die Grundlage der Routenberatung durch das
SWA.
Die Ergebnisse der Seegangsberechnung
werden laufend mit Messungen an verschiede
nen Positionen verglichen. Die Modellverifizie
rung und gegebenenfalls erforderliche Verbes
serung des Modells ist die Aufgabe des BSH.
Ein statistischer Vergleich ergibt, daß die
Wellenhöhen durch das Modell im Mittel um
30 cm überschätzt wurden. Diese Abweichung
wurde durch eine nicht optimale Anpassung
zwischen dem antreibenden meteorologischen
Modell und dem Seegangsmodell verursacht.
Seit Ende 1995 wird deshalb eine verbesserte
Methode zur Berechnung der Windgeschwin
digkeit angewandt, so daß eine weitere Verringe
rung der Abweichung Modellrechnung - Mes
sung zu erwarten ist.
Dienste
Die Modellergebnisse werden beim BSFI
archiviert. Diese Daten werden benötigt für stati
stische Analysen typischer und extremer See
gangsverhältnisse, Untersuchungen für Bau
maßnahmen im Küstengebiet, Seeunfallunter
suchungen sowie für Forschungszwecke.
Operationelle Modelle
Das BSH betreibt seit Anfang der 80er
Jahre ein Vorhersagemodellsystem der Nord-
und Ostsee. Mit dem hydrodynamisch-numeri
schen Strömungsmodell werden Strömung,
Wasserstand, Wassertemperatur, Salzgehalt
und Eisbedeckung berechnet. Die zweite Sy
stemkomponente ist ein numerisches Ausbrei
tungsmodell, das Aussagen zur Verdriftung von
Chemikalien oder Gegenständen im Meer er
möglicht.
Die Ostsee ist von der Nordsee - aus mee
resphysikalischer Sicht - grundverschieden. In
der Ostsee sind der Salzgehalt und die Tempe
ratur für die langfristige Zirkulation bestimmend,
in der Nordsee sind Gezeiten- und Windeffekte
dominierend. Dennoch ist es notwendig, beide
Seegebiete als Verbundsystem zu modellieren,
da man nur so den Wasseraustausch zwischen
Nord- und Ostsee über die Belte und den Sund
erfaßt.
Das Modell erhält täglich Eingabedaten -
Wind, Luftdruck, Lufttemperatur, spezifische
Feuchte und Gesamtbewölkung - vom Europa
modell des Deutschen Wetterdienstes aus Of
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