Meereskunde
2. die Veränderung der Kontamination der Nord
see durch die Einleitungen von den euro
päischen Wiederaufarbeitungsanlagen in La
Hague (Frankreich), Dounreay und Sellafield
(beide Großbritannien) und
3. die Kontamination der Ostsee, überwiegend
durch den Reaktorunfall von Tschernobyl im
Jahre 1986 verursacht,
zu verfolgen.
Die Untersuchungen konzentrierten sich
dabei auf die Nuklide Cäsium-134 (Halbwertszeit
T = 2,05 a), Cäsium-137 (T = 30 a), Strontium-
90 (T = 29 a), Tritium (T = 12 a), Plutonium-239,
-240 (T = 24 000 bzw. 6500 a), Plutonium-238
(T = 88 a) und Americium-241 (T = 433 a) als
Leitnuklide zur Verfolgung der Kontamination
des Meeres (Abb. 1).
Die Verteilung künstlicher Radionuklide
wurde durch Wasserprobenentnahme im Kanal,
in der südlichen Nordsee, den Gewässern öst
lich und nördlich Schottlands, dem Skagerrak,
dem Kattegat und der westlichen Ostsee unter
sucht. Diese Strategie ermöglicht das frühzeitige
Erkennen der Verdriftung von radioaktiven Sub
stanzen in den deutschen Küstenbereich durch
Meeresströmungen. In der Nordsee lagen die
Konzentrationen der künstlichen Radioaktivität
für fast alle Bereiche sehr niedrig, da die Wieder
aufbereitungsanlagen (WAA) Sellafield an der
Irischen See und La Hague am Kanal die Einlei
tungen in den letzten Jahren stark reduziert
haben. Im Wasser der Nordsee konnte die Kon
tamination mit Cäsium-137 infolge des Reaktor
unfalls von Tschernobyl in diesem Jahr nur noch
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im Bereich des Skagerraks durch den Ausstrom
aus der Ostsee erkannt werden.
Die Zeitreihen an den Positionen der ehe
maligen Feuerschiffe Borkumriff und Elbe 1
wurden durch monatliche Wasserprobenent
nahme fortgesetzt und auf ihren Gehalt an Cä
sium-137 und Strontium-90, den im Meerwasser
radiologisch wichtigsten Leitnukliden, unter
sucht. Für Cäsium-137 wurden hierbei im Jahr
1995 Aktivitätskonzentrationen zwischen 4,9
und 9,4 Bq/m 3 und für Strontium 90 zwischen 5,6
und 8,5 Bq/m 3 bestimmt. Bemerkenswert ist der
stetig abnehmende Verlauf der Aktivitätskonzen
trationen dieser Nuklide seit dem Jahr 1988.
Die Überwachung auf Transuranelemente
zeigt, daß die im Wasser der Nordsee auftreten
den Konzentrationen nicht mehr nur von den
Einleitungen der WAA bestimmt werden. Die
Zeitreihe seit 1988 in der Deutschen Bucht
(Abb. 2) zeigt für die Nuklide Plutonium-239, -240
und Americium-241 stark schwankende und in
der Tendenz eher ansteigende Meßwerte. Der
gleiche Sachverhalt gilt auch für die Konzentra
tion von Plutonium-239, -240 in den Gewässern
um Schottland und vor der englischen Ostküste
im Jahr 1994. Hier wurden die seit Jahren höch
sten Konzentrationen für diese Seegebiete (bis
zu 130 mBq/m 3 ) gemessen. Da die Einleitungen
der WAA auch bei diesen Nukliden zurückge
gangen sind, kann vermutet werden, daß resus-
pendiertes Sediment die Ursache hierfür ist. Be
sonders das Sediment der Irischen See birgt ein
großes Inventar an Transuranelementen, das
noch auf Jahre für eine deutliche Kontamination
der Nordsee sorgen wird.