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Full text : Jahresbericht 1995

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte.  51.  Bd.  Nr.  4.

Maßnahme  zu  betrachten,  um  eine  übermäßige  Ausdehnung  in  dieser  Richtung  zu  vermeiden 1 .  Desgleichen  ist
das  Auftreten  einer  Pollinie  rein  zufällig  und  keinesfalls  so  grundlegend  zur  besseren  Verteilung  der  polwärts
auftretenden  Verzerrungen  wie  später  bei  Eckert  angenommen.  Die  nächstliegende  Begrenzung  der  die  Meridiane
darstellenden  Kreisbogen  ist  eben  ihre  gemeinsame  Tangente.  Apian  hat  ja  diese  auch  gar  nicht  ausgezogen.
Die  zweite  Projektion  von  Apianus
Dieses  erste  Netz  von  Apian  ist  später  in  Vergessenheit  geraten.  Die  zweite  Projektion  von  Apian  hat  elliptische
Meridiane.  Der  Hauptmeridian  und  der  Äquator  sind  längentreu  geteilt.  Die  Meridiane  sind  Ellipsen,  die  im  Pol
zusammenlaufen  und  die  Parallelkreise  in  gleiche  Teile  teilen.  Diese  Projektion  ist  zum  erstenmal  von  Arago  in
seiner  „Astronomie  populaire“  angewendet  worden.
Die  Projektion  von  Glareanus  1527
Es  folgt  zeitlich  die  Abbildung  von  Loritz  (Glareanus)  1527.  Die  Meridiane  sind  denen  der  ersten  Apianischen
Projektion  gleich.  Die  Parallelkreise  sind  zum  Äquator  parallele  Gerade,  die  durch  die  Teilpunkte  des  in  gleiche
Teile  geteilten  Grenzmeridians  gezogen  sind 2 .  Angaben,  ob  diese  Projektion  einmal  benutzt  worden  ist,  finden  sich
in  der  Literatur  nicht.

Die  Projektion  von  Fournier  1643
Aus  diesem  Netz  von  Loritz  könnte  das  eine  hierher  gehörige  Netz  von  Fournier,  1643,  entwickelt  sein 3 ,  das
dieser  in  seiner  Hydrographie  in  Vorschlag  brachte.  Beibehalten  ist  hier  für  die  Halbkugel  der  kreisförmige  Grenzmeridian. ­
  Der  Halbmesser  dieses  Grenzmeridians  ist  mit  angenommen.  Äquator  und  Hauptmeridian  sind  also
nicht  längentreu,  sondern  kleiner  als  ihre  wahre  Länge.
Es  muß  hier  auf  einen  kleinen  Irrtum  bei  Gretschel  hingewiesen  werden 4 .  Gretschel  nimmt  an,  daß  bei  der  zweiten
Apianischen  Projektion  der  Grenzmeridian  in  gleiche  Teile  geteilt  sei,  daß  also  die  Abszissen  der  Parallelkreise
bei  Apian  II.  x  =  sin  <p  seien,  und  daß  demnach  die  Fourniersche  Projektion  im  wesentlichen  mit  der  Apianischen
übereinstimme.  Bei  Apian  sind  jedoch  die  Parallelkreisabstände  untereinander  gleich  und  haben  demnach  die
Abszisse  x  =  cp.  5
Der  Grenzmeridian  bei  Fournier  ist  also  wie  bei  Loritz  in  gleiche  Teile  geteilt.  Durch  diese  Teilpunkte  sind
Parallelen  zum  Äquator  gezogen.  Die  Parallelkreise  ihrerseits  sind  auch  in  gleiche  Teile  geteilt.  Die  Verbindungen
der  entsprechenden  Teilpunkte  liefern  die  Bilder  der  Meridiane,  die  so  Ellipsen  werden.  Man  kann  das  Netz  auf  die
ganze  Erde  ausdehnen  und  erhält  so  den  Grenzmeridian  als  Ellipse  mit  dem  Äquator  als  große  Achse  und  dem  Hauptmeridian ­
  als  kleine.  Dadurch  bekommt  das  Netz  eine  gewisse  Ähnlichkeit  mit  dem  später  noch  zu  behandelnden
Netz  von  Moll  weide.
Darüber,  ob  dieses  Netz  einmal  angewendet  worden  ist,  läßt  sich  nichts  in  Erfahrung  bringen.  Wahrscheinlich
hat  das  Netz  ebensowenig  wie  sein  Vorläufer,  das  Netz  von  Loritz,  Eingang  in  der  Praxis  gefunden.  Dies  hat  vielleicht ­
  seinen  Grund  darin,  daß  das  Netz  keinerlei  markante  Eigenschaften  hat.  Es  ist  nicht  flächentreu,  denn  die
Abnahme  der  Parallelkreisabstände  zu  den  Polen  hin  hat  keinerlei  mathematische  Bedeutung.  Wenn  man  schon
ein  nicht  flächentreues  Netz  anwenden  wollte,  dann  tat  das  abstandstreue  zweite  Netz  von  Apianus  bessere  Dienste.
Die  Mercator-Sanson-Projektion  1606
Von  weitaus  größerer  Bedeutung  als  die  vorigen  sollte  ein  auch  noch  heute  in  unseren  Atlanten  häufig  Angewendetes ­
  Netz  werden,  das  flächentreue  und  zugleich  abstandstreue,  unechtzylindrische  Netz  von  Mercator.  Steht
auch  die  Bedeutung  dieser  Projektion  neben  der  anderen  nach  Mercator  benannten  Projektion,  der  winkeltreuen
1  D’Avezac,  8.  54.  „L’échelle  des  longitudes  est  expressément  d’un  tiers  moindre  que  celle  des  latitudes,  de  peur  d’une  extension
démesurée  du  cadre  dans  le  sens  d’est  en  ouest;  mais  c’était  la  une  considération,  purement  accidentelle,  qui  ne  devait  entraver
aucunement  le  retour  ultérieur  à  l’uniformité  d’échelle.“
2  Hcnrici  Glareani  poetae  laureati  de  geographia  liber  unus.  1524,  Kap.  X,  S.  12.
3  Das  zweite  Netz  von  Fournier  ist  keine  unechtzylindrische  Form.
4  Gretschel,  S.  255  oben.
5  Der  Text  bei  Gretschel  lautet:  „Wenn  man  wie  Glareanus  die  beiden  Meridiane  von  90°  östl.  und  westl.  Länge  durch  einen
Kreis  und  die  Parallelkreise  durch  parallele  Sehnen  darstellt,  die  jenen  in  gleiche  Teile  teilen,  dann  aber  weiter  annimmt,  daß
nicht  bloß  der  Äquator,  sondern  die  sämtlichen  Parallelen  durch  die  Meridiane  in  gleiche  Teile  geteilt  werden,  so  erhält  man  eine
Projektion,  die  „Arogo“  in  seiner  „Astronomie  populaire“  für  die  Erdhalbkugel  anwendet,
            
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