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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Perlewitz, P.: Über Wettervorhersage usw 
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Nützlicher ist das Auge, das die Natur zu beobachten gelernt hat. Doch 
muß sich der Meteorologe meines Erachtens hüten, zu viel Gewicht auf die 
Himmelsschau (S. 49) !), auch Mondhof usw., für seine Vorhersage auf 24—36 Stunden 
zu legen. Denn die Vorhersage, die ohne örtliche Naturbeobachtung vom Meteoro- 
logen im Zimmer oder nachts gemacht wird, ist an sich nicht schwieriger als 
im Freien. Sie wird nur dadurch erschwert, daß der Meteorologe sich erst aus 
den vorliegenden Beobachtungen ein Bild vom augenblicklichen Wetter und den 
Änderungen am Ort machen muß, was er tags durch die eigene Beobachtung 
und Erfahrung mühelos in sich aufgenommen hat. Dies ist mit ein Grund, der 
für die Dezentralisierung des Wetterdienstes spricht, worauf wir noch eingehen 
werden. Im übrigen sieht der Meteorologe durch das Fernrohr seiner Wetter- 
karte weiter als bis zum Himmel wie der Naturprognostiker, der Landmann. 
Gewiß können wir von Land- und Seeleuten Himmelsschauprognose lernen; diese 
gilt aber meist nur für einige Stunden, und dieses Lernen darf dann nicht auf 
Kosten unserer synoptischen 30stündigen Prognose geschehen. Wären die Meteoro- 
logen so gute Himmelsschauprognostiker wie die See- und Landleute, so würden 
sie sich vielleicht durch die Himmelsschau beeinflussen lassen, Sehen sie einige 
Stunden später wieder zum Himmel, so bereuen sie diese lokale Beeinflussung 
vielleicht schon. 
Kosmische Einflüsse auf die Wettervorhersage, abgesehen von denen der 
Sonne, werden von den Meteorologen zwar nicht geleugnet (z. B. Mond), sind 
aber so gering, daß sie für die Vorhersage unverwendbar sind. 
Volkswetterregeln haben meist einen Kern Wahrheit in sich, Schmauß 
spricht sich auf Seite 47 abfälliger darüber aus als auf Seite 26. Ein Teil der 
Regeln sagt uns wenig, ein anderer Teil mehr; diejenigen, die nichts taugen, 
werden wenig angewandt; mitunter werden sie auch falsch angewandt; z, B. 
bedeuten die Äquinoktionalstürme nicht die stärksten Stürme, sondern nur An- 
fang und Ende der winterlichen Sturmzeit, also charakteristische Zeitmarken, 
Den Irrglauben an falsche Volksregeln, z. B. den angeblichen Mondeinfluß 
aufs Wetter, weist Schmauß überzeugend nach. Der Zufall und das einseitige 
Gedächtnis des Menschen (man behält nur, was man möchte) sind dabei aus- 
schlaggebend. Ob es wirklich heut öfter vorkommt, daß Landleute z. B. die 
Bestellung ihres Feldes unterlassen, nur weil ihnen die Mondphase nicht paßt, 
während sonst alles günstig ist, möchte ich bezweifeln. Die Bauern handeln heut 
doch anders und schlauer, als ihnen ihr Aberglaube vorschreibt. 
Der Unsinn vom 100jährigen Wetterkalender ist keine Volksregel, sondern 
die Reklame eines Kalenderherausgebers gewesen, viele sprachen es nach, weil 
es gedruckt war und interessant erschien. 
Volksregeln sind nach Schmauß (S. 28) nur Regeln, keine Gesetze und 
für die Vorhersage kaum verwendbar. Ich glaube, daß sie wie andere Regeln 
mit Vorsicht verwendbar sind und bewußt oder unbewußt verwertet werden; 
zur Prognose benutzt man im übrigen fast nur Regeln und nicht Gesetze. 
Die wichtigsten technischen Hilfsmittel für die Vorhersage sind Telegraphie 
und Wetterkarten. Es ist meines Erachtens aber nicht notwendig, daß der 
Meteorologe selbst die Karte zeichnet; genaue Durchsicht und scharfe Über- 
legung sind ausschlaggebend. 
Wenn Schmauß (S. 36) sagt, daß es bei Beurteilung der Wetterlage nicht 
auf die absoluten Barometerstände ankommt, sondern nur auf die relativen, so 
gilt dies nicht uneingeschränkt; denn die Wetterlage und Vorhersage ist gewiß 
eine andere, ob wir bei gleicher Isobarenlage Isobaren von 780 bis 750 oder 
solche von 760 bis 780 haben. Ein Hoch von 775 z. B. über Nordosteuropa ge- 
stattet oft die fast sichere Voraussage auf mehrere Tage, ein solches von 755 
daselbst hält sich kaum bis zum nächsten Tag. 
Mit Schmauß (8. 36 und 48) bin ich der Ansicht, daß man nicht von einer 
Zentrale aus die Vorhersage für die etwa 10 geographischen Einheitsgebiete in 
1) Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die Seiten in Schmauß’ Buch, auf denen die ent- 
sprechenden Stellen behandelt sind.
	        
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