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Full text: 51, 1932

Lorenz Steiner : Die sozialwirtsehaftl. Aufgaben u. Leistungen d. Deutsdi. öffentl. Wetterdienstes 13 
aus hervor, daß z. B. um 8h die Beobachter in ganz Europa und auf dem Atlantischen Ozean noch die Beob 
achtungen anstellen, daß das Sammeln der Telegramme in den Ländern und ihre Wiederverbreitung eine ge 
raume Zeit beansprucht, daß die kartenmäßige Verarbeitung der Meldungen, wie die diagnostische und pro 
gnostische Arbeit geleistet werden muß und daß bereits um 10h, also 2 Stunden später, die gedruckten Wetter 
übersichten und Vorhersagen der Allgemeinheit zugehen können. 
2 b) Um die Übermittelung der Beobachtungsergebnisse an die Öffentlichkeit und alle sie benötigenden 
Kreise unserer Wirtschaft beschleunigt durchzuführen, hat der öffentliche Wetterdienst alle nur denkbaren 
Mittel in seine Dienste gespannt: Fahrrad, Auto, Eisenbahn, Schiffe,Rohrpost, Kabel,Fernsprecher,Telegraph, 
Funkentelegraphie, Flugzeug, Presse und — last not least — den Rundfunk. 
Daß die deutsche Presse volles Verständnis für den hohen volkswirtsckaftlichenWert einer schnellen Über 
mittelung von Wetternachrichten an die breite Öffentlichkeit gezeigt hat, beweisen die vielen Abonnements 
der sogenannten „Zeitungswetterkarte“. 
Die Wetterdienststellen haben in den letzten Jahren einen zum Teil sehr ausgedehnten Zeitungswetter 
dienst eingerichtet. So liefert z. B. die W etterclienststelle Hamburg mit ihrer Zweigstelle Hannover heute an den 
weitaus größten Teil aller Zeitungen in Nord- Mittel- und Westdeutschland Wetterkarten. Der Dienst vollzieht 
sich in der Weise, daß von Klischeefabriken Matern hergestellt werden, die sofort nach der Herstellung mit den 
schnellsten Zügen an die Zeitungen zum Versand kommen. Dadurch werden täglich Millionen von Menschen, 
die sonst kaum eine Wetterkarte zu Gesicht bekommen würden, mit dieser vertraut gemacht und in das Ver 
ständnis dieser Karte eingeführt. 
Die ideale, gerade für weiteste Volksschichten bestimmte Form der Verbreitung der Wetternachrichten ist 
der Rundfunk. Wie unentbehrlich diese Einrichtung heute für den praktischen Wetterdienst ist, zeigt die große 
Anzahl der durch Rundf unk von den verschiedensten Kreisen angeforderten Wetterangaben, die laut Umfragen 
die begehrtesten Rundfunknachrichten sind 15 ). 
Seitens des Norddeutschen Rundfunksenders (Norag) z. B. werden z. Zt. täglich viermal — erste Meldung 
5 50 morgens — Wettermeldungen für das Binnenland und zweimal täglich solche für das Küstengebiet der 
Nord- und Ostsee verbreitet, sodaß also die auf den allerneuesten Meldungen beruhenden Wetternachrichten 
nur kurze Zeit später bereits ihrem gesamten Hörerkreise zugänglich gemacht werden. Diese Nachrichten er 
gänzen das durch die Zeitungswetterkarte und durch die gewöhnliche Wettei karte verbreitete Material über 
die Wetterlage auf den unmittelbar neuesten Stand. Aus der Zusammenstellung: Zeitungswetterkarte bezw. 
Wetterkarte des öffentlichen Wetterdienstes und Rundfunknachrichten kann jeder Leser, der zugleich Hörer 
des Rundfunks ist, das Bild der Wetterlage in sehr hohem Grade vervollständigen und dadurch eine ganz 
hervorragende Ausnutzung des Wetterdienstes für seine wirtschaftlichen und sonstigen Zwecke erreichen. 
5) Durch Rundfunk und Presse macht also der öffentliche Wetterdienst die größten Anstrengungen, sich 
dem Wirtschaftsleben in der Abwendung von W r itterungsschäden nutzbar zu erweisen. Dabei muß aber immer 
wieder betont werden, daß derjenige, der nur die Wettervorhersage liest oder hört, sich des weitaus größten 
Teils des Nutzens begibt, den er bei Verständnis der Wetterlage und der Wetterkarte — dieses „Bulletins der 
Wetterlage“ 16 ) haben könnte. Die öffentliche Wettervorhersage kann örtlich nicht so eng begrenzt werden, 
daß sie bei der stark veränderlichen Witterung unserer Breiten überall zutrifft. Die Witterung ist nidit nur 
örtlich sehr verschieden, sondern wirkt sich in ihren einzelnen Elementen auch verschieden auf die einzelnen 
Teile unseres W irtschaftslebens aus. Die allgemeine Vorhersage muß daher die Witterung so darstellen, wie 
sie in einem größeren Gebiet sich auswirkt und die vor aussichtlichen Witterungsvorgänge hervorheben, die für 
das Wirtschaftsleben im allgemeinen von Bedeutung sind. Daraus ergibt sich, daß diejenigen, die nur an 
der Witterung ihres Wohnortes oder räumlich relativ kleiner Bezirke interessiert sind, sich mit der besonderen 
Wetterlage vertraut machen und die Wetterkarte darnach auszuwerten lernen müssen. Der Benutzer muß Ba 
rometer und Wind mit der Karte und Vorhersage selbst vergleichen und verfolgen. Erst das Verständnis zwi 
schen eigener Beobachtung, Karte und Vorhersage gibt clerWettervorhersage und ihrem Benutzer vollen prak 
tischen Wert. Dieses Verständnis, den Errungenschaften einer praktischen Wissenschaft entgegengebracht, ge 
paart mit der Kenntnis der Tatsache, daß die Methode der Wettervorhersage auf Regeln auf gebaut ist und 
nicht auf Gesetzen, werden Witzeleien über „Fehlprognosen“ gar bald verstummen lassen. Denn „Regeln 
drücken nur eine Wahrscheinlichkeit aus, keine absolute Sicherheit. Die Treffsicherheit der Wettervorher 
sage muß hierdurch einer gewissen Beschränkung unterliegen, deren Ausmaß von der mehr oder weniger 
großen Vollständigkeit des aus dem induktiven Verfahren gewonnenen und in den Wetterregeln enthaltenen * 19 
15 ) Perlewitz: Wetter und Mensch. Leipzig 1929. Seite 184. 
19 ) Sdimauß: a. a. O., Schlußwort.
	        
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