Die Witterung an der deutschen Küste im ‚Oktober 1905.
; 577
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Windrichtung, Zahl der Beobachtungen (je 3 am Tage) *stärke(Beaufort)
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Der hervorstechendste Charakterzug der Witterung an der deutschen
Küste während des diesjährigen Monats Oktober besteht in einer außerordentlich
großen Niederschlagsmenge, die zudem enorme Unterschiede in ihrer örtlichen
Verteilung aufweist. An einzelnen Stellen betrug dieselbe über 100 mm mehr,
als in diesem Monat nach den langjährigen Beobachtungen zu erwarten war;
andere dagegen, und zwar z. T. ganz nah benachbarte, hatten zu wenig Regen,
Während die Bewölkungsverhältnisse im großen und ganzen nahezu normale
waren, blieb der.Luftdruck, besonders im östlichen Küstengebiet, ziemlich
bedeutend unter dem Normalwert des Oktober und bietet noch insofern
besonderes Interesse, als in Richtung von Westen nach Osten eine fast völlig
gleichmäßige Abstufung in seiner Höhe hervortritt. Namentlich im Osten
herrschten oftmals steife und stürmische Winde, doch blieb die Wind-
geschwindigkeit, soweit Registrierungen vorliegen, durchschnittlich etwas unter
dem Normalbetrage, Die Mitteltemperatur war an der ganzen Küste um 2 bis
3 Grad zu tief und die Winde wehten vorwiegend aus westlichen Richtungen.
Die Morgentemperaturen und noch mehr die Abendtemperaturen erreichten
fast an der ganzen Küste die Höhe des normalen mittleren Tagesmittels :des
Monats Oktober; die Abweichungen betrugen an keiner Beobachtungsstelle
mehr als einige .Zehntel Grad. Tagsüber war ‚es jedoch fast überall und
während des größten Teils des Monats wesentlich zu kalt. Infolgedessen be-
saßen auch die Extreme der Temperaturen nicht den Grad der gewöhnlichen
Schwankungen. Die Maximaltemperaturen des. ganzen Monats zeigten längs
der Küste durchweg .nur geringe Unterschiede, Nur Keitum hebt sich mit
einem Werte von 14.7° von den übrigen Beobachtungsstationen ab, an denen
die höchsten Temperaturen im Durchschnitt zwischen 12 und 13 Grad lagen,
Die kleinste Schwankung der Temperatur im Monat Oktober zeigte Borkum
mit 11.3°.
; Was die interdiurne Veränderlichkeit der Temperatur betrifft, welche für
die drei. Beobachtungstermine, ohne. Rücksicht auf die Vorzeichen der Ände-
rungen, also nur dem absoluten Werte nach, berechnet sind, so schwankten
diese Werte mit ihren größten Beträgen. nur zwischen 1.8° (Kiel) und 1.3°
(Wustrow) und erreichten diese vorwiegend am Morgen. — Im Zusammenhang
mit dem im allgemeinen zu kalten Wetter steht das verschiedentliche Auf-
treten von Frost. Hierin steht Hamburg an der Spitze, wo die Temperatur
6mal im Verlaufe des Monats unter den Gefrierpunkt sank. Ganz verschont
von Frost blieben nur Borkum und Swinemünde.,
Nächst den Temperaturen sind die Niederschlagsverhältnisse im Monat
Oktober von ‚größerem Interesse. Sowohl hinsichtlich der Mengen, welche
gemessen wurden, als auch bezüglich der örtlichen Verteilung derselben zeigen
sich Unterschiede, wie solche kaum jemals zuvor beobachtet wurden. Besonders
treten Wilhelmshaven und Swinemünde hervor. An letzterer Station wurde
mit 197 mm gerade die dreifache Menge gemessen wie sonst gewöhnlich im
Monat Oktober, ein Betrag, dem auch Wilhelmshaven mit 207 mm nahe kam.