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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1906. 
schnell aufeinanderfolgende kleinere Erschütterungen des Körpers die physio- 
logischen Einwirkungen der starken Bewegungen des Schiffes, des Stampfens 
und des Schlingerns, zu schwächen oder aufzuheben, ist von den beiden 
Direktoren der Elektrizitäts-Gesellschaft »Sanitas« zu Berlin in der Konstruktion 
eines Vibrationsstuhles zu weiterer Ausführung gebracht worden. Bei der diesen 
Stuhl benutzenden Person sollen durch feine und zahlreiche aufwärtsstrebende 
Vibrationsschläge die langen abwärtsgehenden Bewegungen des Schiffes, die 
bekanntlich besonders die Seekrankheit hervorrufen, paralysiert und dadurch 
der Ausbruch der Seekrankheit verhindert werden. Nach der Einführung des 
Vibrationsstuhles auf einigen Dampfern hat sich die Richtigkeit dieses Prinzips 
ergeben; bei einigen Passagieren war die Wirkung des Stuhles sogar eine 
solche, daß nach dem Verlassen desselben kein weiterer Anfall von See- 
krankheit sich einzustellen drohte. Die Vibrationen werden durch einen 
kleinen Elektromotor dem mit Rücken- und Armlehnen versehenen und auf 
Federn ruhenden Stuhlsitze erteilt. Der Elektromotor kann an die auf 
Passagierdampfern befindliche Lichtleitung angeschlossen werden. 
Es ist zu erwarten, daß von ärztlicher Seite die physiologischen Wir- 
kungen des Vibrationsstuhles noch eingehender untersucht und besprochen 
werden; darüber wird seinerzeit hier noch zu berichten sein, Hr. 
Neuere Veröffentlichungen. 
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben. 
Hann, Dr. Julius, Professor an der Universität zu Wien: Lehrbuch der 
Meteorologie. Zweite, umgearbeitete Auflage. 8° XI u. 642 S. mit 
mehreren Tafeln in Autotypie, verschiedenen Karten und zahlreichen Ab- 
bildungen im Text, Leipzig 1905. Chr. Herm. Tauchnitz, Preis 24 Mark, 
Im letzten Monat des vergangenen Jahres erschien die 8. abschließende Lieferung des 
Werkes, das als zweite Auflage des 1901 im gleichen Verlage erschienenen Lehrbuches der Meteoro- 
logie!) bezeichnet ist. Eine neue Auflage und doch auch wieder keine solche! Die neue Auflage 
wird allerdings als eine umgearbeitete angekündigt; aber der Gang, den dies Werk von seinem ersten 
Erscheinen zur Neuauflage gemacht hat, muß ganz ungewöhnlich genannt werden. Schon äußerlich 
macht sich eine Einschränkung in der Darstellung durch die Reduktion des Umfanges der Neu- 
auflage auf %/; der Seitenzahl des ursprünglichen Werkes bemerkbar. Diese Reduktion ist um so 
dedeutungsvoller, als die, tatsächlich auch erfolgte, Berücksichtigung der weiteren Entwicklung der 
meteorologischen Forschung und Anschauung bei Beibehaltung der früheren Darstellung eine erheb- 
liche Vergrößerung des Umfanges gefordert haben würde, Dieser Umstand mag aus praktischen 
Gründen vielleicht den ersten Anstoß zu den Erwägungen gegeben haben, welche Hann eine Ein- 
schränkung angebracht erscheinen ließen. Diese Erwägungen legt Hann selbst in dem Vorwort zur 
zweiten Auflage nieder; das Charakteristische der Neugestaltung kann nicht besser dargestellt 
werden als durch Hann’s eigene Worte: »Bei der Herstellung der neuen Auflage konnte der 
arsprünglichen Absicht durch mein Lehrbuch einem weiteren Kreise von Lesern die Ergebnisse 
meteorologischer Forschungen zu vermitteln, nım leichter entsprochen werden, da jetzt eine um- 
fassendere, durch reichliche Literaturnachweise unterstützte Darstellung aus letzter Zeit schon vorlag, 
auf welche der Fachmann jederzeit zurückzugreifen in der Lage ist. Ein Teil des schwerfälligen 
Ballastes von Literaturnachweisen und manche untergeordnetere Detailergebnisse konnten nun un- 
beschadet wegbleiben, die Darstellung gekürzt, der Umfang des Buches verkleinert und trotzdem 
alle neu zugewachsenen Forschungsergebnisse in knapper Form aufgenommen werden. Der 
wesentliche Inhalt hat bei der Kürzung keine Einbuße erlitten, dagegen konnte manches klarer und 
bestimmter ausgedrückt und angeordnet werden, da ja eine zweite Auflage für den Verfasser immer 
den Vorteil des erlangten freien Überblicks über die ganze Materie und leichtere Scheidung des 
Wesentlicheren von dem minder Wichtigen darbietet.« 
Wenn in rein wissenschaftlichen Kreisen auch hier oder da das Gefühl einer leichten 
Wehmut sich eingestellt haben wird, daß die zweite Auflage nicht in so ausgedehntem Maße wie 
die erste Auflage eine Fundgrube bei wissenschaftlichen Arbeiten abgibt, so kommt dies doch 
praktisch nur für die neuesten Forschungsergebnisse in Betracht, da für die vor 1901 liegende Zeit 
eben die erste Auflage zur Verfügung steht. Die Zeit zwischen der ersten und zweiten Auflage ist 
aber so kurz, daß die wissenschaftlichen Vorgänge dieser Zeit ohnehin den Fachmännern noch 
Irisch in Gedanken sind und die diesbezügliche Literatur leicht zugänglich ist. Wir haben aber 
wohl Grund, anzuerkennen und mit Freude zu begrüßen, daß die zweite Auflage in, wie nicht 
anders zu erwarten, mustergültiger Weise einem weiteren Kreise in ansprechenderer Umgestaltung 
die Lehren der Meteorologie vorführt. Die Lesbarkeit hat zweifellos erheblich gewonnen, dadurch 
daß in dem Buche der von Hann vertretene Standpunkt der Meteorologie bestimmter und, durch 
Wegfall der kritischen Abwägungen zwischen sonst noch aufgetretenen entgegenstehenden An- 
schauungen klarer zum Ausdruck gebracht worden ist. 
1) Besprochen in »Ann. d. Hrydr. usw.« 1902, S. 321.
	        
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