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Streben verbunden sind, mittels angebrachter Holzkeile, wenn erforderlich, nachgetrieben werden können.
Einige nach Zweckmässigkeit angebrachte eiserne Gestänge und Bänder erhöhen den Grad der Festigkeit
nicht unerheblich.
Es geht sofort aus obigen Darlegungen hervor, dass durch die getroffene Anordnung für die Errichtung
des Pfeilers die Nothwendigkeit des Herabführens des Pfeilers zu einer grösseren Tiefe, wo erhöhte Festig
keit geboten werden konnte, umgangen worden ist. Ein solches Herabführen war aber bei der durch die
eigentlichen Zwecke des Institutes vorgescbriebenen Konstruktion der unterhalb der Thürme gelegenen
Räumlichkeiten absolut ausgeschlossen. Es mag noch erwähnt werden, dass bei den immerhin kleinen
Dimensionen der zur Verwendung gelangenden Instrumente und für die Zwecke der mit denselben auszu
führenden Beobachtungen die auf die beschriebene Weise erzielte Festigkeit der Pfeiler sich als durchaus
genügend erwiesen hat.
Der Nordthurni trägt auf seiner Plattform ein aus Wellblech stark und fest konstruirtes Beobachtungs
haus mit drehbarem Dache und einer durch Klappe verschliessbaren Spalte. Auf dem oberen Ende des
Pfeilers, der ganz so konstruirt ist, wie der vorhin beschriebene, ist ein von Frank von Liechtenstein
(Hamburg) ausgeführtes Universal-Instrument aufgestellt. Dasselbe umschliesst ein solide gearbeiteter
mabagoni Glaskasten aus 2 Theilen, wovon ein jeder mittels einer Zug Vorrichtung b, b zu Zwecken der
Beobachtung vom Pfeiler hinweggezogen und unter dem Dache des Hauses frei aufgehangen wird. Die
Drehung des auf Friktionsrollen ruhenden Daches wird mittels einer aus der Zeichnung zu ersehenden
Kurbel-Vorrichtung bewirkt.
Ausserdem befindet sich in dem Beobachtungshause eine Uhr in XJ, ein Chronograph in C und ein
Bort in L zum Auflegen von Beobachtungsbüchern, Lampen etc.
Aus den Zeichnungen des Ost- und Nordthurmes ersieht man auch Einzelheiten der Blitzableiter-
Vorrichtungen und sind an der Balustrade in der Nähe des Fusses der Auffangestangen Kästchen ange
bracht, in welche die zum Rheostaten des Blitzableiter-Prlifungs-Apparates führenden Drähte münden, bezw.
mit den oberen Enden der Auffangestangen durch Drähte in Verbindung gebracht werden können.
Der Lichthof der Seewarte mit dem Combe’schen Apparate.
Aus den im vorigen Abschnitte gegebenen Darlegungen geht hervor, dass der Lichthof der Seewarte,
wie er auf Tafel 10 im Längenschnitt und auf Tafel 11 im Querschnitt dargestellt ist, rundum von Korridoren
und sodann von einer Anzahl von Zimmern umgeben und gegen die äussere Luft abgeschlossen ist. Zwar
ist gegen die Hauptfagade hin die Reihe der gegen Temperatur-Aenderungen schirmenden Räume durch den
Eingang unterbrochen, allein, da das Hauptportal in eine Loggia mündet, die wieder durch 3 verglaste
Thüren gegen Aussen abgesperrt ist, so wirkt gerade diese Lücke minder schädlich. Es wird darauf hin
gewiesen, dass auch nach oben ein doppelter Abschluss ist, wie dies Seite 9 dargelegt wurde. Die Fenster-
Oeffnungen im Erdgeschosse sind nach der Richtung des Modellsaales und der Wohnung des Direktors hin
geschlossen, während sie nach den übrigen Seiten unausgefüllt (offen) sind. Die Bögen des Korridors der
ersten Etage sind rundum frei und unausgefüllt. Es geht dies namentlich auch aus dem Querschnitte
hervor und wird mit Rücksicht auf denselben nur bemerkt, dass bei T nur ein durchbrochenes kleines
Gitterthor ist und nicht etwa eine Füllung.
In Folge der Lage des Lichthofes und der Eigenthümlichkeit der Konstruktion desselben sind von
Aussen kommende Strömungen der Luft zum Mindesten während des Fortganges einer Experimentenreihe
nahezu ausgeschlossen, was, da sonst die Experimente in nachtheiliger Weise beeinflusst werden könnten,
von Wichtigkeit ist. Die Temperatur-Schwankungen sind während kürzerer Perioden unbedeutend, d. h. es
kann die Temperatur im Innern des Lichthofes fiir einen kurzen Zeitraum nahezu konstant erhalten werden,
was für gewisse Untersuchungen werthvoll ist. Um dies zu beleuchten, mögen hier die Resultate einiger
während längerer Zeit fortgesetzten Thermometer-Beobachtungen eine Stelle finden. Das dazu benutzte
Thermometer befindet sich oben an der Beobaclitungs-Kanzel und etwa 2.7 m vom Fussboden entfernt auf
gehängt. Es ist dasselbe in 7i Celsius-Grade eingetheilt und wurden dessen Korrektionen innerhalb der
Grenzen von 0° bis 25° bestimmt und nahezu gleich Null gefunden.
Die Beobachtungen begannen am 10. Juli 1885 und wurden täglich zweimal um 8 a. und 4 p. angestellt.
Da dieselben sich über die Monate Juli bis Ende Dezember erstrecken, so geben sie in Ermangelung einer
vollständigeren Reihe ein ziemlich richtiges Bild über die Temperatur-Schwankungen im Lichthofe: