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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1914.
mittlere Druckdifferenz der gegebenen zwei Punkte für die Monate Mai, Juni und
Juli mehr als 1 mm, so muß man auf sehr ungünstige Verhältnisse im Süden
des Karischen Meeres und in den südlichen Meerengen rechnen, erweist sie sich
weniger als 1 mm, so müssen die Eiszustände im Süden der Karischen See und
in den Meerengen günstig sein. Dieses sind die Grundlagen, auf die wir uns
stützen müssen bei der Lösung der Frage über die Zugänglichkeit des Karischen
Meeres im gegebenen Jahre und bei der Wahl des einen oder anderen Weges zu der
Mündung der beiden großen Ströme West-Sibiriens,
4. Aus dem Gesagten geht auch hervor, welche praktischen Maßregeln
ergriffen werden müssen, um den Seeweg nach Sibirien weniger der Gefahr aus-
gesetzt und die Seeverbindungen ständiger zu machen,
Diese Maßregeln müssen bestehen in einer rechtzeitigen Zustellung von
Berichten über die Lage der Eisgrenze im Barentsmeer und der Beobachtung
des Luftdruckes in Klein-Karmakuli und Obdorsk. An den beiden genannten
Punkten wirken bereits regelrecht meteorologische-Stationen, Es ist demnach
notwendig, diese Plätze mit dem telegraphischen Netz zu verbinden und eine
Weitergabe der meteorologischen Beobachtung vermittelst des Drahts zu
organisieren. Die Daten über die Höhe des Luftdrucks in Klein-Karmakuli und
Obdorsk können, falls diese Telegramme in den ersten Tagen des August an
einen der Auslaufhäfen, wie z. B. Archangel oder Wardö, gelangen, den Schiffen,
die nach Sibirien ihren Kurs einschlagen wollen, von großem Nutzen sein. Diese
Nachrichten geben den Schiffern die Möglichkeit, über die KEisverhältnisse im
Süden des Karischen Meeres ein Urteil zu fällen,
Von nicht geringerer Wichtigkeit ist die Organisation von Beobachtungen
und eine rechtzeitige Zustellung derselben über die Lage der Eisgrenze im
nördlichen Teile des Barentsmeeres. Dieses Meer wird im westlichen Teile
während des Sommers recht häufig von Schiffen besucht. Nachrichten über die
Eisverhältnisse an der Küste Spitzbergens und zwischen dieser Inselgruppe und
der Bäreninsel können in genügender Anzahl gesammelt werden. Es ist nur
notwendig, ihre rechtzeitige Zustellung in den Häfen des nördlichen Norwegens
zu organisieren, wozu man sich der Radiotelegraphie bedienen kann. Was nun
den Ostrand der Eisgrenze anbetrifft, so tragen hier die Beobachtungen einen
zufälligen Charakter und es wäre wohl wünschenswert, eine Beobachtungsstation
am westlichen Rande der Nordinsel Nowaja Semljas zu organisieren, nördlich
von der Admiralitätshalbinsel. Diese Station hätte demnach im Juni und Juli
Nachrichten über die Eisverhältnisse im Osten des Barentsmeeres und am
Nordende Nowaja Semljas zu sammeln und sie per Draht oder radiotelegraphisch
nach Klein-Karmakuli weiter zu geben, von wo sie weiter nach den Auslaufhäfen
befördert werden können.
Im Juli 1912 ist, wie bekannt, eine Expedition ausgelaufen zur Errichtung
von radiotelegraphischen Stationen im Jugorski Schar, auf der Insel Waigatsch
und an der Ostküste der Baidarata Bucht. Diese Stationen werden ohne Zweifel
der Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen Europa und Sibirien einen
großen Dienst erweisen. Sie werden aber nur für die Aufklärung des Südweges
zu der Mündung des Jenissei dienen, jenes Weges, der durch den Jugorski Schar
Jängs der Küste Jalmals geht. Wie wir aber gesehen haben, treten auf dieser
Route nicht selten Eismassen hindernd in den Weg. Die Schiffahrtsbedingungen
auf dieser Schiffsroute sind nicht immer günstig. Um eine nach Möglichkeit
ständige Verbindung zu unterhalten, ist es notwendig, auch den anderen Weg, den
Weg um das Nordende Nowaja Semljas, auszunutzen. Zu diesem Zwecke wäre
es vonnöten, worauf ich bereits hingewiesen habe, einen Observationspunkt an
der Westküste der Nordinsel Nowaja Semljas ’nördlich der Admiralitätshalbinsel
zu errichten. Haben wir erst die Kenntnis der Lage der Eisgrenze im Barents-
meer an der Küste Nowaja Semljas, so haben wir auch die Möglichkeit, den
Nordweg zu den Mündungen der gewaltigen Flüsse Westsibiriens auszunutzen.
Nur unter solchen Bedingungen können die Seehandelsbeziehungen mit Sibirien
fest und ständig werden.