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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie: Zweites Köppen-Heft der Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie

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Zweites Köppen-Heft der Annalen der Hydrographie usw. 1936, 
Auf einer Strecke von nicht viel mehr als 500 km erreicht der 
Temperaturgegensatz zwischen der ungarischen Tiefebene und Süddeutschland 
20°, während über Schottland die gleichen Temperaturwerte wie über dem Bal- 
tikum gemessen wurden! 
Die Vorbereitung dioses Tiefs leitete ein am 25. Oktober zur südlichen 
Nordses wanderndes Tief in Verbindung mit einem von Island aus in südlicher 
Richtung ziehenden Hochdruckgebiet ein, Der nach Westeuropa gelangende 
Kaltluftstrom erfuhr dann am 27, Oktober, als eine Sturmdepression von Nord- 
ostgrönland aus auf direkt südlichem Kurse bis zur mittleren Nordsee gelangt 
war, eine weitere erhebliche Verstärkung. In 4000 m Höhe wurden am 28, Oktober 
über Duxford (Südengland) — 23° gemessen, und am Boden trat selbst in Süd- 
england und Mittelfrankreich verbreiteter Nachtfrost auf, während sich über 
den wärmeren Meeresgebieten die Labilitätsschauer bis zu örtlichen Gewittern 
steigerten, 
Das zunächst weiter südwärts ziehende Druckfallgebiet erreichte am Morgen 
des 28, Oktober das westliche Mittelmeerbecken, wobei sich zuerst über Süd- 
frankreich ein Teiltief entwickelte, das bald ostwärts schwenkte und am 29, Ok- 
sober mit einem Kerndruck von 990 mb ÖOÖberitalien erreicht hatte. 
Jetzt gelangte die Rückseitenkaltluft bis nach Nordafrika, und zugleich trat 
der andere Partner bestimmend in Erscheinung: Mit dem weit südwärts greifenden 
Druckfall setzte sich Heißluft saharischen Ursprungs nordwärts in Be- 
wegung, kam auf Sizilien noch mit Bodentemperaturen von -- 25° an und konnte 
auf der Westseite des schon längere Zeit vorher Osteuropa bedeckenden Hoch- 
druckgebietes ungehindert weiter nordwärts vordringen. 
Am Morgen des 29, Oktober erreichte die westliche Kaltluft unter jähem 
Temperatursturz die oberbayerische Hochebene (München um 8 Uhr +2°), und 
damit begann die Ausbildung eines Teiltiefs über Böhmen. 
Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Druckänderungen noch durchaus in 
normalen Grenzen, Abb, 15 zeigt die 24-stündige Druckänderung vom Morgen 
des 28, bis zum Morgen des 29, Oktober, und wir sehen, daß die stärkste Druck- 
abnahme über Oberitalien erst 16 mbar erreicht. Über Westeuropa steigt der 
Luftdruck stark an, und nur über Nordfrankreich befindet sich noch ein kleines 
Fallgebiet als Rest des nach dorthin gelangten, den gesamten Kaltluftvorstoß 
hervorrufenden Tiefs, 
Auf der Abendwetterkarte (Abb. 17) erkennen wir von diesem ehemaligen 
Sturmtief noch den letzten Rest über Belgien, während das böhmische Teiltief 
unter leichter Vertiefung von 992 auf etwa 988 mbar bis nach Schlesien gelangt 
ist. In diesem Augenblick erst beginnt die Ausbildung der Orkan- 
depression. ‚Jetzt setzt der keilförmige Vorstoß der Kaltluft am Nord- 
östrand der Alpen ein. 
Abb, 16 gibt die Druckänderung vom Morgen des 29, bis zum Morgen des 
80. Oktober 1933 wieder: Der Druckfall hat sich von —16 mbar am Vortage 
auf — 32 mbar über Südschweden verstärkt. Die Kaltluft (Abb, 18) ist 
bereits bis zum Rigaischen Meerbusen vorgedrungen (deutlich zeigt sie der 
Aufstieg von Königsberg — vgl. Abb, 13 und 14); das Tief weist besonders auf 
seiner Südostseite einen außerordentlich steilen Druckgradienten auf (bei Adler- 
grund-Feuerschiff frischte der Wind von 4—12 Uhr von Stärke 1 bis Stärke 11 
auf!). Nach Westen hin erstreckt sich eine scharfe Ausbuchtung der Isobaren 
über die südliche Nordsee nach Flandern, mit dem von Norden her etwas wär- 
mere Luft vorstößt. Diese Warmfront, die auf der Karte vom Abend vorher 
(Abb, 17) als solche auch markiert ist, ist aber nur schwach und für den ge- 
samten Zyklonenprozeß zweifellos von untergeordneter Bedeutung, was besonders 
auch aus der Darstellung der Wetterverhältnisse in der Höhe (Abb. 9—10 und 
12-14) hervorgeht, 
Die mittlere Temperaturverteilung der unteren Troposphäre — 
dargestellt durch die relative Topographie der 500- über der 1000 mbar-Fläche — 
zeigt schon am 28, Oktober (Abb. 9) die auf der Südostseite des englischen Kälte- 
gebiets über Deutschland beginnende Ausbildung einer Temperaturdivergenz.
	        
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