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Full text: 61, 1933

die Technik hat uns zu Herren der Elemente gemacht; unsere Riesen» 
schnelldampfer sind allen feindlichen Naturgewalten gewachsen‘, sagt 
der Seemann. — Da sieht er sich in der Zwangslage, seine Ladung 
frischer Tropenfrüchte im Werte von 120000 RM, verdorben durch 
noch unerforschte schiffsraum » klimatische Einflüsse, über Bord zu 
werfen, — da wird ihm weiter das Deck durch Seeschlag zertrümmert, 
dessen kinetische Energie mit dem Quadrate der Differenz zwischen den 
Geschwindigkeiten von Wind und Woge einerseits, vom Schiffe anderer: 
seits gewachsen ist. Ingrimmig sieht er das Schiff der konkurrierenden 
Nation an sich vorbeifahren, das Strom und Wind rechtzeitig erkannt 
und ihren fahrtbeschleunigenden und trotz des Umweges zeitverkürzen: 
den Sektor aufgesucht hatte. „Sendet uns Bildfunk Wetterkarten, wir 
brauchen sie“, lautet jetzt die Forderung. — ‚Gebt uns den Beobachtungss 
stoff für solche“, — heißt die Erwiderung. 
In diesen wechselseitigen Ansprüchen des Lebens und der Wissen» 
schaft — Forderung praktisch verwertbarer Forschungsergebnisse einer: 
seits, Forderung wissenschaftlich verwertbarer Beobachtungstatsachen 
andererseits — liegt der Schlüssel zum Verständnis für einen Forschungs» 
weg, der anders sein muß als der des Hochschulgelehrten. Aufklärung 
und Heranziehung der Nicht: Wissenschaf ter zur notwendigen Mitarbeit 
an der wissenschaftlichen Eroberung des Alls — das ist der tiefere Sinn, 
den der Seewartengründer in den Begriff, Z weck-Forschung“ hineinlegte! 
„Forschung“ ist nicht etwas, was nur dem Akademiker vorbes 
halten ist. Voraussetzung für erfolgreiches Natur-Erforschen ist viel: 
mehr vor allem ein offenes Auge und ein eiserner Fleiß, um sich den 
Teil der Fachkenntnisse anzueignen, der zum Weiterbauen notwendig 
ist. Weiterbauen nur verhindert das Stagnieren, das den Tod 
jeder Anstalt bedeutet. Die Namen der früheren Seewarten » Kapitäne 
Koldewey, Dinklage und Knipping treten nicht nur in der Geschichte 
unseres Institutes hervor, sondern neben denen unserer Fachgelehrten 
auch in den wissenschaftlichen erdmagnetischen, meereskundlichen und 
meteorologischen Lehrbüchern und Zeitschriften! 
Aus diesen Leitideen des Anstaltgründers heraus muß das Wirken 
unseres verstorbenen Präsidenten, müssen die Wege, die er einschlug, 
verstanden werden. Als er sein schweres Amt übernahm, stand er vor 
der Tatsache, daß die Zahl der deutschen Schiffe, somit auch die Zahl 
unserer freiwilligen fahrenden Mitarbeiter, auf einen kleinen Bruchteil 
der Vorkriegszahlen herabgesunken war. Doppelt wertvoll war für das 
jetzt verarmte Reich jedes Gut, jedes Leben geworden, das es den Wogen 
und Wolken anvertraute. Wie sollte bei dem furchtbaren Rückgang der 
Mitarbeiter zur See der notwendige naturkundliche Beobachtungsstoff 
beschafft werden? „Es kann ihnen unmöglich noch mehr betreffende 
Arbeit aufgebürdet werden“ — so warnte man. — „Es muß sein, und es
	        
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