die Technik hat uns zu Herren der Elemente gemacht; unsere Riesen»
schnelldampfer sind allen feindlichen Naturgewalten gewachsen‘, sagt
der Seemann. — Da sieht er sich in der Zwangslage, seine Ladung
frischer Tropenfrüchte im Werte von 120000 RM, verdorben durch
noch unerforschte schiffsraum » klimatische Einflüsse, über Bord zu
werfen, — da wird ihm weiter das Deck durch Seeschlag zertrümmert,
dessen kinetische Energie mit dem Quadrate der Differenz zwischen den
Geschwindigkeiten von Wind und Woge einerseits, vom Schiffe anderer:
seits gewachsen ist. Ingrimmig sieht er das Schiff der konkurrierenden
Nation an sich vorbeifahren, das Strom und Wind rechtzeitig erkannt
und ihren fahrtbeschleunigenden und trotz des Umweges zeitverkürzen:
den Sektor aufgesucht hatte. „Sendet uns Bildfunk Wetterkarten, wir
brauchen sie“, lautet jetzt die Forderung. — ‚Gebt uns den Beobachtungss
stoff für solche“, — heißt die Erwiderung.
In diesen wechselseitigen Ansprüchen des Lebens und der Wissen»
schaft — Forderung praktisch verwertbarer Forschungsergebnisse einer:
seits, Forderung wissenschaftlich verwertbarer Beobachtungstatsachen
andererseits — liegt der Schlüssel zum Verständnis für einen Forschungs»
weg, der anders sein muß als der des Hochschulgelehrten. Aufklärung
und Heranziehung der Nicht: Wissenschaf ter zur notwendigen Mitarbeit
an der wissenschaftlichen Eroberung des Alls — das ist der tiefere Sinn,
den der Seewartengründer in den Begriff, Z weck-Forschung“ hineinlegte!
„Forschung“ ist nicht etwas, was nur dem Akademiker vorbes
halten ist. Voraussetzung für erfolgreiches Natur-Erforschen ist viel:
mehr vor allem ein offenes Auge und ein eiserner Fleiß, um sich den
Teil der Fachkenntnisse anzueignen, der zum Weiterbauen notwendig
ist. Weiterbauen nur verhindert das Stagnieren, das den Tod
jeder Anstalt bedeutet. Die Namen der früheren Seewarten » Kapitäne
Koldewey, Dinklage und Knipping treten nicht nur in der Geschichte
unseres Institutes hervor, sondern neben denen unserer Fachgelehrten
auch in den wissenschaftlichen erdmagnetischen, meereskundlichen und
meteorologischen Lehrbüchern und Zeitschriften!
Aus diesen Leitideen des Anstaltgründers heraus muß das Wirken
unseres verstorbenen Präsidenten, müssen die Wege, die er einschlug,
verstanden werden. Als er sein schweres Amt übernahm, stand er vor
der Tatsache, daß die Zahl der deutschen Schiffe, somit auch die Zahl
unserer freiwilligen fahrenden Mitarbeiter, auf einen kleinen Bruchteil
der Vorkriegszahlen herabgesunken war. Doppelt wertvoll war für das
jetzt verarmte Reich jedes Gut, jedes Leben geworden, das es den Wogen
und Wolken anvertraute. Wie sollte bei dem furchtbaren Rückgang der
Mitarbeiter zur See der notwendige naturkundliche Beobachtungsstoff
beschafft werden? „Es kann ihnen unmöglich noch mehr betreffende
Arbeit aufgebürdet werden“ — so warnte man. — „Es muß sein, und es