Meereskunde
für die Festigkeit der Leitung selbst und die Sta
bilität ihrer Unterlage dar. Ankerwurf und über
Bord gehende Ladungsteile können zu Leckagen
und Schäden bis hin zum Bruch führen. Auf der
anderen Seite - und das betrifft besonders den
Zuständigkeitsbereich des BSH - ist die Leitung
aber auch eine Behinderung für andere Nutzer
des Meeres und ein Gefahrenpotential für Um
welt, Schiffahrt und Fischerei. Durch Sicherheits
auflagen und deren Einhaltung durch ständige
Überwachung muß dieses Gefahrenpotential
durch ständige Überwachung ausgeschaltet wer
den.
Die Idee läge nun nahe, Erdgasleitungen
(und das sollte auch für Kabel gelten) einfach so
tief in den Meeresuntergrund einzugraben, daß
weder Berührungen durch Fischereifanggeschirr
noch Gefährdungen für die Seeschiffahrt auftre-
ten. Ein zusätzlicher Vorteil wäre, daß die Leitung
selbst besser geschützt wäre. Auch die Gefahr
eines Auftriebs wäre kaum noch gegeben. Nach
teile ergäben sich für die Überwachung der Lei
tung und bei eventuellen Reparaturen.
Allerdings lassen die technischen Möglich
keiten und der Aufbau des Meeresuntergrundes
nur selten hinreichend große Eingrabtiefen zu:
- Die Gasleitungen bestehen aus einem Stahl
rohr von ca. 1 m Durchmesser, das gegen Auf
trieb mit einem durchschnittlich 10 cm dicken
Betonmantel umgeben ist, so daß der Ge
samtdurchmesser etwa 1,20 m beträgt. Bei
der Verlegung werden etwa 10 m lange Einzel
segmente an Bord eines Verlegeschiffes zu
sammengeschweißt und der entstandene
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Rohrstrang wird dann über einen Ausleger am
Heck des Schiffes in einem großen Bogen
gleichmäßig auf den Meeresboden abgesenkt.
Sind die Sedimente auf dem Meeresboden
weich, drückt sich die Leitung ein wenig in den
Meeresboden ein, so daß sie trotz kleiner Un
ebenheiten wie Rippein fest aufliegt. Ist der
Untergrund fest, werden solche Unebenheiten
nicht ausgeglichen, unter der Leitung bleiben
Zwischenräume, die sich unter Umständen
durch Auswaschungen noch vergrößern können.
- Das Eingraben der Leitung unter die Meeres
bodenoberfläche geschieht mit Hilfe eines
Spülschlittens, der in Längsrichtung über der
Leitung geschleppt wird und an dessen „Ku
fen“ starke Wasserdüsen angebracht sind. Da
mit wird der Sand unter der Leitung aufgewir
belt und auf die Seite gespült, die Leitung
selbst fällt in die so entstandene Rinne. Bei
mehreren Überläufen lassen sich so Einspül
tiefen von 3 Metern für die Unterkante der
Rohrleitung erreichen. Zurück bleibt ein breiter
flacher Graben, der sich auf natürliche Weise
wieder verfüllt, was aber mehrere Jahre dau
ern kann.
Voraussetzung für die Einspültechnik ist
natürlich, daß das Material spülbar ist. Das ist
aber keineswegs überall der Fall:
- Aufgrund seiner Entstehung weist der Meeres
boden - stark vereinfachend ausgedrückt -
eine Zweiteilung auf. Direkt am Meeresboden
findet sich meist fein- bis mittelkörniger Sand,
dessen Mächtigkeit stark schwankt: Stellen
weise baut er meterhohe Dünen auf, über