Meereskunde
Rohrleitungen auf dem
deutschen Festlandsockel
Die Entdeckung großer Vorkommen von
Kohlenwasserstoffen vor etwa 30 Jahren führte
zu intensiver bergbaulicher Tätigkeit in der Nord
see. Zahllose Bohrungen wurden niedergebracht
und mehrere tausend Kilometer Rohrleitungen
für den Transport von Öl und Gas auf dem Mee
resboden verlegt. Auf dem deutschen Festland
sockel wurden bisher keine derzeit wirtschaftlich
abbauwürdigen Lagerstätten gefunden. Dennoch
bezieht Deutschland einen großen Teil seines
Erdgases aus der Nordsee. Hierfür wurde 1975
eine erste Rohrleitung verlegt, durch die Gas
vom norwegischen Ekofisk-Feld nach Emden ge
liefert wird.
Zur Deckung des steigenden Bedarfs folg
ten 1994 die EUROPIPE I, die 1995 in Betrieb
gehen wird, und das südlichste Teilstück der
EUROPIPE II, die demnächst weitergebaut wer
den wird. Die Leitungen sind Teil eines großräu
migen Verteilernetzes und verlaufen jeweils
ca. 350 km auf dem deutschen Festlandsockel.
Daneben existiert seit 1991 im sogenannten
Entenschnabel im äußersten Ende im Nordwe
sten des deutschen Festlandsockels eine Transit
rohrleitung, die ZEEPIPE, durch die Gas aus den
Feldern der zentralen Nordsee nach Zeebrugge
transportiert wird. Sie wird in den nächsten Jah
ren durch eine weitere, parallel laufende Leitung,
ZEEPIPE IV, ergänzt. Darüber hinaus bestehen
Überlegungen, noch eine weitere Leitung, die
ZEEPIPE HA, zu verlegen, die, aus den norwegi
schen Gasfeldern kommend, östlich des 6. Län
76
gengrades in den deutschen Festlandsockel ein-
treten und zur ostfriesischen Küste weitergeführt
werden soll.
Neben den Gasleitungen werden in jüngster
Zeit zunehmend Kabel verlegt und geplant. Es
sind sowohl Glasfaser-Telefonkabel als auch
Hochspann ungs-Gleichstrom-Übertragungska-
bel (HGÜ).
In der Abbildung 20 sind die in der Nordsee
vorhandenen, beantragten und geplanten Gaslei
tungen, die in jüngster Zeit verlegten Glasfaser
kabel verschiedener Telefongesellschaften und
die in der Planung befindlichen Gleichstrom
kabel eingetragen. Die Karte, die außerdem die
für Sondernutzung ausgewiesenen Gebiete
(U-Boottauchgebiet, Torpedoschießgebiet, Flug
schießgebiet) enthält, zeigt deutlich, wie intensiv
der Nordseeboden bereits genutzt wird - wobei
die Fischerei noch nicht berücksichtigt ist.
Eine derartige Häufung von Nutzungsan
sprüchen mit zum Teil entgegenstehenden Inter
essen erfordert nicht nur eine sorgsame Abstim
mung, sondern auch die Verhinderung oder
zumindestens Minimierung von Interessenskon
flikten. Darum finden im Rahmen von Genehmi
gungsverfahren, die seit dem 1.1. 1995 auch für
Kabel durchgeführt werden müssen, Anhörungen
aller Betroffenen statt.
Gefahrenpotentiale und Sicherheitsmaßnahmen
In der natürlichen Umgebung ist eine Rohr
leitung Fremdkörper. Zum einen stellen starke hy
drodynamische Kräfte eine erhebliche Belastung