Meereskunde
Größen aus den Jahren 1957, 1982, 1993 und
1994 vor. Bereits die Gauß-Reise 1993 hatte
eine dramatische Abkühlung der Zwischenwasser
des Nordatlantiks in Tiefen zwischen 1000
und 2000 m im Bereich des Labrador-See-Wassers
um 0,45° C über die letzten zehn Jahre gezeigt.
Diese Entwicklung wurde auf der Meteor-Reise
bestätigt. In nur einem Jahr sind diese
Wassermassen, die aus der Labradorsee stammen
und in den dort seit 1988 herrschenden sehr
kalten Wintern gebildet wurden, im östlichen
Becken des Nordatlantiks weiter um 0,1° C abgekühlt
und haben sich weit nach Osten ausgebreitet.
Sowohl diese weitere Abkühlung einer
bisher als konstant angenommenen Wassermasse
als auch die rapide Ausbreitung sind unerwartet.
Eine erste Wertung zeigt, daß der nördliche
Nordatlantik wesentlich schneller und
großräumiger auf regionale Veränderungen der
atmospärischen Antriebsbedingungen reagiert.
Statt wie bisher angenommen in 12 bis 18 Jahren
erreicht das neu gebildete Labrador-See-Wasser
die osteuropäischen Becken in deutlich kürzerer
Zeit. Die Auswirkungen dieser Schwankungen
auf die Transporte von Wärme, Süßwasser und
Salz müssen genauer untersucht werden. Insbesondere
ist herauszuarbeiten, wie und wie
schnell der Ozean auf diesen Raum- und Zeitskalen
auf diese Veränderungen reagiert.
Meßsysteme
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Auf einer Reise von FS Gauß in den Atlantik
vom 3. bis 15. Mai 1994 wurde in dem Aufgabenteil
„Geräteerprobungen“ ein Vergleichstest
zwischen der bisher im BSH verwendeten
MKIII-CTD-Sonde der Firma General Oceanics
und der neuentwickelten CTD-Sonde der Firma
Falmouth Scientific Inc. durchgeführt. Die Testergebnisse,
die als Entscheidungshilfe für Gerätebeschaffungen
im BSH dienen, ergaben keine
Notwendigkeit, z. Z. von der MKIII-Sonde abzugehen.
Nachbesserungen der Datenerfassungs-Software
in der Unterwassersonde des Schleppmeßsystems
Delphin führten zur Beseitigung von
Datenausreißern, die zunächst als Meßwertrauschen
interpretiert wurden. Nachdem Methoden
zur Verfügung standen, die digitalen Meßsignale
detailliert zu untersuchen, konnte der wahre Charakter
der Störungen erkannt und die entsprechenden
Maßnahmen beim Hersteller konnten
ergriffen werden.
Das dritte der für die Untersuchungen des
BSH in Nord- und Ostsee erforderlichen vier Systeme
der neuen Industrieversion des Delphin
wurde beschafft, die Einsatzerprobung in situ
steht noch aus. Eine neue In-situ-Vergleichsmethode
zwischen CTD-Sonde und Delphin-Sonde
wurde erfolgreich erprobt. Die Delphin-Sonde
wurde aus dem Schleppkörper ausgebaut und
mit geeigneten Schellen so an der CTD-Sonde
installiert, daß die zu vergleichenden Sensoren
nur ca. 20 cm voneinander entfernt waren. Gefiert
wurde mit dem Einleiterkabel der CTD-Sonde,
das Schleppkabel des Delphin wurde
lose über eine besondere Umlenkrolle am Bordkran
mitgeführt. Dies wurde durch die im Vorjahr
montierte Konstantzugeinrichtung der Schleppwinde
ermöglicht, die auch bei fehlender Last für
einwandfreies Auf- und Abspulen sorgt.