Meereskunde
Volumentransporte, weil das Tiefenwasser rezir-
kullert (Abb. 16). Die mittleren skalaren Ge
schwindigkeiten der Tiefenströmung schwanken
zwischen 2 und 9 cm/s. Die mittleren Vektorge
schwindigkeiten sind in diesem Jahr ca. 50 %
schwächer als Im Vorjahr. Dies wird durch häu
fige Stillstände der örtlichen Tiefenzirkulation im
August/September verursacht. Bei 5 von 9 einge
setzten Meßgeräten liegt der Anteil vernachläs
sigbar geringer Strömungsgeschwindigkeit in der
Tiefe bei etwa 50 bis 60 %. Gelegentlich treten
jedoch in Bodennähe kurzzeitig Geschwindig
keitsspitzen von 16 bis 20 cm/s auf.
■ Magnetische und hydroakustische
Untersuchungen zur Ortung chemischer
Kampfstoffmunition in der Ostsee
Von den ca. 300 000 t Kampfstoffmunition,
die in Deutschland bis 1945 produziert worden
sind, wurden nach dem Krieg ca. 40 000 t in der
Ostsee (Bornholm-Becken, Kleiner Belt, Gotland-
Becken) versenkt. Aufgrund zahlreicher Zeugen-
berlchte kann man außerdem davon ausgehen,
daß Kampfstoffmunition auch auf den Transport
wegen vom Ostseehafen Wolgast in das Versen
kungsgebiet östlich von Bornholm über Bord ge
geben wurde. Mengen und genaue Positionen
sind jedoch unbekannt.
Das BSH wurde vom Bundesverkehrsmini
sterium mit der Untersuchung der bekannten und
vermuteten Versenkungsgebiete im Bereich des
deutschen Festlandsockels durch geeignete Ver
fahren zur Identifizierung von Kampfstoffmunition
und Vervollständigung der Angaben über Ver
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senkungsstellen beauftragt. Da von den o. g.
Versenkungsgebieten nur die Transportwege in
deutsches Festlandsockelgebiet hineinreichen,
konzentrierten sich die bisherigen Untersuchun
gen auf diese Seegebiete.
Als erster Schritt wurde damit begonnen,
die Transportwege mit magnetischen und hydro
akustischen Verfahren zu kartieren und nach ei
sernen Objekten abzusuchen. Im März 1994
wurde ein ca. 100 km 2 großes Gebiet auf einem
engen Profilraster (Profilabstand 75 m) mit VWFS
Atair untersucht. An 9 Positionen wurden magne
tische Anomalien registriert, die mit Sicherheit
auf eiserne Objekte hindeuten. Im September
wurde mit VWFS Wega ein zweites, gleich
großes Gebiet auf dem ehemaligen Zwangs-
Schiffahrtsweg untersucht. In dem zweiten Ge
biet wurden insgesamt ca. 120 magnetische
Anomalien beobachtet, die eindeutig durch ei
serne Gegenstände hervorgerufen werden.
Nur 20% der georteten Objekte liegen vermutlich
sichtbar auf dem Meeresboden - sie wurden
durch entsprechende Side Scan Sonarkontakte
bestätigt. Bei allen anderen muß davon ausge
gangen werden, daß sie eingesandet sind.
Bei der überwiegenden Zahl der georteten
Objekte wird es sich vermutlich um Wrackreste,
Schrott oder ähnliches handeln. Eine Objekt
unterscheidung im Sinne einer Identifizierung
(Kampstoffmunition oder harmloses Wrackteil)
ist jedoch mit den bisher eingesetzten Verfahren
nicht möglich. Hier sind weiterführende Untersu
chungen erforderlich und unter Einsatz besserer
Meßverfahren mit der Deneb vorgesehen.