Meereskunde
sehen Forschungssatelliten ERS-1. Die Abb. 12
zeigt beispielhaft eine Gegenüberstellung von
Modellrechnungen und Bojenmessungen für das
Jahr 1994 an einer Position in der Deutschen
Bucht, an der das BSH eine automatische Dau
ermeßstation betreibt.
Eine statistische Auswertung dieser Daten
zeigt, daß die Wellenhöhen im Mittel durch das
numerische Modell um etwa 30 cm überschätzt
werden. Durch eine verbesserte Anpassung zwi
schen den berechneten Windgeschwindigkeiten
aus dem antreibenden Atmosphärenmodell und
dem Seegangsmodell sollen diese systemati
schen Abweichungen verringert werden. Die ins
gesamt gute Übereinstimmung mit den Messun
gen zeigt aber, daß das Seegangsmodellsystem
zuverlässig arbeitet und zufriedenstellende Er
gebnisse liefert.
Ein derart verifiziertes Modell ist nicht nur
für Vorhersagezwecke von Nutzen. Die archivier
ten Daten stehen auch für Untersuchungen zur
Verfügung, in denen Informationen über die See
gangsverhältnisse wichtig sind, z. B. bei Unfällen
auf See oder bei Baumaßnahmen im Küstenge
biet.
Erdmagnetischer Dienst
Die erdmagnetischen Variationen wurden -
wie bisher - mit dem digitalen Registriersystem
erfaßt und auf Magnetband archiviert. Registrier
lücken wurden über das digitale Ersatzsystem
und über das alte analoge System aufgefüllt;
die Systeme wurden mit dem Protonen-Kompo-
46
nenten-Magnetometer (Horizontal- und Vertikal
komponente, Totalintensität und relative Deklina
tion) und dem Sondentheodoliten (absolute De
klination) laufend kontrolliert (Basismessungen).
Der Wingster Standard wurde während ei
ner internationalen Interkalibration in Dourbes,
Belgien, geprüft. Aus den Ergebnissen konnten
Rückschlüsse auf die Stabilität der Bezugsni
veaus des Observatoriums abgeleitet werden.
Insbesondere ergab sich, daß sich der Deklinati
onsstandard gegenüber dem Ergebnis einer ähn
lichen Prüfung vor zwei Jahren in Frankreich
nicht verändert hat. Das ist bedeutsam für die
langfristige Vorausberechnung der Kompaßmiß
weisung. Auch ein instrumenteller Vergleich der
erdmagnetischen Elemente in Wingst mit denen
am Observatorium Niemegk (Geoforschungzen-
trum Potsdam) zeigte nur Differenzen, die im
Rahmen der Meßunsicherheit liegen.
Unter Federführung des BSH wurde der
Momentanwertvergleich mit europäischen Obser
vatorien fortgesetzt und ausgewertet. Die betei
ligten Stationen erhielten die Monatsmittel der
Differenzen und eine Übersicht der von den Sä
kularvariationen befreiten maximalen Schwan
kungen dieser Monatsmittel. Der erforderliche
Datenaustausch von und zu den Stationen ge
schah erstmals digital und hier - soweit möglich -
über E-Mail. Besonders wichtig für die Belange
der Seeschiffahrt sind die küstennahen Statio
nen. Deutlich wird die zentrale Lage des Obser
vatoriums Wingst. Der ständige Vergleich erlaubt
eine Einschätzung der Güte dieser Stationen als
Entscheidungshilfe für die Einrechnung der Wer
te in die Seekarten.