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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1937.
ist die Luft wie im Backofen, In den Heizräumen unserer Tropenschiffe konnte
sie nicht kompakter gleich einer festen Masse dien Körper einschließen. Der Boy
kann kaum noch weiter, seine sonst so harten. Füße sind hier im Tiefland auf
den heißen Pfaden zerschunden und überempfändlich geworden, Ich selbst habe
nur den einen Wunsch, bald das Ziel zu erreichen. ... Über den weiten
Agavenfeldern. der Plantage tanzt und flimmert die Sonnenglut, Auf Dutzende
von Kilometern hin ist nicht der leiseste Schatten. Die Haut der Kulis, die hier
arbeiten, ist um einen tiefen Schatten dunkler als gewöhnlich bei den Malaien.
Ich bewundere die europäischen Pflanzer, die jahrelang in dieser sonnenbeschienenen
Öde ihren langen, anstrengenden Dienst versehen. Aber sie sind sämtlich, abgesehen
von gelegentlichen Malariabeschwerden, bei bester Gesundheit, kernig, gebräunt
und immer bei erträglicher Stimmung. ... Auf dem pflanzenlosen weißen Platz
vor den Kulihäusern muß man die Augen schließen, denn sie schmerzen. von der
gleißenden Fläche, Gut, daß die Landschaft richt überall so greil ist, die Augen
müßten sonst bald an Kraft verlieren, Sehr lebhaft empfinde ich die weit größere
Lichtfülle hier unten im Vergleich zu den ewig wolkigen Gebirgen und gemäßigten
Hochflächen. ... Die Chinesen in den Marktflecken arbeiten halbnackt, selbst die
Gehilfen. in den. kleinen Speisewirtschaften bedienen ohne Hemd, Jeder Körper,
der in Bewegung ist, glänzt von Schweiß, Abends sitzen sie in kurzen weißen
Badehosen vor den Türen. Man merkt jedem an, daß ihm die hohe Wärme un.
behaglich ist. ...
Auf schattenloser Schneise marschieren wir durch gürenden Sumpfwald, Die Sonne
brennt stechend und unbarmherzig. Es ist qut, daß ich von dem alten Pflanzer
in... . einen noch älteren Tropenhut geerbt habe, ich kann ihn heute wirklich
einmal brauchen, So schlimm waren Hitze und stagnierende Luft noch nie.
Ich kann nicht begreifen, wie in dieser grünen, brennenden, dunstenden Um-
gebung Menschen ihr ganzes Leben verbringen können. Schlimmer kann Cayenne
nicht sein! Ich fürchte, der Boy könne mir draufgehen. Immer wieder seufzt er?
„Wie Feuer ist diese Erde!“ Die Hitze der Luft klagt er nicht so sehr an als
die des Bodens. Aber doch schmerzt auch ihm der Kopf wie mir der meine. Wie
ein Gummiring legt sich die Luft um die Stirn, wie ein Mühlstein auf die Brust.
Als wir endlich in dem kleinen Hafennest ankommen, kühlt er sich den Kopf mit
nassen. Lappen, sagt kein Wort mehr, mag nichts essen und legt sich gleich hin.
Ich mache mir schwere Vorwürfe, Der arme Funge wird manchmal denken: wo-
mit nur habe ich solche Strafe verdient?! — Aber am nächsten Morgen ist er
wieder wohlauf, ißt für Drei und erwähnt die gesirigen Mühen mit keinem Wort, ...
Solche Tage können einen mürbe machen, wenn man sie auf glühheißen Straßen,
lärmenden Märkten und in verfilztem Sumpfland zubringt, und die Einstellung
gegenüber den so off gepriesenen „Tropen“ wird nicht gerade die beste, ja, es ist
geradezu eine Wut, die gegen all jene vielen trivialen Tropenschwärmereien auf-
sieht. Wie sind diese Tropen doch in Wirklichkeit? Der Kopf schmerzt und
bohrt von all der Tagesglut; vielleicht wühlt auch ein Fieber im Körner. Drückend
lastet der Abend, nun die Sonne verschwunden, ist, Kein Blatt regt sich. Die
Hitze brodelt nicht mehr aus dem Boden wie um Tage, sie kriecht jetzL geradezu
greifbar mit der Dunkelheit über das Land. Das Hemd klebt mir am Leibe.
Salzig rinnt es von der Stirn in die Augen. Schwarz, unbeweglich gären in den
Straßengräben. die blasig-Fauligen Wasser. Die Moskiten tanzen und summen vor
den Ohren, Ich presse die Hand gegen die klopfenden. Schläfen, das Blut stößt
schwer und dumpr, wie diese Tropenabende es sind. Es würde vollkommener
Wahnsinn sein, ausschließlich im Tiefland. zweitausend Kilometer zu Fuß laufen
zu wollen, Die paar hundert, die ich hinter mir habe, genügen mir fürs erste...“
Fasse ich die Ausführungen des ganzen Wanderjahres zusammen, so muß
ich zu dem Ergebnis kommen, daß uns beiden sowohl die Strapazen als auch
alle klimatischen Einflüsse gut bekommen sind und irgendwelche sichtlichen
Schädigungen bisher nicht eintraten, Trotz, oder vielleicht gerade wegen des
vielfachen Wechsels von einer zur anderen Höhenlage und damit Klimastufe,
brauchte nicht ein einziger Tag wegen gesundheitlicher Beschwerden auszufallen.
Wir stiegen fünfmal von rund 1000 bis 1200 m hohem Hochland bis weit ins