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Es ergab sich, daß bei der geprüften Zwei
kreiselkompaßanlage „Standard 20 plus“ der
Firma Anschütz und Co. die Anzeigefehler auch
bei schnellen Fahrtänderungen bis zu Geschwin
digkeiten von 70 kn stets kleiner als ±2° bleiben.
Bei schnellen Kursänderungen von bis zu 20°
pro Sekunde blieben die Fehler unter ±3°. Damit
sind die in den genannten IMO-Dokumenten auf
gestellten Anforderungen erfüllt.
Vorrichtung für elektronische
Magnetkompasse zur Kompen-
sierung der Kompaßfehlanzeigen,
die durch den Einfluß von HGÜ-
Kabeln (= Hochspannungs-Gleich
stromübertragung) entstehen
Zur Übertragung hoher elektrischer Leistun
gen werden in zunehmendem Maße Kabel auf
dem Meeresboden verlegt. Das von diesen aus
gehende Magnetfeld bewirkt erhebliche Fehlan
zeigen des Magnetkompasses von Schiffen in
der Nähe des Kabels (bis zu 70°). Die Größe die
ser Fehler hängt ab von der jeweiligen Strom
stärke im Kabel, der Wassertiefe, dem seitlichen
Abstand des Schiffes vom Kabel, der Kabelrich
tung und der Erdfeldstärke. Diese Kompaßfehler
können auf Schiffen, denen nur der Magnetkom
paß für die Kursinformation zur Verfügung steht,
zu erheblichen Querversatzwerten führen; in vie
len Fällen verläßt das Schiff sogar völlig seine
HGÜ-Kompensierung
Sollbahn und folgt dem Kabel. Dadurch können
Schiffskollisionen entstehen, (s. hierzu: Jahresbe
richt 1992 des BSH und Fl.-Ft. Uhlig, R. Schulz:
„Ablenkungen des Magnetkompasses . . . “,
Dt. Flydrogr. Z. 45, 1993, Heft 5).
In den Seekarten und den Nachrichten für
Seefahrer wird empfohlen, das Kabel möglichst
senkrecht zügig zu queren, um so die Versatz
werte möglichst klein zu halten. Hierzu muß der
Schiffsführung die richtige aktuelle Kursinforma
tion zur Verfügung stehen.
Um der Schiffsführung auch im Bereich der
HGÜ-Kabel diese Kursinformation zur Verfügung
zu stellen, wurde ein Verfahren entwickelt, bei
dem aus den Meßwerten für die Längs- und die
Querschiffskomponente des magnetischen Fel
des - diese Werte werden bei handelsüblichen
elektronischen Magnetkompassen gemessen;
aus ihnen wird die Information über den anlie
genden Kurs gewonnen - die notwendigen Kor
rekturen elektronisch berechnet werden. Aus ih
nen ergeben sich die gesuchten korrigierten
Kurswerte.
Bei der Anwendung des Verfahrens wird die
Information über die jeweilige Kabelrichtung aus
der Seekarte entnommen und - bei Aktivierung
des Modus „Kabel queren” - in das Rechensy
stem eingegeben. Die ebenfalls notwendige In
formation über die Erdfeldstärke hat das System
durch Mittelung über die Quadratsummen von
Längs- und Querschiffsfeldstärken während der
der Kabelquerung vorausgehenden „ungestör
ten” Fahrt berechnet und gespeichert. Bei Akti
vierung des Modus „Kabel queren“ gibt es diesen
Wert in den Rechner ein.